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Automobilklub Wirbel um ADAC-Mitgliederwerbung

Nicht zum ersten Mal wird der Autofahrer-Club wegen seiner Werbepraxis in Fahrschulen gerügt.

ADAC
Der Autofahrerclub sucht ständig neue Mitglieder. Foto: imago

Mit seiner Reform für Vertrauen wähnt sich der ADAC seit zwei Jahren wieder auf dem richtigen Weg. Nicht dazu passt anhaltende Kritik an der Praxis Automobilclubs zur Werbung von Jungmitgliedern in Fahrschulen. Diesen Sommer hat deshalb die Verbraucherzentrale Hamburg dem Club wegen Irreführung erfolgreich eine Unterlassungserklärung abgerungen. Nun hat die Stiftung Warentest in eine Fahrschule in Berlin-Zehlendorf eine „Finanztest“-Redakteurin eingeschleust. Was sie dort erlebt hat, ist mindestens irritierend.

Zusammen mit zehn anderen Fahrschülern, viele davon minderjährig, war die Testerin Ende September zum Fahrunterricht angetreten. Der reguläre Fahrschullehrer präsentierte dem Bericht zufolge einen ADAC-Vertreter und verließ daraufhin den Raum. Für die kommenden 90 Minuten seien die Fahrschüler dann mit dem Mann allein gewesen, was wichtig ist, weil berufsrechtlich nur Fahrschullehrer Fahrschüler unterrichten dürfen, wie die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) betont.

Was der ADAC-Mann, der nicht beim Club angestellt ist, sondern für eine Vermittlungsagentur arbeitet, dann macht, empfinden die Fahrschüler als Unterricht, zumindest bis der Werbeteil kommt. Geschenke wie Warnwesten, Parkscheiben und Kugelschreiber seien verteilt und das ADAC-Sicherheitstraining angepriesen worden. Dafür habe es Gutscheine gegeben und dann ADAC-Mitgliedsanträge. Im ersten Jahr ist die Mitgliedschaft für Fahranfänger kostenlos. Der Werber habe erklärt, in welche Felder was einzutragen sei und am Ende zehn unterschriebene Mitgliedsanträge gehabt.

„Als Fahrlehrer weiß ich, dass mir Jugendliche alles unterschreiben, was ich ihnen hinlege“, sagt BVF-Chef Dieter Quentin. Er halte es deshalb für problematisch in Fahrschulen Jugendliche anzuwerben, schon weil viele von ihnen in der Regel minderjährig seien. Allein den Unterricht in Fahrschulen übernehmen dürften Berufsfremde auch nicht. Rechtlich einen Strick daraus drehen könne man dem ADAC aber wohl kaum, weil sich das Auftreten des Werbers leicht als Informationsveranstaltung deklarieren ließe.

 Genau das tut der Adac. „Wir machen keinen Fahrschulunterricht“, so ein Club-Sprecher. Den konkreten Fall könne er nicht kommentieren, weil Fahrschulwerbung in der Hoheit der ADAC-Regionalclubs liege. In Fahrschulen tätige Vermittler erhielten eine Verhaltensschulung. Der ADAC, der jährlich auf gut 100 000 Jungmitglieder kommt, lege Wert auf seriöses Auftreten. Wenn ein Geschäft für Kunden ausschließlich Vorteile bringe, dürfe man auch mit Minderjährigen Verträge abschließen. Das sei bei einer kostenlosen ADAC-Mitgliedschaft so, weil sich ein solcher Vertrag nicht automatisch kostenpflichtig verlängere. In diesem Punkt sei eine Formulierung in den Formularen zeitweise missverständlich gewesen. Auf Drängen der Verbraucherschutzzentrale Hamburg habe man sie nun geändert.

Für den konkreten Fall zuständig ist der ADAC-Regionalclub Berlin-Brandenburg. „Das von der Redakteurin beschriebene Vorgehen entspricht nicht der gängigen Praxis der Fahrschulbetreuer“, erklärt dieser, stellt den konkreten Fall aber nicht in Abrede. Deren Vorträge vor Fahrschülern würden in der Regel nicht länger als 20 Minuten dauern und hätten nur Informationscharakter. Es sei auch noch nicht vorgekommen, dass eine Fahrschulklasse vor Ort komplett ADAC-Mitgliedsformulare unterschrieben habe.

Die Stiftung Warentest überzeugt die Erklärung nicht.

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