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Automarkt Der Automarkt boomt

Im Januar werden so viele PKW zugelassen wie seit 15 Jahren nicht. Autobauer überbieten sich mit Rabatten. Allerdings ist eine Trendwende noch nicht in Sicht.

Zulassungen im Januar
Im Januar wurden so viele Autos wie seit 15 Jahren nicht mehr neu zugelassen - doch auch die Rabatte sind so hoch wie niemals zuvor. Foto: dpa

Von einem „schizophrenen Automarkt“ spricht Ferdinand Dudenhöffer. Der Wissenschaftler von der Uni Duisburg-Essen hält zwei Zahlen gegeneinander. Einerseits wurden im Januar mit 241 000 so viele Pkw wie seit 15 Jahren nicht mehr neu zugelassen. Andererseits hat sein Center Automotive Research (CAR) so hohe Rabatte wie niemals zuvor errechnet – die Daten werden seit Anfang 2010 erhoben.

Für Hersteller und Händler herrschen derzeit geradezu ideale Bedingungen. Das konstatiert auch Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY: Zur guten Lage auf dem Arbeitsmarkt kämen steigende Löhne und „insgesamt positive Konjunkturaussichten“. Obendrein helfe das niedrige Zinsniveau, das „sehr attraktive Finanzierungskonditionen ermögliche“.

Und von diesen letztlich durch die Politik der Europäischen Zentralbank ermöglichten Spielräumen machen die Autobauer reichlich Gebrauch – in Form von sogenannten Sonderaktionen. Dabei stricken die Hersteller spezielle Offerten für bestimmte Modelle zusammen. Das können neben günstigen Finanzierungsangeboten auch Eintauschprämien oder eigens konfigurierte Sondermodelle sein. Im Schnitt lag der Nachlass laut CAR-Berechnungen im Januar bei 14,2 Prozent. Das war noch einmal etwas mehr als sowohl im Vorjahresmonat als auch im Dezember 2016.

Vor allem Citroen nutzt derzeit diese Marketing-Instrumente um den C1 und den C3 an die Frau und den Mann zu bringen. Wobei das Sondermodell C3 Selection mit einem Rabatt von einem Drittel des Listenpreises ganz oben auf der CAR-Liste steht. Doch auch beim Ford Focus werden mit einer „Flatrate-Finanzierung“, beim Seat Mii und Peugeot 208 mit günstigen Leasing-Paketen den Kunden Preisvorteile gewährt, die gut 30 Prozent ausmachen.

Boni und Prämien für Händler

Das Rabattspiel setzt sich bei den Angeboten fort, von denen Kunden profitieren können, die über Internetvermittler ihre Neuwagen bestellen. Dahinter stecken in der Regel Boni und Prämien, die Hersteller den Händlern gewähren.

Diese Form der Verkaufsförderung wird von den Autobauern eingesetzt, um selbst gesteckte Absatzziele zu erreichen. Die Autohäuser geben die gewährten Vergünstigungen an die Kunden häufig fast vollständig weiter. Hier fällt auf, dass Skoda, Renault, Hyundai oder Opel für Kleinwagen heftige Abschläge in Kauf nehmen, um die Fahrzeuge loszuschlagen. An der Spitze steht denn auch mit dem Mitsubishi Space Star ein Kleiner, den Händler in der Basis-Version laut CAR-Recherchen mit einem Kundenvorteil von knapp 31 Prozent offerieren. Die hiesigen Premiumhersteller tauchen in der Liste der Top-20-Rabatte kaum auf.

Hier gibt es nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes denn auch eine stramme Nachfrage – mit kräftigen Zuwächsen für Mercedes (plus 20 Prozent zum Vorjahr) und BMW (plus 19 Prozent). Allerdings müssen die Münchner beim kompakten 1er und beim mittelklassigen 3er mit Händlerprämien nachhelfen, die die Autos für die Käufer fast 20 Prozent billiger machen.

Ein immer wichtigeres Mittel, um den Vertrieb von Personenwagen zu stimulieren sind die Eigenzulassungen – Hersteller und Händler melden Neuwagen mehr oder weniger pro forma an, um sie dann mit einigen Kilometern auf dem Tacho als „junge Gebrauchte“ zu offerieren. De facto handelt es sich aber um Neuwagen, die mit heftigen Vergünstigungen in den Markt geschoben werden. Als aktuelle Quote hat das CAR 30,2 Prozent errechnet, das ist noch einmal ein leichtes Plus zum Dezember und bedeutet, dass fast jeder Dritte Neuwagen derzeit über den Umweg der Eigenzulassung verkauft wird. Ford, Seat, Skoda und Nissan sind unter den ersten Zehn jeweils doppelt vertreten, es handelt sich überwiegend um Kleinwagen, die es für einen Abschlag von mehr als 30 Prozent gibt.

Den Vogel mit einem Rabatt von rund 37 Prozent schießt allerdings Opel mit dem Insignia ab, einem Auslaufmodell der Mittelklasse. Dudenhöffer wundert sich: „Man hat den Eindruck, dass die Autobauer trotz guter Konjunktur mit immer mehr Eigenzulassungen ihren eigenen Markt immer mehr beschädigen.“ Gemeint ist damit ein Szenario, das davon ausgeht, dass die Kundschaft zunehmend an die Rabatte gewöhnt und es damit generell schwerer wird, die Autos zum sogenannten Listenpreis zu verkaufen, der damit mehr oder weniger obsolet wird.

Für die nächsten Monate sieht es jedenfalls nicht nach einer Trendwende aus. Im Gegenteil – was potenzielle Käufer erfreuen dürfte. EY-Experte Fuß macht denn auch darauf aufmerksam, dass die hohen Januar-Neuzulassungen mit zwei zusätzlichen Verkaufstagen zu tun haben. Für das Gesamtjahr geht er von einer „abgeschwächten Dynamik“ aus. Denn das Absatzniveau ist bereits weit oben. Hinzu kämen steigende Inflation und Spritpreise. Zudem könnten die „zugespitzten politischen Unsicherheiten“ in Europa und den USA zu vorsichtigeren Kaufentscheidungen führen.

Was schrumpfende Nachfrage auf dem heftig umkämpften Automarkt bedeutet ist klar: noch stärkere Rabatte. Wer sich in den nächsten Monaten traut, einen Neuwagen zu kaufen, hat also gute Chancen, ein Schnäppchen zu machen.

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