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Autokrise Chancen für Karmann

Insolvenzverwalter Hermann zeigt sich optimistisch für eine Fortführung des Traditionsunternehmens.

11.04.2009 00:04
Karmann - Insolvenzverwalter
Im Fokus steht jetzt Insolvenzverwalter Hermann. Foto: dpa

Der vorläufige Karmann-Insolvenzverwalter sieht gute Möglichkeiten für eine Fortführung des niedersächsischen Cabrio-Herstellers. "Wir haben ein Unternehmen, das eine gute Marke und einen guten Namen hat", sagte Ottmar Hermann am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung in Osnabrück. "Und wir haben gute Kunden, die weiterhin mit Karmann zusammenarbeiten wollen. Das macht uns optimistisch."

Es werde daran gearbeitet, mit der schwierigen Marktlage fertig zu werden. Zunächst müsse die Zahlungsfähigkeit in der Insolvenz hergestellt werden. Dabei werde die Bedienung von Altverbindlichkeiten zurückgestellt. Es gelte, sicher zu stellen, dass die Forderungen von Lieferanten befriedigt und Kundenaufträge bedient werden können. Die Beschäftigten erhalten drei Monate lang Insolvenzgeld. Gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft sollten Lösungen für die Weiterbeschäftigung gefunden werden. Entwarnung konnte Hermann jedoch nicht geben. In einer Insolvenz müsse sich jeder "Sorgen um seinen Job machen."

"Das hörte sich gut an", sagte Wolfram Smolinski, der Betriebsratsvorsitzende von Karmann in Osnabrück, der Frankfurter Rundschau, zum Auftritt von Hermann. Man werde sich bemühen, mit dem Insolvenzexperten doch noch eine Transfergesellschaft hinzukriegen.

Die Familienfirma mit mehr als 3000 Beschäftigten hatte am Mittwoch die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt und dies mit Umsatzrückgängen in Folge der Autokrise und Ausgaben für die Schließung der Sparte, die Fahrzeuge im Auftrag von Autoherstellern baut, begründet. 1335 Beschäftigten wurde betriebsbedingt gekündigt. In Sozialplanverhandlungen einigten sich Karmann und die Arbeitnehmerseite auf einen Sozialplan, der eine Transfergesellschaft vorsieht. Dieser Plan kann laut Karmann nun nicht mehr finanziert werden.

Der Begründung widersprachen Betriebsrat und Gewerkschaft. Die Gekündigten finanzierten mit den ihnen zustehenden Auslauflöhnen die Transfergesellschaft im wesentlichen selbst, erklärte Smolinski. Der Osnabrücker IG-Metall-Chef Hartmut Riemann sieht den wahren Grund der Insolvenz denn auch anderswo.

Für einen erfolgreichen Start des neuen Karmann-Konzepts, das sich vor allem auf die Dachfertigung und die technische Fahrzeug-Entwicklung konzentrieren sollte, wäre eine Liquiditätshilfe von rund 30 Millionen Euro nötig gewesen. Hierfür seien mit Banken Kreditverhandlungen geführt worden, die niedersächsische Landesregierung habe die Bereitschaft signalisiert, den Kredit abzusichern, berichtete Riemann. "Da eine Bürgschaft jedoch in der Regel nur maximal 80 Prozent eines Kredits abdecken kann, gehen wir davon aus, dass die Gesellschafter nicht bereit waren, die restlichen 20 Prozent zu verbürgen", erklärte Riemann und warf den Gesellschaftern - den drei Familienstämmen Battenfeld, Boll und Karmann - "verantwortungsloses Verhalten" vor.

Ähnlich argumentierte auch IG-Metall-Chef Heinz Pfeffer aus dem Karmann-Standort Rheine in Westfalen. "Nur durch zusätzliches Kapital der Eigentümerfamilien wäre eine Insolvenz vermeidbar gewesen", jahrelang seien gute Gewinne erzielt worden und die Familien hätten ein erhebliches Privatvermögen angehäuft. In der Krise überlasse man das Unternehmen sich selbst. "Wir erleben auch hier einen eiskalten Kapitalismus, von Moral und Verantwortung keine Spur."

Der Insolvenzverwalter sucht nun nach Investoren für Karmann. Er wird mit der Landesregierung reden und auch, wie Hermann in Osnabrück sagte, mit den Alt-Eignern darüber sprechen, ob sie sich mit ihren Privatvermögen an dem angeschlagenen Unternehmen beteiligen wollen. sch/rtr/ddp/dpa

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