Lade Inhalte...

Autoindustrie Autobauer sind am Scheideweg

Diesel-Skandal, höhere CO2-Grenzwerte: Die deutsche Autoindustrie kommt immer stärker in Bedrängnis. Haben die Automanager die Zukunft ihrer Firmen aufs Spiel gesetzt?

Mercedes-Stern
Da hilft auch ein polierter Stern nicht mehr, wenn die Abgaswerte nicht stimmen. Foto: rtr

Die Autobranche muss ihren CO2-Ausstoß senken. Dafür haben sich nach dem EU-Parlament auch die Umweltminister der Mitgliedsstaaten ausgesprochen. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte deutlich reduziert werden. Die FR erläutert, was das für die Verbraucher und den Klimaschutz bedeutet und welche Herausforderungen auf die Autobranche zukommen. 

Wie sehen die Pläne der Umweltminister konkret aus?
Die EU geht in mehreren Schritten vor. Seit 2015 gilt, dass die Neuwagenflotten der Autobauer im Schnitt maximal 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer in die Luft blasen dürfen. 2021 soll dieser Wert auf 95 Gramm gesenkt werden. 15 Prozent weniger müssen es 2025 nach dem Beschluss der EU-Umweltminister sein. Und 2030 soll eine Minderung um 35 Prozent erreicht werden. Das wären knapp 62 Gramm pro Kilometer. Der Autowissenschaftler Stefan Bratzel hat hochgerechnet, dass dies einem Durchschnittsverbrauch von 2,7 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht. 

Würden damit die Klimaziele erreicht?
Mehrere Umweltorganisationen in Europa haben durchgerechnet, dass damit die Klimaziele der EU verfehlt werden. Wobei da eine Begrenzung der Erderwärmung um zwei Grad vorausgesetzt wird. Der Weltklimarat IPCC hat Anfang der Woche aber dringend geraten, die Anstrengungen massiv zu verstärken, um nur 1,5 Grad zu erreichen. Vier deutsche Umweltverbände fordern deshalb eine Minderung auf zunächst 70 Gramm für 2025 und auf 40 Gramm für 2030. 

Welche Rolle spielt die Bundesregierung?
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) war nach Brüssel mit dem Auftrag der Regierung gereist, eine Minderung von maximal 30 Prozent durchzusetzen, obwohl sie selbst eine deutlich stärkere Reduzierung befürwortet. Schließlich hat sie einem Kompromiss von 35 Prozent zugestimmt. Viele Mitgliedsstaaten hatten 40 Prozent gefordert. Schulze sagte am Mittwoch, sie halte die Einigung „auf jeden Fall für verträglich“.

Wie geht es nun weiter?
Nun stehen sehr komplizierte Verhandlungen mit dem EU-Parlament bevor, weil die dortige Mehrheit ebenfalls die 40 Prozent befürwortet. Theoretisch könnte man sich in der Mitte treffen. Denkbar sind auch die 40 Prozent mit großzügigen Ausnahmeregelungen, etwa für Premium-Autobauer, die viele überdurchschnittlich motorisierte Autos verkaufen. Das würde den deutschen Herstellern helfen. 

Wie viel blasen die Neuwagen in Deutschland derzeit in die Luft?
Bei den offiziellen CO2-Werten aller Neuzulassungen hierzulande geht es seit geraumer Zeit nicht nach unten, sondern deutlich nach oben. So waren es nach Berechnungen der Prüfgesellschaft EY im Juli 2017 rund 131 Gramm, nach nur 125 Gramm im Herbst 2015, Ende 2017 kamen schon 127 Gramm zusammen. Dass der generelle, EU-weite Grenzwert (130 Gramm) überschritten werden kann, hat damit zu tun, dass es für jeden Autobauer eigene Werte gibt, die vom Gewicht der Autos abhängen: Je schwerer die Wagen sind, umso mehr CO2 ist erlaubt. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen