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Autobauer Werbung für den Diesel

Die deutschen Autobauer kämpfen für eine Renaissance der Antriebstechnik – und mit Problemen an allen Ecken und Enden.

Dieter Zetsche
Washington, 4. Dezember 2018: Daimler-Chef Dieter Zetsche verlässt das Weiße Haus nach einem Gespräch mit Präsident Trump. Foto: dpa

Bernhard Mattes spricht von einem „prall gefüllten Lastenheft“. So wie der Präsident der Autolobby VDA kann man es auch formulieren. Deutschlands wichtigste Industriebranche steht vor einem Berg von Problemen. Den vielleicht wichtigsten Punkt erwähnte Mattes am Mittwoch eher beiläufig. Viel hänge davon ab, „wie sich die internationale Handelspolitik entwickelt“. Sollten die von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochenen Streitigkeiten über Exporte und Strafzölle eskalieren, könnte es heftige Verwerfungen geben. Einen Vorgeschmack darauf erleben die deutschen Pkw-Hersteller, die in den USA produzieren, gerade: Deren Exporte nach China sind in den ersten zehn Monaten des Jahres um ein Drittel eingebrochen – China hat Vergeltungszölle erlassen wodurch Fahrzeuge von Mercedes und BMW nur noch schwer verkäuflich sind.

Sollte sich die US-Regierung tatsächlich dazu entschließen, Auto-Importe aus Europa mit einer zusätzlichen Abgabe von 25 Prozent zu belegen, könnte es ähnlich starke Einbrüche insbesondere für die sogenannte Premiumkategorie geben, zu der auch die Volkswagen-Marken Audi und Porsche gehören. Aber immerhin ist es deutschen Autobossen bei einem Besuch im Weißen Haus am Dienstag angeblich gelungen, US-Präsident Donald Trump einigermaßen zu besänftigen. Volkswagen-Chef Herbert Diess betonte, man sei einen großen Schritt vorwärts gekommen, um Strafzölle zu verhindern.

Aber: Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Autobauer ist die Konjunktur. Für Deutschland wurden die Wachstumsprognosen von der Bundesregierung und vielen Volkswirten nach unten korrigiert. Auch China wächst langsamer, was zusammen mit den Strafzöllen nach Einschätzung von Mattes dazu führen wird, dass der dortige Markt in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit schrumpfen wird.

Aber auch in Europa werden Verbraucher vorsichtiger, wenn es um größere Anschaffungen geht. Das lässt sich an aktuellen Neuzulassungen ablesen, die im November deutlich sanken. Hierzulande betrug das Minus zehn Prozent. Allerdings gibt es auch einen Sondereffekt: Viele Autobauer haben die Folgen des neuen Standards WLTP für die Abgasprüfung krass unterschätzt. Sie kamen mit der Zertifizierung ihrer Modelle nicht hinterher. Lieferengpässe waren die Folge. Der VDA jedenfalls hat nun seine Jahresprognose von 3,5 Millionen auf 3,4 Millionen neu verkaufte Autos nach unten korrigiert.

Eine andere Baustelle: Der Verkauf von Diesel-Pkw ist hierzulande eingebrochen. Im November waren noch 34 von 100 verkauften Autos mit Selbstzündern ausgestattet – in den besten Zeiten machten sie mehr als die Hälfte aus. Mattes warb am Mittwoch heftig für die Pkw, die den zähflüssigen Kraftstoff verbrennen. Mit Blick auf den Klimaschutz müsse der Diesel-Anteil wieder steigen, sagte Mattes und fügte hinzu: „Wir dürfen den Blick auf CO2 vor lauter Diskussionen über Stickstoffdioxid nicht verstellen.“ Dieselmotoren erzeugen beim Verbrennen große Mengen des Reizgases, was aufwendige Abgasreinigungen nötig macht, bei denen viel manipuliert wurde. Die Folge sind drohende Fahrverbote in vielen Städten, nebst großer Verunsicherung der Autokäufer. Aber die Aggregate haben den Vorteil, dass sie vom Klimakiller Kohlendioxid deutlich weniger als vergleichbare Benziner in die Luft blasen. 

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