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Auto mit Autopilot Tödlicher Unfall mit selbstfahrendem Auto

In den USA ist ein Tesla-Sportwagen mit einem Laster kollidiert. Der Autopilot hat einen Lkw-Anhänger nicht erkannt. Der Fahrer stirbt.

Tesla Model S
ARCHIV - Ein Mann sitzt am 17.08.2015 in München (Bayern) in einem Tesla Model S auf dem Fahrersitz vor einem Showroom des Autoherstellers. Der erste tödliche Unfall mit dem automatisierten Fahrsystem des Elektroauto-Herstellers Tesla ruft die amerikanische Verkehrsaufsicht auf den Plan. Foto: Sven Hoppe/dpa (zu dpa "US-Verkehrsaufsicht prüft Teslas «Autopilot» nach erstem Todesfall" vom 01.07.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Sven Hoppe (dpa)

Erstmals ist ein Mensch bei der Fahrt mit einem selbstfahrenden Auto ums Leben gekommen. Wie die US-Verkehrsaufsicht jetzt mitteilte, kam Anfang Mai in Florida ein 40-jähriger Mann ums Leben, als sein Fahrzeug vom Typ Tesla Model S, einer Limousine mit elektrischem Antrieb des US-Herstellers, auf Autopilot geschaltet war. Das Fahrzeug kollidierte mit einem Lastwagen.

Nach Angaben von Tesla war der Wagen zum Unfallzeitpunkt auf der Autobahn unterwegs. Weder der Fahrer noch der Autopilot hätten den weißen Lastkraftwagenanhänger erkannt, der die Straße überquert habe. Die Software habe ihn nicht vom hellen Himmel unterscheiden können. Einem Polizeibericht zufolge fuhr der Tesla unter dem Lkw-Anhänger hindurch, wobei die Windschutzscheibe gegen die Unterseite des Anhängers traf. Das Fahrzeug schoss dann weiter durch ein Feld und mehrere Zäune hindurch, bevor der Wagen rund 30 Meter südlich der Straße zum Stehen kam.

Das Unfallopfer war Gründer eines Technologieunternehmens aus Ohio. Noch einen Monat vor dem Unfall hatte er ein Video seiner Fahrzeug-Dashcam gepostet, das zeigt, wie Teslas Autopilot einem plötzlich in die Spur drängenden LKW ausweicht. Der Autopilot habe seinen Wagen von alleine vor einem seitlichen Crash gerettet, schrieb der Unternehmer damals.

Tesla-Gründer Elon Musk sprach von einem tragischen Verlust. Der US-Hersteller wies zugleich darauf hin, dass sich das System noch in der Betaphase befinde und die Fahrer ihre Hände stets am Steuer lassen müssen. Der Wagen registriere, wenn sich die Hände nicht am Lenker befänden, und verlangsame dann den Wagen.

Der Autopilot kann Tempo, Abstand und Geschwindigkeit halten, Hindernissen ausweichen und automatisch einparken. Wenn der Blinker betätigt wird, kann der Wagen auch alleine die Spur wechseln.

Nach Angaben von Tesla ist der Todesfall der erste bekannte tödliche Unfall in über 200 Millionen Kilometern, die Tesla-Fahrzeuge bislang mit dem Autopiloten zurückgelegt hätten. Im Durchschnitt aller Fahrzeuge komme in den USA ein tödlicher Unfall auf 145 Millionen gefahrene Kilometer, weltweit passiert dies alle 95 Millionen Kilometer.

Unter Experten ist es weitgehend unstrittig, dass selbstfahrende Autos die Zahl der Verkehrsunfälle drastisch reduzieren werden. Bislang befinden sich alle Systeme allerdings noch im Entwicklungsstadium und dürfen nur unter menschlicher Überwachung eingesetzt werden. Nur durch den Einsatz im Verkehr können die Daten gesammelt werden, damit die Software auch lernt, auf außergewöhnliche Gefahrensituationen zu reagieren.

Verkehrsaufsicht prüft

Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Technologien, die Tesla und andere Hersteller einsetzen. So verzichtet Tesla im Gegensatz zu Google und anderen Herstellern auf den Einsatz eines Systems, bei dem Laserstrahlen verwendet werden, um Hindernisse zu erkennen. Mit Laser können Hindernisse auch bei schwierigen Sichtverhältnissen identifiziert werden. Zwar setzt Tesla neben Kameras auch andere Sensoren ein, allerdings könnte im Fall des tödlichen Unfalls der Abstand des Lkw-Anhängers zum Boden so hoch gewesen sein, dass er von den Sensoren nicht erfasst wurde.

Das sei „eine Katastrophe und ein Horrorszenario“ für die Autobranche, sagte der Duisburger Uni-Professor Ferdinand Dudenhöffer am Freitag. Auch Willi Diez vom Nürtinger Institut für Automobilwirtschaft sprach von einem Rückschlag für die Branche: „Das wird die Skepsis bezüglich der Sicherheit in einem breiteren Publikum verstärken.“ Diez hält es aber für sehr unwahrscheinlich, dass ähnliche Unfälle in Autos deutscher Hersteller passieren könnten. „Die Firmen hierzulande sind vorsichtig und wollen allerhöchste Sicherheit gewährleisten, dadurch haben sie  weniger umfassende Autopilotfunktionen im Angebot als beispielsweise US-Konkurrent Tesla“, sagte Diez.

Die US-Verkehrsaufsicht hat nun wegen des tödlichen Unfalls eine vorläufige Untersuchung eingeleitet. Die Assistenzsysteme sollen überprüft werden. Dies ist der erste Schritt, bevor die Behörde einen Rückruf anordnen kann, wenn sie Autos für unsicher hält. Betroffen sein könnten bis zu 25.000  Fahrzeuge des Model S, die jeweils mindestens 66.000 Dollar kosten.

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