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Auto-Bauer Opel will zurück in die Spur

Der Autobauer Opel steht ein Jahr nach Beginn der Sanierung besser da als damals. Obwohl noch längst nicht alles rosig ist, sind frühere Kritiker angetan - ein Autoexperte sieht gar die Chance auf erfolgreiche Zukunft.

Opel
Das Opel-Logo leuchtet noch, doch glänzt es auch bald wieder? Foto: rtr

Deutlicher ging es nicht: „Opel ist in einer dramatischen Situation. Wir haben keine Minute zu verlieren.“ Carlos Tavares, Chef des französischen Autokonzerns PSA, nahm vor einem Jahr in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim kein Blatt vor den Mund. Wenige Wochen zuvor hatten die Franzosen den renommierten, seit einem Jahrzehnt in der Krise steckenden deutschen Autohersteller dem US-Konzern General Motors (GM) abgekauft. 

Opel-Chef Michael Lohscheller präsentierte mit Pace am Morgen des 9. Novembers ein hartes Sanierungsprogramm, mit dem Opel bis 2020 komplett neu aufgestellt und eng mit PSA verzahnt werden sollte. Ein Jahr danach zieht Lohscheller eine positive Zwischenbilanz. „Pace funktioniert. Opel wird nachhaltig profitabel, elektrisch und global.“ Tatsächlich geht es voran: Erstmals seit langem verbuchte das Unternehmen im ersten Halbjahr wieder einen Betriebsgewinn – gleich eine halbe Milliarde Euro.

Hinter Ford zurückgefallen

Trotz der Fortschritte ringt Opel um eine bessere Aufstellung. Derzeit geht es um eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Ingenieurdienstleister Segula für große Teile des Entwicklungszentrums am Stammsitz in Rüsselsheim. Weil auch durch die Trennung von GM Aufträge wegfallen, sind nach Angaben von Lohscheller bis zu 2 000 Stellen bedroht. Die könnten bei einem Kündigungsschutz bis Mitte 2023 mit Segula gesichert werden. Gesamtbetriebsrat und IG Metall sind skeptisch, sprechen von einem Verkauf, einem Angriff auf die Arbeitsbedingungen und befürchten Gehalts- und Lohneinbußen von bis zu 25 Prozent. Sie warnen vor einer Zerschlagung des Entwicklungszentrums. Wann und wie sich beide Seiten einigen, ist offen.

Auch mit Blick auf die Zulassungszahlen sieht es für Opel nicht rosig aus. Zwar gab es im Oktober in Deutschland gegen den deutlich negativen Trend des Marktes ein leichtes Plus von einem Prozent auf 19 545 neu zugelassene Pkw. Aber seit Januar verbucht Opel ein Minus von 6,4 Prozent auf 193 421 Einheiten. Gemessen am Marktanteil von 6,6 Prozent liegt Opel damit zum ersten Mal seit Jahrzehnten hinter Ford nur an sechster Stelle und ganz weit hinter VW.

Die Wolfsburger kommen trotz Dieselkrise auf 18,9 Prozent. In Europa ist der Marktanteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall von 6,3 auf 5,8 Prozent gefallen. Und auch Opel muss sich wegen möglicher illegaler Abschalteinrichtungen Auflagen des Kraftfahrtbundesamtes gefallen lassen und Diesel-Pkw zurückrufen. Opel sieht sich zu Unrecht am Pranger und zieht vor Gericht.

Die Bilanz stimme. Man sei auf dem richtigen Weg, sagt Lohscheller gleichwohl. Er hat Wort gehalten und trotz des Kostendrucks kein Werk geschlossen. Dabei soll es bleiben. Zugleich werde in die Werke investiert. Auch sei niemand entlassen worden. Es fallen zwar 3 700 Stellen weg, aber ausschließlich über Abfindungsprogramme. Auch im Management sei ein Viertel der Stellen gestrichen worden, betont Lohscheller und räumt ein, dass es beim Verkauf hakt. Aber dies resultiert auch daraus, dass man auf das defizitäre Flottengeschäft mit Autovermietern verzichtet und offensichtlich auch die Zulassung von Pkw auf Händler reduziert. Mit jedem verkauften Auto erziele Opel heute mehr Umsatz und Gewinn. Lohscheller zufolge geben Kunden in Deutschland heute rund 1 400 Euro mehr für einen Opel aus als vor Jahresfrist. Heute produziere Opel nur noch entsprechend der Nachfrage und nicht mehr auf Halde. 

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