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"Aufrunden, bitte!" Aufrunden für arme Kinder

Christian Vater will das Wechselgeld der Kunden - aber nicht für sich, sondern für soziale Zwecke in Deutschland. Sagt der Kunde an der Kasse "Aufrunden, bitte", wandern ein paar Cents bis zum nächsten runden Betrag in eine eigens dafür gegründete Stiftung.

08.03.2012 17:19
Anne Lena Mösken
Christian Vater, Initiator der Aktion „Deutschland rundet auf“. Foto: dra

Einen Monat lang arbeitete Christian Vater in einer Berliner Filiale des Supermarktes Kaiser’s an der Kasse. Testweise. Danach war der 37-Jährige sicher, dass seine Idee funktionieren könnte. Wenn die Kunden die Hand für das Wechselgeld aufhielten, fragte er: „Was machen Sie mit Ihren Cents?“ Meistens war die Antwort: „Die brauche ich nicht.“ Vater will diese Cents. Nicht für sich, sondern für Projekte, die sich um bedürftige Kinder in Deutschland kümmern. Und seit Donnerstag vergangener Woche bekommt er viele der kupferroten Münzen.

Fünfzehn Unternehmen, darunter Kik, Douglas, WMF oder Penny mit insgesamt 40.000 Kassen konnte Vater bisher von seiner Idee überzeugen. Sagt der Kunde „Aufrunden bitte!“, werden statt 1,98 Euro glatte zwei Euro kassiert. Wie viel Geld dabei zusammenkommt, wird per Ticker auf der Webseite www.deutschland-rundet-auf.de zu sehen sein.

Man muss nicht gleich die Welt retten

„Man muss nicht immer gleich die Welt retten“, sagt Vater, der dem Sänger von Coldplay ähnelt. Bei Kaiser’s wird man sich über den Lebenslauf der Aushilfskraft gewundert haben: Banklehre, Praktikant bei BMG Music, dann Wirtschaftsstudium in London, Assistent des Vorstandes von EMI Music und schließlich Management von Robbie Williams. Als Vater an der Kasse saß, hatte er bei der Deutschen Entertainment?AG Erziehungsurlaub für sein erstes Kind genommen.

Extrem spannend sei die Zeit in der Musikindustrie gewesen, sagt Vater. Aber der Umgang mit den Künstlern sei eine Art moderner Menschenhandel, bei dem nur das Geld zähle. Er sei mit anderen Werten aufgewachsen. Sein Vater, Arzt in Berlin, nahm ihn öfters zu Hausbesuchen mit. Vor allem die Dankbarkeit der Patienten hat sich ihm eingeprägt. Aus dieser kindlichen Erfahrung wuchs der Wunsch des Erwachsenen, helfen zu wollen.

„Du musst zu Hause etwas tun“

So gründete Vater zunächst 2008 eine Stiftung für HIV-infizierte Kinder in Afrika. Bis er in der Zeitung las, wie viele Kinder in Deutschland in Armut leben. „Du musst zu Hause etwas tun“, sagte er sich. „Deutschland rundet auf“, wie die Aktion heißt, besteht aus zwei Zweigen: Eine GmbH trägt die laufenden Kosten und wird durch eine Gebühr der teilnehmenden Unternehmen finanziert. Die Cents wiederum gehen an eine eigens gegründete Stiftung und so zu hundert Prozent an soziale Projekte.

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