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Atommüll Atom-Endlagersuche behindert Geothermie

Wegen einer gesetzlichen Vorgabe, wonach die Suche nach dem künftigen Atom-Endlager von einer „weißen Landkarte“ ausgehen soll, gilt für die möglichen Standorte für Erdwärme-Nutzung eine Veränderungssperre.

Geothermie
Ein kleines Geothermie-Kraftwerk in Island. Foto: rtr

Die Geothermie-Branche sieht sich durch den Neustart der Suche nach einem Atom-Endlager ausgebremst. Viele Projekte der Erdwärme-Nutzung seien unnötigerweise gestoppt worden, warnt der Bundesverband Geothermie (BVG). Es seien auch Gebiete quasi gesperrt, die für ein Endlager gar nicht in Frage kommen. Der Verband fordert, diese Standorte sofort wieder freizugeben. Die jetzigen Regelungen stünden der überfälligen „Wärmewende“ und dem Klimaschutz im Wege. Bei der Geothermie geht es um Wärmegewinnung, Kühlung und Stromproduktion.

Grund für die harsche Kritik des Verbandes ist die Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe, wonach die Suche nach dem künftigen Atom-Endlager von einer „weißen Landkarte“ ausgehen soll. Um keine potentielles Endlager vorab unbrauchbar zu machen, gilt für die möglichen Standorte eine Art Veränderungssperre. Projekte im tiefen Untergrund wie Erdwärme-Nutzung, Brunnenbau oder Bergbau zur Rohstoffgewinnung werden künftig erst dann genehmigt, wenn das in Berlin ansässige Bundesamt für kerntechnische Sicherheit (BfE) zustimmt. Konkret geht es um Vorhaben ab einer Tiefe von 100 Metern.

Geothermie-Anlagen werden nicht vorangetrieben

BVG-Präsident Erwin Knapek kritisiert in einer Stellungnahme, die der FR vorliegt, dass derzeit hunderte Genehmigungsverfahren für Geothermie-Anlagen nicht vorangetrieben werden könnten. „Die Umsetzung der neuen, ergebnisoffenen Suche ist grotesk“, meint er. Tatsächlich existieren längst ausreichende geologische Informationen darüber, welche Regionen für ein Endlager grundsätzlich ungeeignet sind. Die Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe (BGR) habe bereits vor Jahren untersuchungswürdige Wirtsgesteinsformationen für ein Endlager identifiziert. „Der Rest des Bundesgebiets könnte also freigegeben werden“, so Knapek.

Doch dies werde genauso ignoriert wie „die Tatsache, dass unter einem dichtbesiedelten Gebieten wie Berlin, München, Köln oder Hamburg niemals ein Endlager akzeptiert werden wird“. Knapek vermutet, dass Politik und Behörden „die zu erwartenden heftigen Diskussionen in der Öffentlichkeit in diesen Regionen möglichst weit in die Zukunft“ verschieben wollten.

Knapek betont, die „saubere und gewissenhafte Endlagerung von radioaktiven Abfällen“ sei von „herausragender Bedeutung“. Ein zweites Gorleben müsse verhindert werden. Allerdings drohe nun beim Ausstieg aus der überkommenen und gefährlichen Atomtechnologie ausgerechnet die Geothermie aufgrund „unausgegorener politischer Überlegungen“ abgeschossen zu werden.

Das Bundesamt teilte auf FR-Anfrage mit, die von Knapek kritisierten Regelungen stellten „keine Blockade dar“, sondern seien „notwendig im Sinne des Gemeinwohles“ und kürzlich „mit breiter Mehrheit vom Bundestag beschlossen“ worden. Laut Gesetz sollten die Standorte vor nachteiligen Veränderungen geschützt werden, die möglicherweise für einen Endlager-Standort in Frage kommen. Eine Vorab-Freigabe von Gebieten, wie sie der BVG fordert, ist laut BfE nicht möglich, da dies das „gesetzlich festgelegte Verfahren konterkarieren“ würde.

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