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Atomgeschäfte Milliarden für Uran-Minen

Nach Fukushima versprachen viele Banken, keine neuen Atomprojekte zu finanzieren. Die Deutsche Bank und die Hypo-Vereinsbank brechen ihr Versprechen und finanzieren weiterhin Uran-Geschäfte.

Fukushima heute. Auch nach dem GAU vor zwei Jahren vergeben deutsche Banken Atomkredite. Foto: REUTERS

Nach Fukushima versprachen viele Banken, keine neuen Atomprojekte zu finanzieren. Die Deutsche Bank und die Hypo-Vereinsbank brechen ihr Versprechen und finanzieren weiterhin Uran-Geschäfte.

Nicht nur die deutsche Regierung, auch die Banken wollten vor zwei Jahren aus dem GAU von Fukushima langfristige Lehren ziehen. Hatten sie bis dahin mit Krediten etliche Atomprojekte in aller Welt erst ermöglicht, wollten viele Geldhäuser ihren Kurs nun ändern. Man werde, erklärte etwa die Hypo-Vereinsbank (HVB), „keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben, die sich dem Umweltthema nicht stellen“. Das gelte auch für AKW-Neubauten im Ausland. Der Image-Schaden sei zu groß. Selbst die Deutsche Bank wollte vorerst kein Geld mehr für neue AKW hergeben.

Studie von Urgewald

Zwei Jahre später hat der Umweltschutz-Verein Urgewald die Versprechen jetzt überprüft – mit zwiespältigem Ergebnis: Während einige Banken das Geschäft mit Uranminen und Atomkrediten tatsächlich aufgaben, änderten andere fast nichts. Zu letzteren zählen ausgerechnet HVB und Deutsche Bank. Urgewald hat für die Studie, die dieser Zeitung vorliegt, ein Finanzforschungsinstitut die Geldquellen der drei wichtigsten Urankonzerne recherchieren lassen: Areva (Frankreich), BHP Billiton (Australien/England) und der Multi Rio Tinto decken ein Drittel des Uranmarktes ab. Areva ist zudem führender Anbieter für neue AKW. Zudem befragte der Verein die acht größten deutschen Banken nach ihren Vergaberichtlinien.

Im Ergebnis ergibt sich ein zweigeteiltes Bild: Zum einen betonen alle Banken, sensibler mit Atom-Finanzierungen umzugehen. Zwei sind aus reinen Atomprojekten ganz ausgestiegen: „Fukushima zeigte, dass Atomkraft eine Hochrisikotechnologie mit kaum abschätzbaren Folgen ist“, schreibt die BayernLB. „Deshalb finanziert die Bank keine neuen Projekte zum Bau neuer Atomkraftwerke oder zum Abbau von Kernbrennstoffen.“ Auch die Commerzbank „finanziert grundsätzlich keine Atomkraftwerke und Uranminen“. Die Deka-Bank sagt, solche Kredite gehörten nie zu ihrer Geschäftsstrategie.

Investition in Kernkraft

Bei den übrigen Großbanken hat sich dagegen wenig geändert. So verfügt die Landesbank Baden-Württemberg, die bisher mehrfach Atomkonzerne finanzierte, bis heute nicht über spezielle Prüfkriterien für den Nuklearsektor. Das gilt auch für die Deutsche Bank, die aber zumindest für die Förderung konkreter Einzelprojekte jeden Fall „länder- und sicherheitsspezifisch“ prüfen will. Die HVB beruft sich auf Standards „auf Basis von Regelwerken internationaler Organisationen“. Den Wortlaut ihrer Richtlinien halten beide Banken aber geheim.

Also außer Gesten nichts gewesen? Tatsächlich unterstützen vier der acht Großbanken – Commerzbank, Deutsche Bank, HVB und LBBW – mit Krediten oder der Ausgabe von Anleihen und Aktien nach wie vor Energiekonzerne. Zwar unterstreichen alle, sich dabei besonders für erneuerbare Energien zu engagieren. De facto wissen sie aber nicht, in welche Sparte ihr Geld fließt. Dass die Kreditnehmer auch Kohle, Öl und Atom im Portfolio haben dürfen, begründen die Banken mit „Transformationsprozessen zur Energiewende“. Die Deutsche Bank entschied sogar „nach internen Diskussionen“, dass ihre Investment-Tochter weiter in Kernkraft investiere, weil diese eine „Brückenenergie“ sei, die eine „CO2 -arme Energieversorgung sicherstellt“. Doch auch direkt in Uranabbau und -anreicherung flossen Milliarden von Deutscher Bank und HVB.

Obwohl die Gesundheits- und Umweltschäden sowie Menschenrechtsverletzungen vor allem in den Uranminen Afrikas und Osteuropas bestens dokumentiert seien, so Urgewald, verhalf die Deutsche Bank den Rohstoffkonzernen Areva und Rio Tinto zwischen März 2011 und Januar 2013 zu mehr als 1,1 Milliarden Euro. Die HVB versorgte Areva und BHP mit mehr als 944 Millionen. Berichte, der HVB-Vorstand habe Areva sogar explizit Garantien von 500 Millionen Euro für den Ausbau des tschechischen Pannenmeilers Temelin an der deutschen Grenze angeboten, kommentiert die Bank nicht.

Immerhin, so Urgewald, gebe es auch eine gute Nachricht von der Deutschen Bank. Sie habe den Verkauf von Zertifikaten für einen allein aus Atomfirmen zusammengesetzten Fonds gestoppt.

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