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Arzneimittelhersteller Stada ordnet die Zukunft

Doch auf der Aktionärsversammlung gibt es noch mal ordentlich Ärger.

Stada
Blick ins Labor: Stada will in neue Technologien investieren. Foto: Stada

Essen und Getränke reichten bis zum Schluss, und als die Aktionäre nach gut vier Stunden die Hauptversammlung des hessischen Arzneimittelherstellers Stada (Ladival, Grippostad, Hoggar) verließen, konnten sie sogar bei Tageslicht nach Hause gehen. Damit war am Mittwoch vieles anders als vor zwei Jahren, als die Tagung dreizehn Stunden dauerte und es zum offenen Machtkampf einflussreicher Aktionäre kam. Seither hat sich bei Stada eine Menge geändert und es deutet nun einiges darauf hin, dass die Verhältnisse in Zukunft wieder geordneter sein werden.

Das Sagen bei dem Unternehmen haben nun die Finanzinvestoren Bain und Cinven. Sie halten die Mehrheit der Aktien und bestimmen mit ihren Vertretern im Aufsichtsrat von Stada den Kurs des Unternehmens und die wichtigen Personalien. Sie sorgten am Mittwoch für die Wiederwahl der bisherigen Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat sowie des Aufsichtsratschefs Günter von Au. Damit könnte in dieses Gremium zum ersten Mal seit Langem personelle Kontinuität einziehen. 
Diese wird auf Vorstandsebene noch gesucht. Vier Vorstandschefs in etwas mehr als zwei Jahren sprechen Bände. Und der fünfte Chef ist bereits im Anmarsch. Im September soll Peter Goldschmidt das Amt von Claudio Albrecht übernehmen, der den Posten auch erst seit acht Monaten innehat, diese Zeit aber genutzt hat, um im Unternehmen aufzuräumen und Wachstums- und Sparprojekte zu lancieren.

Aufzuräumen gab es wahrlich genug. Im Zuge des Machtkampfes nach dem Abgang des langjährigen Firmenchefs Hartmut Retzlaff wurden allerlei Vorwürfe gegen Manager und Aufsichtsräte erhoben. Dazu zählte der angebliche Abschluss von Beraterverträgen ohne erkennbare Gegenleistung, Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft und Verletzung von Vorschriften. Das meiste davon scheint sich nun in Luft aufzulösen. Das Unternehmen hat Anwaltskanzleien damit beauftragt, Stada zu durchforsten. Der Abschlussbericht ging an die Frankfurter Staatsanwaltschaft. 

Kein Hinweis auf Betrug

Diese habe keine Hinweise auf „Betrugsdelikte, auf Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen, Marktmanipulation oder Insiderhandel, auf Unterschlagung, Diebstahl, Begünstigung, Korruption oder auf eine persönliche Bereicherung zulasten von Stada gefunden“, sagte Albrecht am Donnerstag. Hingegen sei gegen zwei Ex-Manager ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Genauer wurde er nicht, erwähnte aber die Möglichkeit, dass die Verfahren eingestellt werden könnten, was sich als ein Hinweis auf die Geringfügigkeit der möglichen Vergehen deuten lässt.

Ärger stand Aufsichtsrat und Vorstand am Mittwoch dennoch ins Haus. Denn die Kleinaktionäre sind alles andere als zufrieden mit der Politik der neuen Machthaber. Rechtsanwalt Peter Barth, der die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vertrat, nannte das Aktionärstreffen eine „reine Possenveranstaltung der Großaktionäre“. Die Kleinanleger sind wütend darüber, dass es für das vergangene Geschäftsjahr nur eine Dividende von 0,11 Cent je Aktie gibt, nach 72 Cent im Vorjahr. Dabei liefen die Geschäfte trotz aller Turbulenzen gut: Der Umsatz stieg um acht Prozent auf gut 2,3 Milliarden Euro. Vor allem Nachahmermedikamente verkauften sich in Belgien, Italien und Serbien gut, ebenso Markenprodukte in Russland. Der Gewinn sank um ein Prozent auf 85,3 Millionen Euro. Die Großaktionäre „versuchen, die anderen Aktionäre um den Erfolg des vergangenen Geschäftsjahres zu bringen“, wetterte Barth.

Stada-Chef Albrecht verteidigte die Dividendenkürzung damit, dass das Geld benötigt werde, um in das Wachstum des Unternehmens zu investieren. Neue Märkte müssten erschlossen und neue Technologien vorangetrieben werden. Stada soll zum Beispiel in Schwellenländern und bei Nachahmerprodukten von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln stärker werden.

Dieser Kurs soll vom künftigen Vorstandschef Goldschmidt fortgesetzt werden. Der 53-Jährige kommt vom Konkurrenten Sandoz, wo er in den vergangenen fünf Jahren das Geschäft mit Nachahmermedikamenten in den USA stark ausgebaut hat. Er wird dann allerdings nicht Chef eines M-Dax-Unternehmens sein. Stada gehört dem zweitwichtigsten deutschen Börsenindex künftig nicht mehr an. Auch das ist neu bei den Bad Vilbelern.

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