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Arzneimittel-Branche Boehringer gibt Studien frei

Boehringer gibt hunderte Arzneimittelstudien für Forscher frei. Der Ingelheimer Arzneimittelkonzern hat dazu eine gemeinsame Platttform mit anderen Pharmakonzernen gegründet.

Ein Forscher von Boehringer Ingelheim mit Petrischale und Arzneimittelpillen. Foto: dpa

Dafür haben pharmakritische Wissenschaftler lange gekämpft. Angesichts zahlreicher Medikamente, die nicht hielten, was die Hersteller versprachen oder sogar gefährlich waren, forderten sie, dass Arzneimittelstudien veröffentlicht werden müssen. Für sie hat das neue Jahr gut begonnen: Nicht nur beschloss das EU-Parlament Anfang April eine neue Richtlinie für mehr Transparenz, es gibt nun auch eine Gruppe von Pharmakonzernen, die sich einer neuen Offenheit verschrieben haben.

Dazu zählt der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Das Unternehmen will auf einer Plattform gemeinsam mit GlaxoSmithKline, Roche, Sanofi, Novartis und ViiV Healthcare seine Studien für Forscher zur Verfügung stellen. Dabei handele es sich um „ausnahmslos alle Studien“ seit 1998, wie der zuständige Verantwortliche, Hanns-Georg Leimer, der Frankfurter Rundschau sagte. Die Forscher sollen auf Antrag nicht nur Zugang zu den zusammenfassenden Berichten erhalten, sondern sich auch die Daten jedes beteiligten Patienten anschauen können, solange sichergestellt ist, dass die Anonymität des Patienten nicht gefährdet ist.

Leimer schätzt, dass Boehringer insgesamt zwischen 800 und 1000 Arzneimittelstudien bereitstellen wird. Von Medikamenten, die sich derzeit noch in der Erforschung und Entwicklung befinden, will Boehringer die Studiendaten für Wissenschaftler zur Verfügung stellen, sobald sie von den Behörden zugelassen worden sind – oder wenn ein Projekt endgültig beendet worden ist.

Andere sind zurückhaltender

Boehringer gibt damit zusammen mit GlaxoSmithKline besonders viele Daten frei. Andere beteiligte Unternehmen sind zurückhaltender, sie geben zum Beispiel nur Studien frei von Medikamenten, die von den Behörden seit Januar dieses Jahres zugelassen worden sind.

Voraussetzung für den Zugang zu den Daten ist jeweils ein berechtigtes Forschungsinteresse, qualifiziertes Personal und dass die Studienergebnisse veröffentlicht werden. Ob diese Kriterien erfüllt sind, prüft ein Gremium von externen Wissenschaftlern.

Der Schritt der Arzneimittelhersteller kommt durchaus unerwartet, denn längst nicht alle Beteiligten gelten als Musterschüler. So steht zum Beispiel Roche seit Jahren in der Kritik, Studiendaten zum Grippemittel Tamiflu zurückgehalten zu haben. Forscher des renommierten Cochrane-Netzwerks kamen jüngst zu der Einschätzung, dass das Mittel kaum wirkt. Roche hat das am Dienstag zurückgewiesen. Auch Boehringer steht derzeit in der Kritik: Wegen des Schlaganfallmittels Pradaxa. In Zusammenhang mit der Arznei ist es zu Todesfällen gekommen. Die Buko-Pharmakampagne kritisiert, dass der Konzern wichtige Informationen zurückgehalten habe, was dieser zurückweist.

Zuletzt hat der politische Druck auf die Unternehmen mehr Transparenz zu schaffen, erheblich zugenommen. Das EU-Parlament verabschiedete Anfang April eine Richtlinie, wonach die Konzerne ab 2016 keine Studien mehr der Öffentlichkeit vorenthalten dürfen.

Ihre Studien stellen die Arzneimittelhersteller bereit über die Website: clinicalstudydatarequest.com

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