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Armutsbericht Immer mehr Geld für die Reichen

Die Reichen haben immer mehr, der Staat immer weiniger und eine Umkehr dieses Trends ist nicht in Sicht. Die reichsten zehn Prozent vergrößern ihr Vermögen stetig. Das zeigt laut einem Bericht der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung.

18.09.2012 08:20
Julian Mertens
Geld, Immobilien, Luxusgüter: Der Reichtum in Deutschland wächst. Foto: dpa

Der private Reichtum in Deutschland wird immer größer, das Vermögen des Staates hingegen kleiner. Gleichzeitig werden die Reichsten immer reicher. Das geht aus dem Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die Analyse, die alle vier Jahre herauskommt, habe das Bundesarbeitsministerium vorgelegt. Am Montag sei sie zur Abstimmung an andere Ressorts in der Regierung gegangen. SPD, Linke und Grüne forderten die Wiedereinführung einer Vermögensabgabe und eine stärkere Besteuerung von Topverdienern.

Der Wohlstand in Deutschland hat laut dem Bericht zuletzt kräftig zugenommen. Maßgeblich ist dabei das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehören. Das Arbeitsministerium schreibt dazu: „Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt.“ Das private Nettovermögen hat sich nach den Regierungsangaben allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erhöht.

Der Versicherungskonzern Allianz geht ebenfalls von einem höheren Bruttovermögen der Privathaushalte aus. Im vergangenen Jahr sei es um 1,3 Prozent auf das Rekordniveau von 4,7 Billionen Euro angewachsen. Zwar war das Plus deutlich geringer als in den beiden Vorjahren, als die Deutschen ihr als Bargeld, Sichteinlagen, Versicherungen oder Wertpapiere gehaltenes Vermögen um jeweils sechs Prozent vermehrten. „Aber jetzt wächst das deutsche Privatvermögen im Gleichschritt mit dem globalen Wachstum und schneller als in den Industrieländern, in den Vorjahren hinkte Deutschland hinterher“, sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des „Global Wealth Reports“.

Unterdessen schmelzen die Vermögenswerte der öffentlichen Haushalte seit zwei Jahrzehnten ab, heißt es im Armutsbericht. Im Zuge der Rettungsmaßnahmen anlässlich der Finanz- und Wirtschaftskrise sei „eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar“.

Hinter diesen Zahlen stecke jedoch auch „eine sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen“. So vereinten „die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich“. Der Anteil dieses obersten Zehntels sei dabei „im Zeitverlauf immer weiter gestiegen“. 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den Händen dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter. Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland hat sich dabei verringert. Westdeutsche Haushalte hatten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen sind es nur 55.000 Euro.

Große Unterschiede verzeichnet die Analyse auch bei der Lohnentwicklung: Sie sei „im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend“ gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen müssen. „Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“, wird dem Bericht zufolge dazu angemerkt.

Das Bündnis „Umfairteilen“ sieht sich durch die Zahlen bestätigt. Wenn es überhaupt noch eines Beleges für die notwendige Umverteilung bedurft hätte, so liege dieser nun vor, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Wenn sich derart riesige Vermögen auf immer weniger Menschen konzentriere gebe es dringenden Handlungsbedarf. Dem Bündnis gehören nach eigenen Angaben mehr als 20 zivilgesellschaftliche Organisationen an. Es will eine dauerhafte Vermögenssteuer sowie eine einmalige Vermögensabgabe, um reiche Haushalte deutlich stärker als bisher für das Gemeinwesens heranzuziehen. (dapd/jam/dpa)

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