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Armut Leben unterhalb der Grenze

Knapp ein Viertel der Menschen in der EU war 2016 laut Statistikamt Eurostat von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Unsere Analyse.

Jeder Fünfte von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht
In Deutschland muss jede sechste Person mit einem Einkommen unterhalb der Armutsschwelle zurande kommen, insgesamt 13,4 Millionen Menschen. Foto: epd

Dokumente wie die Paradise Papers geben eine Ahnung vom Reichtum in der Welt. Statistisch ist über die Wohlhabenden und ihr Vermögen wenig bekannt. Recht gut erforscht ist hingegen die Armut. Und sie ist weiter verbreitet als der Reichtum: Knapp ein Viertel der Menschen in der EU war 2016 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, meldet das europäische Statistikamt Eurostat. In Deutschland ist es fast ein Fünftel. Sie leiden überdurchschnittlich oft an feuchten Wohnungen, Lärm und Schulden.

Insgesamt liegt der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen laut Eurostat bei 23,5 Prozent in der EU. Bei den Unter-18-Jährigen sind es sogar 26,4 Prozent. In Deutschland beträgt der Anteil der Armen 19,7 Prozent. Dies entspricht 16 Millionen Menschen. Betroffen sind hierzulande häufiger Frauen (21,2 Prozent) als Männer (18,1 Prozent).

Eine Person gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn ihr Einkommen zum Beispiel unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt, es also geringer als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung ist. Dies ist bei 17,3 Prozent der EU-Bürger der Fall.

In Deutschland muss jede sechste Person mit einem Einkommen unterhalb der Armutsschwelle zurande kommen, insgesamt 13,4 Millionen Menschen. Der Anteil der Frauen liegt mit 17,8 Prozent höher als der der Männer (15,2 Prozent). 71 Prozent der Arbeitslosen und ein Drittel aller Alleinerziehenden sind arm. 2016 lag die Armutsschwelle für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 1064 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2234 Euro im Monat.

Kein Fernsehen, kein Urlaub, keine Heizung

Als arm gilt zudem, wer unter erheblicher materieller Entbehrung leidet. Diese Menschen sind laut Selbsteinschätzung etwa nicht in der Lage, ihre Wohnungen angemessen zu beheizen, sich eine Waschmaschine oder einen Farbfernseher zu kaufen oder eine einwöchige Urlaubsreise zu finanzieren. Das betrifft 3,7 Prozent der Deutschen. In der gesamten EU waren es 7,5 Prozent, bei den jungen Menschen sogar 8,5 Prozent. Jeder zwölfte EU-Bürger unter 18 Jahren muss sich also wegen Geldmangel deutlich beschränken.

Armut macht sich an vielen Stellen konkret bemerkbar. So sind Feuchtigkeit in den Wänden oder Fäulnis im Fensterrahmen für 13,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ein Problem, bei den Einkommensarmen sind es dagegen 21,3 Prozent. Die Zahlen kommen vom gewerkschaftsnahen Institut WSI auf Basis von EU-Befragungen. Mehr als ein Viertel der Armutsgefährdeten kann sich demnach kein Auto leisten, ein Drittel hat in seiner Wohnung mit Lärm aus der Umgebung zu kämpfen. 4,2 Prozent aller Befragten konnten in den vergangenen zwölf Monate Rechnungen nicht bezahlen, unter den Einkommensarmen fällt der Anteil mit 10,3 Prozent mehr als doppelt so hoch aus.

Diese Probleme dürften die 4,5 Millionen in Europa lebenden Millionäre nicht haben. Laut der Unternehmensberatung Cap Gemini steigerten sie ihr Vermögen im vergangenen Jahr um mehr als ein Milliarde auf 14,7 Billionen Dollar. Verteilte man diese Summe auf die rund 175 Millionen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten EU-Bürger, so erhielte jeder von ihnen etwa 84.000 Dollar.

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