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WSI-Verteilungsbericht Immer mehr Arme - und immer mehr Reiche

Die Mittelschicht schrumpft, die Ränder verfestigen sich: Nach einer Studie geht die Einkommensschere immer weiter auf. Die Mehrheit der Armen lebt in Ostdeutschland, der Großteil der Reichen ist männlich.

05.11.2018 12:06
Armut
Kartoffeleintopf für Obdachlose auf dem Berliner Alexanderplatz. Foto: dpa

In Deutschland verfestigen sich einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge Armut und Reichtum. Diese Entwicklung nage an der Stabilität der Demokratie, erklärte Studienautorin Dorothee Spannagel am Montag in Berlin. „Nicht nur geht die Einkommensschere auf, auch die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fallen immer weiter auseinander“, warnte sie.

Für die Studie wertete das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Stiftung Einkommensdaten aus dem Sozio-oekonomischen Panel von 1991 bis 2015 aus. An dieser Befragung nehmen jährlich 11.000 Haushalte teil. Spannnagel teilte diese in arm und reich und analysierte, wie sich die Anteile über die Zeit verändern.

Wer als arm, wer als reich gilt

Als arm gilt ein Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. 2015 lag die Armutsgrenze bei einem Netto-Jahreseinkommen von weniger als 12.192 Euro für einen Single-Haushalt. Als reich gelten demnach Haushalte, die mindestens das doppelte des mittleren Einkommens erzielen. Das galt etwa für einen Alleinstehenden, der im Jahr 2015 mindestens über 40.639 Euro netto verfügen konnte.

Dabei zeigte sich, dass die Mittelschicht immer weiter schrumpft, während die Ränder zunehmen. Waren 1991 rund 11 Prozent aller Menschen in Deutschland einkommensarm, stieg die Quote bis auf knapp 16,8 Prozent. Bei den Reichen stieg die Quote von 5,6 auf 7,5 Prozent.

Besonders problematisch ist laut Spannagel, dass sich die Ränder verfestigen. Dafür analysierte sie, wie viele Haushalte über einen Zeitraum von fünf Jahren unter der Armuts- oder oberhalb der Reichtumsgrenze lagen. Für den Zeitraum 1991 bis 1995 blieben 3,1 Prozent der Bevölkerung über die gesamte Zeitspanne arm. 2011 bis 2015 waren es 5,4 Prozent. Die Quote der dauerhaft Reichen stieg hingegen von 2,3 Prozent auf 3,4 Prozent – bezogen auf Westdeutschland.

Das liegt laut der Studie aber nah am Gesamtschnitt, da 95 Prozent der dauerhaft Reichen im Westen leben. Hingegen leben knapp 62 Prozent der dauerhaft Armen in den neuen Ländern, obwohl dort nur ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ansässig ist.

Etwa drei Viertel der dauerhaft Einkommensreichen sind Männer. Unter den dauerhaft Armen stellen dagegen Frauen die Mehrheit: 54 Prozent sind weiblich, 46 Prozent männlich. (afp)

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