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Werksschließung Keine Kellogg's Cornflakes mehr aus Bremen

Das einzige deutsche Werk des US-Konzerns Kellogg in Bremen hat seine Produktion eingestellt. Rund 200 Menschen verlieren ihren Job.

Kellogg-Werk
Das Bremer Kellogg-Werk an der Weser schließt seine Tore, 200 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Foto: Eckhard Stengel

Die weiß-rote Kellogg’s-Flagge hängt auf Halbmast. Manche Beschäftigte haben Tränen in den Augen. Lastwagenfahrer drücken am Werkstor so lang auf die Hupe, dass sich ein Lokalreporter an das Signalhorn bei Seebestattungen erinnert fühlt. Das also ist das Ende des Bremer Kellogg-Werks, das Ende einer Ära: Der US-amerikanische Nahrungsmittelkonzern Kellogg Company schließt sein einziges deutsches Produktionswerk, und die Hansestadt Bremen hat rund 200 Arbeitsplätze weniger.

Angekündigt war die Stilllegung schon länger, wenn auch erst für den Jahreswechsel. Aber auch ein Abschied mit Ansage tut weh. „Für die Belegschaft war das ein sehr trauriger Tag“, bestätigt Unternehmenssprecher Wieland Beck der FR.

Für die Liebhaber von Kellogg’s besteht allerdings kein Grund zum Trauern: Ihre Versorgung mit Frühstücksflocken bleibt weiterhin gewährleistet. Statt aus Bremen kommen die Cerealien künftig aus anderen europäischen Werken des Konzerns. Denn nur die Fabrik an der Weser macht nach 53 Betriebsjahren dicht. Die zwei Werke in Großbritannien und das eine in Spanien bleiben erhalten.

Erste Entlassungen bereits im Mai

Vier Fabriken in Europa – das war nach Ansicht der Konzernlenker eine zu viel. Denn der Appetit auf Knusperzeug zum Frühstück hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Dadurch seien Überkapazitäten entstanden, teilte der Konzern schon 2016 mit, ohne genaue Zahlen zu nennen. „Daher müssen wir bedauerlicherweise planen, eine unserer Cerealien-Fabriken zu schließen“ – nämlich die Bremer. Im Europavergleich sei hier nämlich der größte Rückgang des Produktionsvolumens zu verzeichnen. Und das, obwohl das deutsche Werk bisher für den Frühstücksnachschub in über 50 europäischen und arabischen Ländern sorgte.

Dass es mit der Bremer Produktionsstätte bergab ging, war schon seit Jahren zu erkennen. Mehrfach wurden Stellen gestrichen, zum Beispiel 2014, als der Konzern seine Deutschland-Verwaltungszentrale nach Hamburg verlegte. Um noch Schlimmeres zu verhindern, ließ sich die Belegschaft zähneknirschend auf flexiblere Arbeitszeiten und nur bescheidene Lohnerhöhungen ein.

Alles vergeblich. Im Mai wurden die ersten Produktionsanlagen stillgelegt und die ersten Beschäftigten entlassen. Diese Woche war auch für die letzten rund 100 Mitarbeiter Schluss. Ein kleines Team wickelt jetzt die Fabrik ab und schließt Mitte 2018 endgültig die Tore zu. Vorerst erhalten bleibt nur noch ein Hochregallager, das von einem externen Logistiker betrieben wird und weiterhin verschiedene Märkte in Europa beliefern soll.

Kellogg produziert jetzt nur noch in 17 Ländern

Immerhin konnte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) einen Sozialplan aushandeln, der ansehnliche Abfindungen vorsieht. Wer nicht gleich einen anderen Arbeitsplatz findet, kann in eine Transfergesellschaft wechseln und sich dort für die Stellensuche fortbilden. Auch das steht im ausgehandelten Sozialplan, den beide Seiten als fair bezeichnen.

Nun produziert der US-Konzern also nur noch in 17 Ländern seine Frühstückszutaten. Auch salzige Snacks gehören zu seinem Sortiment, seitdem er 2012 von Procter & Gamble die Marke Pringles übernommen hat.

Begonnen hatte die Firmengeschichte mit einem Zufall. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten die Brüder John Harvey und Will Keith Kellogg in einem US-Sanatorium, der eine als Arzt, der andere als Geschäftsführer. Ihre Leitlinien: kein Alkohol, kein Kaffee, kein Nikotin, nur vegetarisches Essen. Vielen ihrer Patienten schmeckte das tägliche Brot nicht. Deshalb suchten die Brüder nach einem schmackhafteren Ersatz. Bei einem ihrer Experimente ließen sie zufällig über Nacht eine Portion gekochten Weizen stehen. Am Morgen, so die Firmenlegende, bekamen sie „die geniale Idee, diesen Weizen durch Rollen zu drehen: Schön geformte Flocken waren das Ergebnis, die nach anschließender Wärmetrocknung leicht und knackig schmeckten“. Heute wird statt Weizen Mais verwendet, und nach dem Walzen wird er noch zusätzlich geröstet.

Zwölf Jahre dauerte es damals, bis Will Keith Kellogg aus dem Zufall eine Geschäftsidee machte: 1906 gründete er die Toasted Corn Flake Company. 1922 firmierte sie in Kellogg Company um. Der Firmenschriftzug „Kellogg’s“ hing bisher auch an der Bremer Werksfassade. Jetzt ist er überflüssig geworden.

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