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Verteilungskampf Arbeitnehmer sind die Verlierer

Der Internationale Währungsfonds führt sinkende Lohnquoten auf den technischen Fortschritt zurück. Gewinner sind die Kapitalbesitzer.

Arbeiter
Technischer Fortschritt macht es Arbeitgebern immer leichter, Belegschaften abzubauen. Foto: rtr

Weltweit verlieren Arbeitnehmer seit Jahrzehnten im Verteilungskampf mit Vermögenden und Unternehmen. Vor allem in den reichen Nationen wie Deutschland und den USA, aber auch in den Schwellen-und Entwicklungsländern sank seit den 1980er Jahren die Lohnquote und damit der Anteil der Beschäftigten am Volkseinkommen deutlich. Überall zeigte sich mit wenigen Ausnahmen das gleiche Phänomen: Von den Produktivitätsgewinnen durch neue Techniken strichen die Kapitalbesitzer und die Firmeninhaber mehr ein als diejenigen, die mit ihrer Arbeit den zunehmenden Wohlstand erwirtschaften.

Auf diesen globalen Trend weist der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem Ausblick auf die Weltwirtschaft hin, mit dem er traditionell seine Frühjahrstagung und das G 20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern vorbereitet. Dort wird es Ende nächster Woche um die wachsende Unzufriedenheit vieler Menschen gehen, die sich ausgeschlossen fühlen von den Vorteilen der Globalisierung.

Laut dem IWF-Bericht fiel die Lohnquote in den Industriestaaten von knapp 55 Prozent Ende der 1970er Jahre auf etwas mehr als 50 Prozent kurz vor der globalen Finanzkrise 2008/2009, womit sie den tiefsten Stand in einem halben Jahrhundert erreicht. Seitdem erholte sie sich etwas, ohne aber wirklich die Verluste der Vergangenheit wettzumachen. Und auch in China, Indien und anderen Schwellenländern sowie in den noch ärmeren Entwicklungsländern verschlechterte sich die Position der arbeitenden Menschen in den jeweiligen Volkswirtschaften.

Eine abnehmende Lohnquote ist nicht zwingend mit wachsender Ungerechtigkeit gleichzusetzen, wie der IWF betont. Beispielsweise können Arbeitnehmer auch Aktionäre sein und so von der Besserstellung der Kapitalanleger und Unternehmen profitieren. Umgekehrt gehören zu den Angestellten die Investmentbanker in London, die Millionen an Boni kassieren.

Doch solche Einwände lassen laut der IWF-Analyse Problem nicht verschwinden. Die sinkende Lohnquote gehe fast überall auf der Welt einher mit einer steigenden Ungleichverteilung. Innerhalb der arbeitenden Bevölkerung hätten die gering Qualifizierten mit niedrigen Löhnen den Großteil der Einbußen hinnehmen müssen. Auch die Mittelschicht zähle zu den Verlierern, während die Angestellten mit den Topgehältern sogar zulegen konnten. Zudem konzentriere sich das private Vermögen in den Händen weniger, so dass der Aktienbesitz von Arbeitnehmer keinen wirklichen Ausgleich schaffen kann.

Woran aber liegt es, dass die Beschäftigten beinah auf der ganzen Erde so zurückgefallen sind? Den größten Anteil daran trägt aus Sicht des Fonds der technische Fortschritt. Durch Computer, durch Digitalisierung und viele andere Erfindungen wurde es für Arbeitgeber immer billiger, ihre Belegschaften durch Technik zu ersetzen. Entsprechend schwerer fiel es Arbeitnehmern, Ansprüche durchzusetzen. Verstärkt wurde dies dem IWF zufolge durch die Globalisierung. Arbeit wurde billiger, weil allein China mit seiner Öffnung Millionen Arbeiter in den Weltmarkt neu einführte.

Der Internationale Währungsfonds ist deswegen kein Gegner der Globalisierung und der Digitalisierung. Im Gegenteil hebt er deren positiven Einfluss auf den Lebensstandard hervor. Er weist nur darauf hin, dass sich durch diese Megatrends trotz aller Vorteile die Verteilungsprobleme verschärfen.

Eine etwas andere Sicht jedenfalls auf die Bundesrepublik präsentiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in seinen Analysen. Den stärksten Einfluss schreibt er nicht technischen Innovationen, sondern der wachsenden Bedeutung der Finanzmärkte zu oder dem, was er in seinem Verteilungsbericht die „Finanzialisierung der Unternehmen“ nennt. Diese könnten entweder in die Realwirtschaft, also in ihre Fabriken und Büros, investieren oder aber in Finanzanlagen. In jüngerer Zeit bevorzugten sie auf der Jagd nach Rendite zunehmend Letzteres. Die Dominanz der Kapitalmärkte erhöht aus dieser Perspektive den Kostendruck in den Betrieben und bringt so die Belegschaften in die Defensive.

Einig sind sich DGB und IWF darin, dass die Politik mit einer Umverteilung von hohen zu niedrigen Einkommen für mehr Ausgleich in den Gesellschaften sorgen muss.

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