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Tarifverhandlungen IG Metall will das Recht auf Arbeitszeitverkürzung

Die Gewerkschaft IG Metall fordert ein Lohnplus von sechs Prozent sowie auch Recht der Beschäftigten, die Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren.

IGM
Ein kampfbereiter IG Metaller. Foto: rtr

Tarifverhandlungen für 2,3 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie sind nicht selten ein Spektakel. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wie auch die IG Metall (IGM) stehen im Ruf, ihre jeweiligen Interessen mit harten Bandagen zu vertreten. Warnstreiks gehören ebenso zum Repertoire wie Drohungen der Arbeitgeber, steigender Arbeitskosten wegen die Produktion ins Ausland zu verlagern. Am Ende, nach vier oder fünf Verhandlungsrunden, einigt man sich dann während eines meist ganznächtlichen Verhandlungsmarathons aber doch.

Vieles daran ist Ritual. In diesem Spätherbst allerdings, darin immerhin sind sich beide Tarifpartner einig, stehen besonders schwierige Tarifverhandlungen an, deren gütliches Ende keinesfalls ausgemacht scheint. Denn es geht der Gewerkschaft nicht nur um mehr Geld, sondern auch um kürzere Arbeitszeiten mit anteiligem finanziellen Ausgleich. Die IG Metall fordert den Anspruch auf eine zeitweilige Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden. Außerdem empfiehlt der IG-Metall-Vorstand, eine Lohnerhöhung von sechs Prozent zu fordern. Nun müssen am 24. Oktober die Tarifbezirke darüber entscheiden. Die zentralen Argumente der Tarifparteien im Überblick:

Höhere Löhne

Die IG Metall führt zahlreiche Branchendaten ins Feld, um die gute wirtschaftliche Lage der M+E-Unternehmen zu belegen und somit ihre Lohnforderungen zu begründen: Der Gesamtumsatz der Branche sei in den ersten sechs Monaten 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,8 Prozent gestiegen, die Umsatzrendite habe sogar um 5,1 Prozent zugelegt, die Produktivität um 1,8 Prozent, die Lohnstückkosten aber nur um 1,1 Prozent. Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge seien gut wie seit 2008 nicht, die Erwartungen der Unternehmen laut Ifo-Geschäftsklimaindex weiterhin positiv. Auf dieser Grundlage formuliert die Gewerkschaft ihre Lohnforderung von sechs Prozent für 2018, die sich aus dem Produktivitätszuwachs, einem zweiprozentigen Inflationsausgleich sowie einer „Umverteilungskomponente“ zusammensetzt.

Höhere Kosten

Dem setzten die Arbeitgeber andere Fakten entgegen. Seit 2008 seien die Lohnsteigerungen in der Branche dem Produktivitätsplus um fast das Zehnfache davongeeilt. Entsprechend entwickelten sich auch die Lohnstückkosten nach oben, weshalb ein weiteres hohes Plus die internationale Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen beeinträchtigen würde. Investitionen in zusätzliche Kapazitäten würden bereits seit einiger Zeit aus Kostengründen fast ausschließlich im Ausland getätigt, ließ Gesamtmetall am Montag wissen.

Weniger Arbeiten

Neben der Lohnforderung möchte die IG Metall das Recht der Beschäftigten durchsetzen, die Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren. Geschieht dies, um Kinder unter 14 Jahren betreuen oder Familienangehörige pflegen zu können, sollen die Arbeitgeber den Lohnausfall teilweise ausgleichen. Nach der bis zu zwei Jahre währenden Arbeitsreduktion soll es ein Rückkehrrecht auf Vollzeit geben. Die Gewerkschaft begründet diesen Vorstoß mit den Wünschen der Beschäftigten und der bereits weit fortgeschrittenen Flexibilisierung der Arbeitszeiten: In einer IGM-Umfrage geben mehr als 57 Prozent an, ihre vertragliche Arbeitszeit zumindest gelegentlich zu überschreiten, die Hälfte der Befragten muss auch an Samstagen ran, ein Drittel arbeitet im Schichtdienst, ein Viertel auch sonntags. Gegenüber Beschäftigten mit normalen Arbeitszeiten zwischen 7 und 19 Uhr leiden Schichtarbeiter laut Umfrage deutlich häufiger unter Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Erschöpfung.

Mehr Arbeiten

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