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Rente Deutschland blickt mit Neid auf die Schweiz

Um zu verstehen, wie das deutsche Rentensystem im Vergleich da steht, hilft ein Blick in unser Nachbarland, die Schweiz. Eine Art Riester-Rente gibt es dort auch.

Rentner in Deutschland. Foto: dpa

Der Ruf der Schweiz hat hierzulande seit der Auseinandersetzung über Steuerflüchtlinge etwas gelitten. Doch in der Debatte über ein zukunftsfestes Rentensystem werfen viele deutsche Experten gern einen Blick hinüber zu den Eidgenossen. Denn das Schweizer Drei-Säulen-Modell für die Rente taugt zwar nicht in Gänze als Vorbild, einzelne Elemente werden jedoch für kopierfähig gehalten.

Bei der erste Säule handelt es sich in der Schweiz um eine verpflichtende Rentenversicherung, die wie in Deutschland umlagefinanziert ist: Was die Jüngeren einzahlen, wird unmittelbar an die Rentner ausgezahlt. Im Vergleich zum deutschen System gibt es jedoch zwei ganz entscheidende Unterschiede: Zum einen besteht die Versicherungspflicht für die ganze Bevölkerung, also auch für Selbstständige, Hausfrauen oder Beamte. Zum anderen ist die Höhe der Beiträge anders als in Deutschland nicht bei einem bestimmten Betrag gedeckelt. Begrenzt ist aber die ausgezahlte Rente. Das in Deutschland geltende Äquivalenzprinzip, wonach die Höhe der Einzahlungen die Höhe der Rente bestimmt, gibt es in der Schweiz also nur teilweise. Andererseits ist damit der Solidargedanke – die Reichen stehen für die Schwachen ein – sehr ausgeprägt.

Ähnlich wie Riester-Rente

Ein Selbstständiger in der Schweiz muss insgesamt 9,7 Prozent seines Einkommens in die erste Säule einzahlen, die vor allem aus der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) besteht. Bei Arbeitnehmern beträgt der Satz 10,3 Prozent, wovon die Arbeitgeber die Hälfte übernehmen. Rentenzahlungen gibt es dann bei Männer ab 65 und bei Frauen ab 64 Jahren. Die Mindestrente aus der AHV beträgt derzeit umgerechnet 965 Euro, die Maximalrente 1931 Euro. Dabei müssen allerdings die deutlich höheren Lebenshaltungskosten in der Schweiz berücksichtigt werden.

Die zweite Schweizer Rentensäule beruht auf kapitalgedeckten Versicherungen für Arbeitnehmer. Das sind vor allem Pensionskassen. Die Beiträge sind je nach Alter und Lohn gestaffelt. Sie betragen zwischen sieben und 18 Prozent des Bruttolohnes und werden paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Ab einem bestimmten Einkommen ist die zweite Säule für Arbeitnehmer verpflichtend, Selbstständige können auf freiwilliger Basis beitreten.

Die dritte Säule ist mit der Riester-Rente in Deutschland vergleichbar. Zur Altersvorsorge können Wertpapiere gekauft oder Sparkonten angelegt werden. Die Anlagen werden bis zu einer bestimmten Höchstgrenze steuerlich gefördert, im Gegenzug sind sie bis zur Rentenbeginn gesperrt. Will man früher an das Geld, muss es nachversteuert werden. Die dritte Säule ist freiwillig. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Förderung ist nur, dass man erwerbstätig ist.

Während die Schweiz auf mehrere Säulen setzt, ist etwa Chile einen ganz anderen Weg gegangen. Diktator Augusto Pinochet schaffte 1980 das Umlagesystem ab und stellte die Rente ganz auf eine individuelle Kapitaldeckung um. Jeder Beschäftigte muss seither zehn Prozent seiner Einkünfte an einen Pensionsfonds abführen. Der Arbeitgeber zahlt nichts dazu. Die Rentenhöhe wird allein von den Einzahlungen und dem Erfolg der Fondsmanager bestimmt. Der Staat garantiert lediglich eine Mindestrente von rund 100 Euro. Das System galt lange als vorbildlich und wurde von mehreren lateinamerikanischen Staaten kopiert. Doch in der Finanzkrise machten die Fonds hohe Verluste. Nun muss teilweise der Staat einspringen.

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