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Porto Elterngeld Sozialversicherungen Was sich 2015 alles ändert

Auch für Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen lohnt sich nun ein Preis- und Leistungsvergleich. Neue Regeln gelten auch für Kirchensteuer, Mieter, Elternzeit und Autofahrer. Ein Überblick.

Foto: AFP

Mehrere Jahre mussten sich die kostenbewussten Verbraucher zumindest um eines nicht kümmern: In der gesetzlichen Krankenversicherung galt praktisch ein staatlicher Einheitsbeitrag, der einen Kostenvergleich der Kassen überflüssig machte. Das wird nun anders. Auch in der Pflegeversicherung treten eine Reihe von Reformschritten in Kraft. Hier die wichtigsten Änderungen in den Sozialversicherungen.

Zusatzbeitrag: Der bisherige einheitliche „Sonderbeitrag“ der Versicherten von 0,9 Prozent wird abgeschafft. Stattdessen wird ergänzend zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent ein kassenindividueller Zusatzbeitrag erhoben. Gleichzeitig wird der Arbeitgeberanteil eingefroren. Die Arbeitnehmer zahlen also künftig einen Beitragssatz von 7,3 Prozent plus x Prozent, die Arbeitgeber von 7,3 Prozent. Alle rund 130 Krankenkassen haben den Zusatzbeitrag ab 1. Januar 2015 bereits festgelegt. Die Spannbreite liegt zwischen 0 Prozent (nur zwei Kassen in Baden-Württemberg: BKK Euregio und Metzinger BKK) und 1,3 Prozent (Brandenburgische BKK). Die neuen Beitragssätze bewegen sich also zwischen 14,6 und 15,9 Prozent.

Kassenwechsel: Damit lässt sich durchaus Geld sparen. Wer beispielsweise zu der bundesweit geöffneten hkk (Handelskrankenkasse) mit einem Beitragssatz von 15,0 Prozent wechselt, spart bei einem Einkommen von brutto 3 000 Euro im Vergleich zum bisherigen Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent im Monat 15 Euro oder im Jahr 180 Euro. Mit welchen Fristen gewechselt werden kann, ist gesetzlich festgelegt. Legt eine Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag fest oder erhöht ihn, dann erhalten die Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Zu den Fristen ein praktisches Beispiel: Soll der Zusatzbeitrag erstmals ab 1. Januar 2015 gelten, muss die Kasse die Versicherten darauf bis spätestens 31. Dezember 2014 hingewiesen haben. Bis einschließlich 2. Februar 2015 kann der Versicherte sein Sonderkündigungsrecht ausüben. Die Mitgliedschaft in der alten Kasse endet dann am 31. März 2015, die Mitgliedschaft in der neuen Kasse beginnt am 1. April. Trotz einer Kündigung muss der von der alten Kasse erhobene Zusatzbeitrag gezahlt werden.

Elektronische Gesundheitskarte: Vom 1. Januar 2015 an gilt die Gesundheitskarte beim Arzt oder im Krankenhaus als alleiniger Nachweis der Krankenversicherung. Die alten Krankenversichertenkarten verlieren mit diesem Tag ihre Gültigkeit; unabhängig davon, welche Gültigkeitsdauer auf der Karte aufgedruckt ist. Wenn Versicherte keine gültige elektronische Gesundheitskarte vorlegen können, müssen sie innerhalb von zehn Tagen nach der Behandlung dem Arzt eine gültige elektronische Gesundheitskarte nachreichen. Alternativ kann auch eine Einzelfallbestätigung der Krankenkasse, dass zum Zeitpunkt der Behandlung ein Leistungsanspruch bestand, vorgelegt werden. Wenn der Versicherte keinen gültigen Versicherungsnachweis erbringt, kann der Arzt eine Privatrechnung stellen. Der Versicherte hat dann noch die Möglichkeit, bis zum Ende des Quartals einen entsprechenden Versicherungsnachweis vorzulegen. Der Arzt muss dann die Privatvergütung zurückerstatten. Erfolgt der Nachweis nicht innerhalb dieses Zeitraums, muss der Versicherte die Kosten privat bezahlen.

Pflegeversicherung: Der Beitragssatz steigt zum 1. Januar 2015 um 0,3 Punkte auf dann 2,35 Prozent (bei Kinderlosen 2,6 Prozent). Mit den Mehreinnahmen von rund 3,6 Milliarden Euro werden zahlreiche Leistungsverbesserungen finanziert. Insbesondere werden zum Ausgleich für die gestiegenen Preise die monatlichen Pflegesätze im Schnitt um vier Prozent angehoben. In der häuslichen Pflege steigt beispielsweise in der Pflegestufe III das Pflegegeld von 700 auf 728 Euro. Für einen Heimplatz werden bei der Pflegestufe III künftig 1612 statt 1550 Euro gezahlt.

Demenzkranke: Sie erhalten mehr Unterstützung, weil sie Zugang zu allen ambulanten Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung bekommen. Sie können zum Beispiel die Ersatz-, die Kurzzeit- sowie die Tages- und Nachtpflege nutzen. Wenn nötig, haben sie Anspruch auf Pflegehilfsmittel und können Zuschüsse für ambulante Wohngruppen und für erforderliche Umbaumaßnahmen der Wohnung erhalten. Umgekehrt erhalten alle übrigen Pflegebedürftigen bestimmte Leistungen, die bisher nur Demenzerkrankten zustanden. Leben die Pflegebedürftigen noch zu Hause, haben auch sie künftig Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen. Das kann eine Hilfe beim Wäschewaschen oder Einkaufen sein oder ein Fahrdienst zu Arztterminen.

Pflegezeit: Damit sich Arbeitnehmer kurzfristig um einen Pflegefall in der Familie kümmern können, wird für eine maximal zehntägige Auszeit als Lohnersatz das „Pflegeunterstützungsgeld“ bezahlt. Die Pflegeversicherung zahlt 90 Prozent des ausbleibenden Nettoeinkommens, maximal 96,25 Euro pro Tag. Bisher war die zehntägige Pflegezeit unbezahlt. Wenn zehn Tage nicht reichen, kann man sich auch teilweise oder vollständig für bis zu sechs Monate vom Job freistellen lassen. Zum Ausgleich des Verdienstausfalls gibt es ab 2015 das Recht auf ein zinsloses Darlehen.

Rentenversicherung: Die Mütterrente und die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren sind bereits seit Mitte des Jahres 2014 in Kraft. Zum 1. Januar sinkt der Beitragssatz leicht von 18,9 auf 18,7 Prozent.

Beitragsbemessungsgrenze: Wie in fast jedem Jahr steigen auch 2015 die Beiträge zu den Sozialversicherungen deshalb, weil die Beitragsbemessungsgrenzen angepasst werden. Bis zu diesem Bruttoeinkommen müssen Beiträge gezahlt werden; das Einkommen darüber bleibt beitragsfrei. In der Krankenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze bundesweit einheitlich von 4050 auf 4125 Euro. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung West beträgt die Grenze künftig 6050 statt bisher 5950 Euro und im Osten 5200 statt 5000 Euro.

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