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Öffentlicher Dienst Stress im Job

Umfragen des DGB zeigen: Der Öffentliche Dienst ist keine Komfortzone

Aktion von verdi Jugend
Eine Stelle im Öffentlichen Dienst (ÖD) gilt als Komfortzone. Dem widersprechen die Ergebnisse mehrerer Umfragen. Foto: imago

Das wohl hartnäckigste Vorurteil, mit dem sich Beschäftigte im Öffentlichen Dienst (ÖD) konfrontiert sehen, betrifft ihre Arbeitsbedingungen: Kommunalämter und Landesbehörden, Sozialversicherungen und Bundeseinrichtungen gelten als Komfortzonen in einer zunehmend stressigen Arbeitswelt. Dem widersprechen die Ergebnisse mehrerer Umfragen, die der DGB von 2014 bis 2016 unter insgesamt 3625 öffentlich Bediensteten durchgeführt hat. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

Weniger Personal
Die These von der Komfortzone lässt außer Acht, dass der ÖD über Jahrzehnte hinweg einen massiven Stellenabbau verkraften musste. 1991 zählten Bund, Länder und Gemeinden noch fast sieben Millionen öffentlich Bedienstete, im Jahr 2000 waren es knapp fünf Millionen und 2010 nur noch 4,6 Millionen. Zwar geht ein Teil auf Privatisierungen einstiger Staatsbetriebe zurück. In vielen anderen Bereichen wurden Arbeitsplätze aber zumeist aus Kostengründen einfach gestrichen.

Zusätzliche Aufgaben
Seit 2010 hat sich die Zahl der ÖD-Beschäftigten zwar kaum noch verändert. Sie lag Mitte 2015 bei 4,65 Millionen, wovon knapp 40 Prozent verbeamtet waren. Zeitgleich kamen allerdings anspruchsvolle – und personalintensive – Aufgaben hinzu. Beispiele sind die Betreuung in Kitas und Krippen oder die Bewältigung des Flüchtlingszuzugs und der Asylanträge.

Hetze und Termindruck
58 Prozent der ÖD-Beschäftigten klagen über häufigen oder sehr häufigen Zeitdruck am Arbeitsplatz. Besonders betroffen sind Akademiker, die mindestens über einen Masterabschluss verfügen: Drei Viertel der beamteten und fast zwei Drittel der nicht beamteten Hochqualifizierten gaben (sehr) häufige Hetze im Arbeitsalltag an. Das ist mit dem Stressniveau in der freien Wirtschaft (68 Prozent) vergleichbar.

Arbeitszeiten
Im ÖD sind Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit eher die Regel als die Ausnahme. Ein Drittel der Befragten gab an, (sehr) oft an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten. Unbezahlte Arbeit außerhalb der Dienstzeiten gehört für 22 Prozent zum Alltag. 27 Prozent bejahten zudem die Frage, ob der Dienstherr von ihnen Erreichbarkeit auch außerhalb der Normarbeitszeit erwartet.

Hitze, Dreck und Lärm
Extremen Temperaturen, hoher Feuchtigkeit, starker Zugluft und anderen unschönen Umgebungsbedingungen am Arbeitsplatz sehen sich 26 Prozent häufig oder sehr häufig ausgesetzt, 24 Prozent verrichten regelmäßig schwere körperliche Arbeit, unter starkem Lärm leiden 40 Prozent. Ebenso gravierend sind seelische Belastungen: 58 Prozent werden sehr häufig in ihrer Konzentration auf ihre Arbeit unterbrochen, 42 Prozent klagen über miteinander kaum vereinbare Aufgaben, bei 22 Prozent kommt es regelmäßig zu Konflikten mit Kunden, Patienten und Klienten.

Gründe für den Stress
54 Prozent nennen zu wenig Personal als Hauptgrund für die starke Arbeitsbelastung, 50 Prozent geben an, zu viele Aufgaben bewältigen zu müssen – was aufs Gleiche herauskommt. Ebenfalls die Hälfte der Befragten gab häufige Erschöpfungszustände am Ende des Arbeitstages an. Dabei hat der Druck offenbar noch einmal zugenommen: Die Frage, ob in den vergangenen zwölf Monaten deutlich mehr Arbeit in der gleichen Zeit erledigt werden musste, bejahten 43 Prozent. Aus Sicht der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack kann die Situation nur durch Neueinstellungen verbessert werden: „Dem öffentlichen Dienst fehlen nicht nur gut 110 000 Bedienstete, viele der dort Beschäftigten sehen sich nicht in der Lage, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Renten- oder Pensionseintritt zu arbeiten. Das ist ein Alarmsignal, das die Politik ernst nehmen sollte.“ Es müsse Schluss sein mit der Personalpolitik der kurzen Sprünge und der vielen Befristungen. Statt dessen benötige der öffentliche Dienst Personalbedarfsanalysen und eine entsprechende Personalausstattung.

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