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Mit Zweitjob überleben Immer mehr Beschäftigte brauchen einen Zweitjob

Teilzeit wider Willen: Fast jeder Zehnte Deutsche braucht einen Zweitjob zum Leben neben dem Hauptberuf - weil die Löhne nicht reichen. Mancher arbeitet für weniger als fünf Euro die Stunde. Grund genug für Verdi erneut den Mindestlohn zu fordern.

Die Zahl schlecht bezahlter Jobs steigt und mit ihnen der Druck, eine zweite Arbeit anzunehmen. Foto: dpa

Die Zahl der Menschen, die neben ihrem Hauptberuf einen Zweitjob haben, wächst stetig. Mittlerweile üben 2,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland nebenher einen Minijob auf 400-Euro-Basis aus. Die Zahl ist innerhalb eines Jahres um 5,4 Prozent gestiegen, berichtet die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag. Insgesamt haben inzwischen neun Prozent der Beschäftigten zusätzlich einen Zweitjob.

Viele Beschäftigte verdienen sich im Gastgewerbe, in der Gebäudereinigung oder im Einzelhandel etwas dazu. Aber auch im Gesundheits- und Sozialwesen sind sehr viele nebenher tätig. Ein wichtiger Grund für den Trend zum Zweitjob sind Niedriglöhne, meint die Gewerkschaft Verdi. „2,1 Millionen Menschen arbeiten für weniger als sechs Euro in der Stunde, gut die Hälfte davon für weniger als fünf Euro. Das reicht nicht, um existenzsichernd leben zu können“, sagt Verdi-Vorstand Elke Hannack der Frankfurter Rundschau. Nötig sei deswegen ein gesetzlicher Mindestlohn.

Hinzu kommt der Trend zur Teilzeit. Binnen eines Jahres ist die Zahl der Teilzeit-Stellen um 7,3 Prozent gestiegen, bei Vollzeit-Jobs betrug der Zuwachs nur 1,4 Prozent. Gerade Kliniken setzten zuletzt stark auf Teilzeit, sagt Verdi-Gesundheitsexperte Gerd Dielmann. Viele Krankenpflegerinnen arbeiteten wider Willen Teilzeit – und jobbten nebenher in der ambulanten Altenpflege.

Doch ist es nicht immer die finanzielle Not, die Beschäftigte dazu bewegt, einen Zweitjob anzunehmen. Davon ist Frank Wießner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung überzeugt. Manche jobbten nebenher, um sich ein teures Hobby oder eine Urlaubsreise leisten zu können. Generell könne die Kombination „Hauptberuf plus Minijob“ attraktiv sein. Denn Beschäftigte müssten für ihren Nebenjob keine Steuern und Sozialabgaben zahlen.

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