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Hans-Böckler-Stiftung Riester-Rente fördert Armut

Die Hans-Böckler-Stiftung zieht eine vernichtende Riesterrenten-Bilanz. Die Experten der arbeitnehmernahen Stiftung sehen ein erhöhtes Risiko von Altersarmut.

13.09.2012 14:07
Riestern reicht nicht, meinen die Forscher. Foto: dpa

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat eine vernichtende Bilanz der Riester-Rentenreform gezogen und eine Stärkung des klassischen umlagefinanzierten Rentensystems gefordert. Die Umstellung auf ein teilweise durch privates Kapital gedecktes Alterssicherungsmodell in Form der Riesterrente habe sich als „Fehlentscheidung“ erwiesen und erhöhe das Risiko von Armut im Alter, teilte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Stiftung am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zur Lage in der Rentenversicherung mit.
„Bleiben die Reformen unverändert in Kraft, werden erhebliche Teile der Erwerbsbevölkerung in Altersarmut gleiten“, warnten die Experten. Angesichts der inzwischen bereits mehr als zehnjährigen Erfahrung mit dem im Jahr 2001 eingeführten Riester-System bestehe kein Zweifel mehr daran, dass es „keinesfalls geeignet“ sei, den Menschen ein sicheres Auskommen im Alter in Ergänzung zur gesetzlichen Rente zu garantieren.
Grund für die Entwicklung sei, dass im Zuge der Riester-Einführung zwar das Versorgungsniveau der gesetzlichen umlagenfinanzierten Rentenversicherung abgesenkt worden sei, die meisten Betroffenen aber nicht in der Lage seien, diesen Verlust durch privates Riestersparen wieder auszugleichen.
„Nach allem, was wir heute absehen können, wird das nur relativ wenigen gelingen“, erklärte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. Er verwies auf hohe Kosten, magere Renditen und Risiken bei Riesterprodukten. Noch schlechter sehe es für die aus, die sich eine Zusatz-Absicherung nicht leisten könnten.
Besonders betroffen seien Durchschnitts- und Geringverdiener. Um massenhafte Altersarmut zu vermeiden, sei eine eindeutige Kurskorrektur hin zur Stärkung des umlagefinanzierten Rentensystems nötig, erklärte das IMK. Der Staat sollte gezielt Renten von Geringverdienern und Personen mit unregelmäßigen Erwerbsbiografien aufstocken sowie das allgemeine Renten-Niveau erhöhen.
Die Hans-Böckler-Stiftung wird vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) getragen. Kritik am deutschen Rentensystem übten in der Vergangenheit auch andere Institutionen, Verbraucherschützer und die Industrieländer-Organisation OECD.
Das Niveau der gesetzlichen Rentenzahlung in Deutschland liege inzwischen rund 15 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten, also den führenden Industrie- und Schwellenländern, teilte das IMK weiter mit. Zur Finanzierung könnte der von Firmen und Versicherten bezahlte Beitragssatz über Jahre in kleinen Schritten angehoben werden. Durch Entlastung bei der privaten Vorsorge wäre dies für die Versicherten unter dem Strich günstiger, die Firmen könnten dies durch ihre gute internationale Wettbewerbsfähigkeit finanzieren. (afp)

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