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Grundeinkommen Die Finnen probieren es einfach mal aus

Im Großversuch testen 2000 Menschen in Finnland die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens von 560 Euro. Die Initiatoren erhoffen sich „positive Antriebe und mehr Dynamik“.

Merkel in Helsinki
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finnlands Präsident Sauli Niinistö in Helsinki. Foto: dpa

Mika Ruusunen aus Tampere im Süden Finnlands musste ab 2013 ohne Job klarkommen. Ein extremer Einschnitt. Der weltweit größte Test mit einem bedingungslosen Grundeinkommen hat das Leben des gelernten Bäckers dann wieder stark verändert. Seit Anfang 2017 und noch bis Ende dieses Jahre bekommt Ruusunen als einer von 2000 Bürgern statt Arbeitslosen- oder Sozialhilfe 560 Euro monatlich vom Staat überwiesen – ohne Auflagen oder Rechenschaftspflicht.

Die Befreiung von der minutiösen Überwachung durch die Arbeitsbehörde samt der Möglichkeit, Jobs ohne Abzug dieser Grundleistung anzunehmen, ist für ihn die wichtigste Umwälzung. Statt der „irritierenden, stressigen“ Pflicht zu dauernder Rechenschaft und dem Betteln um Genehmigungen, etwa sich weiterbilden zu dürfen, sieht er das Grundeinkommen als positiven Antrieb: „Es bringt mehr Dynamik als das alte System.“ Ihm hat das, über Umschulung und Praktikum, jetzt zu einem Job als IT-Techniker verholfen. Ohne Anrechnung auf das Grundeinkommen, ohne Berichtsbögen oder Genehmigungsstempel.

Außerdem hat Ruusunen das gewaltige Interesse am Grundeinkommen zu einem gefragten Interviewpartner für Medien von Montreal über Kopenhagen bis Frankfurt am Main gemacht. Alle wollen wissen, wie es kurz nach der Halbzeit bei diesem Versuch läuft, den Finnlands Mitte-rechts-Regierung mit einer ziemlich eng eingegrenzten Zielsetzung umsetzen lässt.

„Die Regierung will vor allem wissen, ob ein Grundeinkommen die Bereitschaft Arbeitsloser zur Annahme neuer Jobs erhöht“, sagt Marjukka Turunen von der Sozialversicherungsanstalt Kela. „Als Bonus“ könne man auch gesicherte Erkenntnisse darüber sammeln, was die umfassende Kontrolle Arbeitsloser unter dem Strich eigentlich kostet.

Das ist noch meilenweit entfernt von viel weitreichenderen Erwartungen an das Grundeinkommen für ausnahmslos alle Bürger. Immer mehr breitet sich die Idee aus, als humane und tragfähige Antwort auf den Wegfall unendlich vieler traditioneller Arbeitsfelder durch Computer mit erodierenden Sozial- und anachronistischen Besteuerungssystemen. Beim finnischen Großversuch war von vornherein klar, dass die Mitte-rechts-Regierung auf kleiner Flamme kochen wollte. Statt der von den Kela-Forschern gewünschten 10 000 Testpersonen mit und ohne Jobs genehmigte die Regierung nur 2000 Empfänger von Mindestsozialleistungen zwischen 25 und 58 Jahren. Die 560 Euro, steuerfrei, entsprechen der niedrigsten Sozialleistung und einem Fünftel eines finnischen Durchschnittseinkommens.

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