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Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser Mehr Geld statt mehr Rechte

Arbeitnehmern in der Metallindustrie können vielleicht mit drei Prozent mehr Lohn rechnen - aber nicht mit mehr Mitbestimmung

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser. Foto: dpa

Wenn Martin Kannegiesser über Lohnpolitik spricht, dann hören alle genau hin. Der Gesamtmetall-Präsident ist der mächtigste Arbeitgebervertreter der Republik, er repräsentiert die tarifgebundenen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, in der 70 Prozent aller Industrie-Beschäftigten tätig sind. In der Tarifpolitik wollen die Metaller Orientierungsmarken auch für andere Branchen setzen. Kannegiesser hat jetzt mit Blick auf die kommende Metall-Tarifrunde durchblicken lassen, wo die Arbeitgeber der Gewerkschaft entgegenkommen wollen – und wo nicht.

Kompromissbereitschaft signalisiert er bei der Anhebung der Gehälter. In einem Pressegespräch wies er zwar pflichtschuldig die Forderung von 6,5 Prozent mehr Geld zurück, mit der einige IG-Metall-Bezirke in die Verhandlungen gehen wollen. Gleichzeitig ließ er jedoch durchblicken, dass er über einen Zuschlag um die drei Prozent mit sich reden lässt. Kannegiesser erinnerte an die klassische Formel, mit der gemeinhin der Verteilungsspielraum berechnet wird: Die Löhne können so stark steigen wie die Produktivität, zusätzlich sollte nach Überzeugung von Gewerkschaften und vieler Volkswirte der Preisanstieg ausgeglichen werden. Bei der Inflationsrate könne man darüber streiten, ob zum Beispiel auch Energiekosten berücksichtigt werden sollten, die auch Unternehmen belasteten, so Kannegiesser. Doch wenn man die gesamte Teuerung zugrunde legt, dann „käme man auf knapp unter drei Prozent“. Deutlicher kann ein Arbeitgebervertreter vor einer Tarifrunde den aus seiner Sicht akzeptablen Rahmen nicht abstecken.

Eine Lohnerhöhung um die drei Prozent würde die Metallbranche nicht überfordern: Die Industrie hat sich von der Krise erholt, die durchschnittlichen Erträge sind wieder relativ hoch, und 2012 erwartet Gesamtmetall einen Produktionszuwachs von bis zu vier Prozent.

Auch bei Leiharbeitern rechnen die Metall-Arbeitgeber mit einem Gehaltsplus. Kannegiesser spricht von einer „zu erwartenden Entgelt-Erhöhung“ und betont: „Wir haben begriffen, dass man da etwas machen sollte.“ Die IG Metall will im Februar mit den Arbeitgebern der Zeitarbeit über eine Angleichung der Gehälter an das Niveau der Festangestellten verhandeln. Gesamtmetall ist nicht direkt beteiligt. Metallfirmen werden aber einen Teil der höheren Personalkosten tragen, weil in ihren Betrieben viele Leiharbeiter tätig sind. Deswegen ist die Position von Kannegiesser wichtig.

Harsch zurückgewiesen hat der Arbeitgeber-Präsident die Forderung der IG Metall, dass Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern künftig ein Mitspracherecht haben. Die Ausweitung der Mitbestimmung wäre „schädlich und nicht akzeptabel“. Betriebsräte müssten sich per Definition auf die Stammbelegschaft konzentrieren.

Völlig daneben finden die Arbeitgeber auch das Anliegen der Gewerkschaft, dass Ausgebildete künftig in der Regel unbefristet übernommen werden. Eine solche „Zwangsübernahme“ würde Jugendlichen schaden, meint Kannegiesser. Betriebe würden weniger Ausbildungsplätze anbieten. Schon heute würden 75 Prozent der Lehrlinge direkt nach der Ausbildung oder nach einem Jahr mit Zeit-Vertrag unbefristet übernommen.

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