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Erwerbstätigkeit Arbeitsmarkt präsentiert sich glänzend

Experten gehen von anhaltendem Jobboom aus. Beamtenbund beklagt wachsende Personallücken im öffentlichen Dienst.

Silvester in Frankfurt am Main
Nicht nur im Erziehungsdienst, auch Polizei und Feuerwehr fehlen laut Beamtenbund mehrere tausend Kräfte. Foto: dpa

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im vergangenen Jahr kräftig gesunken und wird 2018 weiter zurückgehen – trotz Zuwanderung und obwohl immer mehr Frauen und Ältere erwerbstätig sind. Denn die Unternehmen schreiben immer mehr freie Stellen aus. Nicht nur die Privatwirtschaft sucht Arbeitnehmer, auch der Staat. Ihm fehlen nach Einschätzung des Beamtenbundes dbb derzeit mehr als 185.000 Mitarbeiter. Einen flächendeckenden Arbeitskräftemangel gibt es laut Bundesagentur für Arbeit jedoch nicht.

Im vergangenen Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um weitere 29.000 gesunken und lag um 183.000 niedriger als ein Jahr zuvor, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mit. Im Jahresdurchschnitt 2017 waren 2,53 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das entsprach einer Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent, 2016 lag dieser Wert bei 6,1 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte die Zahl der Arbeitslosen wohl um weitere 200.000 sinken, prognostiziert Jörg Zeuner von der Staatsbank KFW. „Mit 5,3 Prozent wäre die Arbeitslosenquote dann nicht einmal mehr halb so hoch wie zu ihrem Höchststand 2005“.

Der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit ist bemerkenswert, da gleichzeitig immer mehr Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Durch die Zuwanderung erhöhte sich 2017 das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial laut BA um 400.000, durch die vermehrte Erwerbstätigkeit von Frauen und älteren Personen um weitere 470.000. Dieser Zuwachs überkompensierte den Effekt der Alterung der Bevölkerung, durch den das Arbeitskräfteangebot um 300.000 Personen schrumpfte.

Im Vergleich der Branchen schufen 2017 die Unternehmensdienstleistungen die meisten neuen Jobs, errechnet die BA. Hier stieg die Beschäftigung um mehr als vier Prozent. Einen fast ebenso starken Zuwachs verzeichnete der Bereich Pflege und Soziales. Einen Stellenabbau gab es nur bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.

Insgesamt erkennt Allianz-Ökonom Rolf Schneider eine weiter „sehr hohe Arbeitsnachfrage der Unternehmen“. Auch im öffentlichen Dienst mangelt es an Mitarbeitern, beklagt der Beamtengewerkschaftsbund dbb. In den Kommunalverwaltungen fehlten fast 138.000 Mitarbeiter, davon allein im Erziehungsdienst 130.000. Den Feuerwehren fehlen laut dbb 4000, den Jugendämtern 3000 Mitarbeiter. Eine Lücke von 32.000 Mitarbeitern hat sich laut dbb an den Schulen aufgetan, 8000 Mitarbeiter fehlen demnach den Landespolizeien und 500 der Bundespolizei. 

Im öffentlichen Gesundheitsdienst gibt es laut Beamtenbund eine Unterbesetzung von 2500, in der Justiz von 3000 und bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern von 1500 Mitarbeitern. Die Zahlen stammen von den einzelnen Mitgliedsgewerkschaften des dbb und zeigen laut Beamtenbund offene Stellen sowie den tatsächlichen Personalmangel im Arbeitsalltag.

In den kommenden 15 Jahren wird sich der Personalmangel laut dbb verschärfen, denn 1,5 Millionen Beschäftigte würden altersbedingt aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Ziehe man davon die zu erwartenden Neueinstellungen ab, bleibe rechnerisch eine Personallücke von mehreren Hunderttausend Beschäftigten. 

Derzeit jedoch kann die BA noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel aus ihren Statistiken herauslesen. Zwar waren bei ihr Ende 2017 rund 761.000 offene Stellen gemeldet, das waren 103.000 mehr als ein Jahr zuvor. Auf Höchstniveau befindet sich zudem der Index BA-X, mit dem die BA die Nachfrage nach Arbeitskräften misst.

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