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DGB-Studie Arbeitslos und krank

Der Krankenstand bei Menschen ohne Job ist deutlich höher als bei Beschäftigten. Für Erwerbslose ist das eine weitere Falle bei der Jobsuche.

Die Jobsuche mit Kind ist besonders schwer. Foto: dpa

Für die Arbeitgeber war die Entwicklung erfreulich. Im Vergleich zu den 70er-Jahren fehlen die Beschäftigten deutlich seltener wegen Krankheit am Arbeitsplatz. Erschreckend ist dagegen der Gesundheitszustand der Arbeitslosen, wie eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt. Demnach sind Arbeitssuchende je nach Altersgruppe gut doppelt so häufig krank wie Erwerbstätige.

„Arbeitslos zu werden, ist für viele Menschen ein Schicksalsschlag. Und je länger die Arbeitslosigkeit dauert und je geringer die Perspektiven auf einen Wiedereinstieg sind, desto belastender wird die Situation für die Betroffenen und ihre Familien“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Frankfurter Rundschau. Dies schlägt sich in einem hohen Krankenstand nieder. Bereits in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen ist der Krankenstand bei Beschäftigten deutlich niedriger (drei Prozent) als bei Arbeitssuchenden (4,4 Prozent). Diese Differenz wird mit zunehmendem Alter größer. In der Gruppe der 55- bis 59-Jährigen sind Erwerbslose etwa d 2,2 Mal so häufig krank wie Menschen mit Job. Ihre Krankenstandsquote beläuft sich auf 15,2 Prozent.

Buntenbach forderte angesichts der dramatischen Zahlen zum Handeln auf. „Die gesundheitsschädigenden Folgen von Arbeitslosigkeit müssen soweit irgend möglich abgefangen werden.“ Die DGB-Studie kritisiert: „Noch immer ist in Deutschland die Gesundheitsförderung von Arbeitslosen insgesamt völlig unzureichend.“

Psychische Krankheiten unter Erwerbslosen weit verbreitet

Für viele Erwerbslose wird der schlechte Gesundheitszustand zu einer Falle, die sie in der Arbeitslosigkeit hält. Gute Gesundheit zählt zu einem der wichtigsten Faktoren für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Der offiziellen Arbeitslosenstatistik im Juni 2010 zufolge hatten fast 540.000 Arbeitslose vermittlungsrelevante gesundheitliche Einschränkungen. 45 Prozent der Hartz-IV-Empfänger sagen von sich, dass sie gesundheitlich angeschlagen seien. In einer Untersuchung für das Bundesarbeitsministerium gaben fast zwei Drittel der Befragten an, dass sie nicht hundertprozentig arbeiten könnten.

Auch unter Erwerbslosen sind psychische Krankheiten weit verbreitet. Sie kommen fast doppelt so häufig vor wie bei Erwerbstätigen. Die Techniker Krankenkasse berichtet für die Jahre 2000 bis 2009 von einer Verdoppelung der Fehlzeiten bei Erwerbslosen aufgrund diagnostizierter psychischer Störungen. Den psychischen Krankheitsursachen kommt bei der Gruppe der Erwerbslosen nach Angaben der Betriebskrankenkassen die zweitgrößte Bedeutung zu. Sie sind für ein Viertel der Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Erklärt wird das unter anderem mit dem Druck, einen neuen Arbeitsplatz zu finden und den damit verbundenen Rückschlägen.

Die Bundesregierung hat kein Konzept, um diesem Problem zu begegnen. In einer Stellungnahme für die Grünen im Bundestag erklärte sie: „Da die Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung ein wesentlicher Faktor für psychische Gesundheit und soziales Wohlbefinden der Menschen ist, zielen grundsätzlich alle Arbeitsförderungsmaßnahmen der Bundesregierung mittelbar auch auf die Stärkung der psychischen Gesundheit von Erwerbslosen.“

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