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Betriebsrenten Sparen an der Altersvorsorge

Die Betriebsrenten kommen die heimischen Firmen immer teurer. Grund sind die aktuell besonders niedrigen Zinsen. Viele Unternehmen treten deshalb bei der Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter auf die Bremse.

Wer in jungen Jahren für ein Unternehmen arbeitete, konnte bislang oft mit einer Betriebsrente im Alter rechnen. Foto: dpa/Archiv

Die Betriebsrenten kommen die heimischen Firmen immer teurer. Grund sind die aktuell besonders niedrigen Zinsen. Viele Unternehmen treten deshalb bei der Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter auf die Bremse.

Betriebsrenten gelten als dritte Säule der Altersvorsorge. Aber wie private Lebenspolicen geraten sie immer stärker unter den Einfluss von Minizinsen. „Die aktuelle Niedrigzinsphase ist eine ernste Herausforderung für die betriebliche Altersversorgung“, sagt Friedemann Lucius. Von einer Krise will der Vorstand der auf das Thema spezialisierten Kölner Beratungsfirma Heubeck nicht sprechen. Klar sei aber, dass flächendeckend extremer Druck auf bestehende Systeme betrieblicher Altersvorsorge entstehe.

Jüngstes Beispiel ist die Lufthansa, deren Niveau betrieblicher Altersversorgung lang als vorbildhaft galt. Sie hat im September ihren Tarifvertrag gekündigt, weil die konzerneigene Rentenkasse nicht mehr genug Rendite abwirft. Bisher garantiert die Lufthansa den Mitarbeitern Firmenrenten von je nach Berufsgruppe zwischen 1000 und 4000 Euro.

Der Aufwand dafür steigt, je weiter die Zinsen sinken. 2012 waren 260 Millionen Euro für die Altersversorgung des Personals fällig, 50 Millionen Euro mehr als 2011. Das zeigt die Dynamik. Nun verhandelt die Lufthansa mit den Gewerkschaften darüber, dass sie nur noch garantiert, was sie in die betriebliche Altersvorsorge steckt. Wie viel Rente daraus wird, ist von den Finanzmärkten abhängig. Damit wird das Zins- und Kapitalmarktrisiko auf Arbeitnehmern abgewälzt.

„Das ist der Trend und die Stoßrichtung“, betont Lucius. Auf diese Art würden sich derzeit viele Unternehmen bei Betriebsrenten aus den Zwängen niedriger Zinsen befreien oder hätten es wie Siemens und Volkswagen schon getan.

Druck auf Mittelständler

Speziell für Mittelständler steige der Druck, so Heubeck. Der Mittelstand bilanziert oft nach den Regularien des Handelsgesetzbuches, die aktuell mit 4,9 Prozent Rechnungszins operieren. Der sinkt aber bis 2018 auf unter 3,5 Prozent. Das treibe die Pensionsrückstellungen um 15 bis 30 Prozent in die Höhe, so Heubeck, ,,je nachdem wie das Verhältnis von Betriebsrentnern und Anwärtern im Einzelfall aussieht“.

Bei diesen Aussichten dürfte die Lufthansa nicht der letzte Arbeitgeber sein, der für sich die Schmerzgrenze gekommen sieht und bei Betriebsrenten auf die Bremse tritt, weil sonst steigende Pensionsrückstellungen die Gewinne und Dividenden auffressen. Das befürchtet auch die Gewerkschaft Verdi.

Arbeitgeber würden sich ohnehin seit Jahren aus der Finanzierung von Betriebsrenten verabschieden und diese den Belegschaften per Entgeltumwandlung überlassen, sagt Verdi-Expertin Judith Kerschbaumer. Nun würden auch vermehrt die Leistungen sinken und es entstehe eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Immer noch gut verbreitet seien Betriebsrenten für das Führungspersonal. In der Mitte und bei dem schlechter bezahlten Teil der Belegschaft werde es dagegen immer dünner. Auch nach Branchen und Geschlecht spreizt es sich. Für Frauen im Handel betrage eine Betriebsrente im Schnitt 68 Euro monatlich, für männliche Beschäftigte eines Energieversorgers rund 500 Euro.

Lucius bestätigt, dass Arbeitnehmer, speziell bei der Entgeltumwandlung, eine drastische Verschärfung hinnehmen müssen. Das Erreichen garantierter Mindestleistungen habe sich in diesem Bereich im Vergleich zu 2001 massiv verteuert. „Ein heute 25-jähriger muss für die gleiche Betriebsrente den doppelten Beitrag zahlen“, erklärt Lucius die oft unterschätzten Zinseffekte.

Betriebsrenten leiden unter Mini-Zinsen

Blickt man auf die Laufzeiten von Betriebsrenten, sind sie vom Zinsproblem stärker betroffen als Lebenspolicen. Letztere werden kaum verrentet, sondern auf einen Schlag ausbezahlt. Betriebsrenten müssen dagegen bis zum Lebensende finanziert werden. Mit einer Schieflage deutscher Unternehmen durch überbordende Pensionskosten rechnet Stefan Oecking, Partner der Beratungsfirma Mercer, gleichwohl nicht. Es gibt auch Vorteile.

Pensionskassen haben niedrigere Kosten für Abschluss und Verwaltung als Lebenspolicen. Sie dürfen riskanter und damit renditeträchtiger anlegen. Letztlich garantiert der Arbeitgeber alle versprochenen Leistungen. Im Extremfall kann das zum Bumerang werden, wie das Beispiel von Kunert zeigt. Der Strumpfhersteller ist Anfang 2013 vor allem pleitegegangen, weil er die Firmenrenten nicht mehr erwirtschaften konnte. Bis zu 6000 Beschäftigte hatte er in besseren Zeiten. Auf ein Sechstel war die Belegschaft zuletzt geschrumpft, bis sie die Pensionen für ihre Vorgänger nicht mehr stemmen konnte. Kunert hat nun einen neuen Investor. Die Firmenrenten wurden vom Pensionssicherungsverein übernommen. Das Schicksal zeigt aber, welche Sprengkraft in Betriebsrenten liegen kann.

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