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Ausbildung Von Anfang an

Wie Auszubildende und Berufsanfänger sich finanziell und rechtlich absichern können.

Ausbildung im Handwerk
Ein Auszubildender beim Gasschweißen in einer Werkstatt des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer in Erfurt. Foto: dpa

Die Gehaltsunterschiede von Auszubildendenberufen sind groß. Ein Fluglotse verdient spätestens im Arbeitsleben um einiges mehr als ein Handwerker (siehe Infobox). Doch die Entscheidung für den Traumjob fällt – in der Regel – nicht aufgrund eines Blicks in die Gehaltstabelle, auch wenn der Verdienst natürlich eine wichtige Rolle spielt. Mit dem Ausbildungs- oder Berufsstart, der für viele in diesen Wochen beginnt, geht die Verantwortung einher, mit dem selbst verdienten Geld sinnvoll umzugehen. Bei der Beschäftigung mit Finanzthemen sollten Auszubildende und Berufseinsteiger zunächst an ihre Absicherung denken. Welche Versicherungen sind nötig? Ab wann ist an Vermögensaufbau zu denken? Und: Gibt es finanzielle Hilfe?Denn gerade in den Anfangsjahren profitieren Azubis und Arbeitseinsteiger von Förderungen oder auch günstigen Policen bei Versicherungen.

Finanzielle Unterstützung: Mit dem Einstieg ins Berufsleben ist häufig auch der Umzug in die erste eigene Wohnung verbunden. Mietkosten fallen an, die oft einen Großteil des Gehalts ausmachen. Während der ersten Berufsausbildung und bis zu einem Alter von 25 Jahren werden einige Zuschüsse gewehrt: Azubis können prüfen, ob ihnen eine Berufsausbildungsbeihilfe zusteht. Das ist der Fall, wenn sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen und durch die zusätzlichen Kosten den Lebensunterhalt nicht tragen können. Die Beihilfe lässt sich bei der Agentur für Arbeit beantragen. Auch Wohngeld wird bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze gewährt. Was weniger bekannt ist: Bafög gibt es nicht nur zur Unterstützung von Studierenden, auch Auszubildende haben das Recht auf eine Förderung. Die Voraussetzung ist, dass der Azubi seinen eigenen Lebensunterhalt bestreitet und somit erhöhte Ausgaben zu tragen hat.

Risikovorsorge: Risiken absichern geht vor Sparen und Geldanlage. Unerlässlich ist etwa          eine private Haftpflichtversicherung. „Jeder haftet für Schäden, die er Dritten zufügt, persönlich, manchmal mit seinem kompletten Vermögen. Das kann vor allem für junge Menschen, die noch am Anfang ihres Berufslebens stehen, im Schadensfall fatale Folgen haben“, sagt Mathias Zunk, Versicherungsexperte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Während der ersten Berufsausbildung sind Kinder allerdings noch über ihre Eltern versichert, „Voraussetzung ist jedoch, dass sie nicht verheiratet sind und die Eltern – logischerweise – über eine Privathaftpflicht verfügen“, sagt Zunk. Das gleiche gilt für die Privat-Hausratversicherung.

Experten raten zudem zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese ist nicht immer ganz günstig und bedeutet auf den ersten Blick einen zusätzlichen Kostenfaktor. Hier sollten Berufsanfänger aber genau abwägen, ob sie darauf verzichten wollen. Denn wer durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit für einen längeren Zeitraum oder gar nicht mehr in der Lage ist seinen Job auszuführen, der steht womöglich vor riesigen finanziellen Problemen. Zwar steht ihnen in bestimmten Fällen dann eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente zu, die Leistungen sind aber minimal. GDV-Experte Zunk weist zudem darauf hin: „Je jünger jemand in die Berufsunfähigkeitsversicherung eintritt, desto geringer fallen die Beiträge aus“.

Sowieso verpflichtend ist eine Kranken- und Pflegeversicherung. Sucht sich der Auszubildende nicht rechtzeitig selbst einen passenden Versicherer, übernimmt dies der Arbeitgeber – womöglich zu schlechteren Konditionen. Alle anderen Versicherungen aber bleiben freiwillig. Sinnvoll sind zusammengefasst die, die den Lebensunterhalt im Schadensfall existenziell absichern würden. Auf kleinere Sachversicherungen, die etwa das Handy oder das Fahrrad bei Verlust versichern, kann hingegen eher verzichtet werden.

Altersvorsorge: Auch die private Altersvorsorge wird immer wichtiger, um den Lebensstandard auch im Rentenalter halten zu können. Die gesetzliche Rente wird in der Regel nicht ausreichen. Und hier greift wieder die gleiche Regel: Je früher die Einzahlungen – wenn auch mit geringen Beträgen – begonnen werden, desto schneller lässt sich Kapital aufbauen. Für Azubis gibt es besondere Tarife. Zunk empfiehlt einen Riester-Vertrag: Mit einem Sparbeitrag von fünf Euro pro Monat, schieße der Staat jährlich 154 Euro dazu. Berufseinsteigern bis zum 25. Lebensjahr würde außerdem einmalig ein Bonus von 200 Euro gutgeschrieben, so Zunk. Informieren sollten sich Berufsanfänger auch darüber, ob es eine betriebliche Altersvorsorge mit guten Konditionen gibt. Der Vorteil hier: Die Beiträge werden direkt vom Lohn abgezogen, und senken so den Steueranteil.

Vermögensaufbau: Auch hier gilt: je früher damit begonnen wird, desto besser. Der erste und einfachste Schritt ist, vermögenswirksame Leistungen vom Chef in einen Sparvertrag einfließen zu lassen. Dieser läuft über den Arbeitgeber, der ihn mit bis zu 480 Euro im Jahr mitfinanziert. So kann in kleinen Schritten und ganz ohne Risiko Vermögen gebildet werden. Erst wenn das erledigt ist und noch weitere Mittel in den Vermögensaufbau gesteckt werden können, sollte man sich mit alternativen Anlagemöglichkeiten wie etwas Fonds befassen.

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