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Arbeitsmarkt Zahl der Jobsuchenden steigt

Drei Jahre lang entwickelte sich der Arbeitsmarkt im positiven Sinne. Nun steigt die Zahl der Jobsuchenden wieder – vor allem unter jungen Menschen, auch in Hessen.

Für Lehrlinge gilt: Bloß nicht den Kopf in den Schacht stecken. Foto: dpa/Bernd Settnik

Drei Jahre lang hat sich der deutsche Arbeitsmarkt günstig entwickelt, die Zahl der Erwerbstätigen ist im vorigen Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen, die Zahl der registrierten Arbeitslosen hat mit 2,9 Millionen Menschen den niedrigsten Stand seit 1991 erreicht. Doch mit dieser positiven Entwicklung ist zunächst einmal Schluss. Seit drei Monaten steigt die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich wieder: Im Oktober registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 16.000 Jobsuchende mehr als ein Jahr zuvor, im Dezember waren es schon 60.000 Arbeitslose mehr. Die Zahl der offenen Stellen sinkt und die Erwerbstätigkeit geht saisonbereinigt seit Spätsommer ebenfalls zurück.
Die Gründe liegen auf der Hand, meint Karl Brenke, Arbeitsmarktforscher beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Zum einen macht sich die Eurokrise inzwischen auch in Deutschland bemerkbar. Weil die Krisenstaaten unter den Sparprogrammen leiden, stockt die Nachfrage nach deutschen Gütern. Zum anderen habe der private Verbrauch in Deutschland nur wenig zugelegt, sagte Brenke der Frankfurter Rundschau.

Hessen: Arbeitslosenzahl steigt

Auch in Hessen ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich um drei Prozent auf rund 174.000 Menschen gestiegen. Die Jugendarbeitslosigkeit habe sich sogar um nahezu neun Prozent erhöht, berichtet Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit „verhalten sich die Betriebe zurückhaltend, wenn es um Ausbildung und die Übernahme von Auszubildenden geht“, erklärte Martin. Bundesweit stieg die Jugendarbeitslosigkeit um fünf Prozent.

Für dieses Jahr erwartet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Deutschland eine durchwachsene Entwicklung. Die Arbeitslosigkeit werde leicht steigen, prophezeit die Forschungseinrichtung der BA. Gleichzeitig werde jedoch auch die Beschäftigung etwas zulegen. Beides ist möglich, weil Menschen aus dem europäischen Ausland hierzulande Jobs finden werden. Zudem bemühen sich seit einiger Zeit mehr Frauen und ältere Menschen um einen Job, die bislang nicht als arbeitslos registriert waren.

Andere Beobachter sind skeptischer. So erwarten die Volkswirte der Commerzbank, dass auch die Beschäftigung zurückgeht. Ende vorigen Jahres dürfte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland geschrumpft sein, und „das wird sich auch auf die Erwerbstätigkeit durchschlagen“, meint der Commerzbank-Analyst Eckart Tuchtfeld. Für ihn ist es kaum vorstellbar, dass die nachlassende Konjunktur keine Spuren am Arbeitsmarkt hinterlässt.

Düstere Prognose für Eurozone

Verglichen mit anderen europäischen Ländern steht Deutschland noch relativ gut da. So betrug die Arbeitslosenquote nach EU-Definition hierzulande Ende vorigen Jahres 5,4 Prozent, im gesamten Euroraum lag sie dagegen bei 11,7 Prozent. Und es wird noch schlimmer, prophezeit die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernest & Young: In diesem Jahr werde die Arbeitslosenrate auf über zwölf Prozent steigen, heißt es in ihrer aktuellen Konjunkturprognose. Dies würde bedeuten, dass im Laufe des Jahres fast 20 Millionen Menschen in der Eurozone arbeitslos sind. Das wären vier Millionen Menschen mehr als im Jahr 2010.

Die mit Abstand höchsten Arbeitslosenquoten werden demnach Griechenland und Spanien erreichen: mit 28 und 27 Prozent. In diesen beiden Ländern ist der Anteil der Jobsuchenden schon heute mit über 25 Prozent extrem hoch. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaft in der Eurozone zwar wieder wachsen. Bis sich die Jobkrise deutlich entschärft, dürfte es aber noch deutlich länger dauern.

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