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Arbeitsmarkt Frust im Job kostet Milliarden

Bis zu 105 Milliarden Euro pro Jahr gehen der deutschen Wirtschaft einer Studie zufolge verloren, weil Arbeitnehmer innerlich gekündigt haben und entsprechend unmotiviert zu Werke gehen.

Bleistifte
Solange nur ein paar Bleistifte zu Bruch gehen... Foto: dpa

Sie gehen gern zur Arbeit, sind selten krank, haben ein gutes Verhältnis zu ihren Vorgesetzten, zeigen Eigeninitiative und übernehmen Verantwortung im Betrieb. Beschäftigte, die sich ihrem Job und dem Arbeitgeber positiv verbunden fühlen, sind für Unternehmen Gold wert. Das ist einer Studie der Unternehmensberatung Gallup zufolge ganz wörtlich zu nehmen: Danach gehen der deutschen Wirtschaft bis zu 105 Milliarden Euro pro Jahr verloren, weil Arbeitnehmer innerlich gekündigt haben und entsprechend unmotiviert zu Werke gehen.

2016 traf dieser Befund auf 15 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland zu. Das entspricht rund 5,16 Millionen Personen, wie Gallup auf Basis zweier Befragungen unter 1400 abhängig Beschäftigten im vergangenen Jahr hochrechnet. Den 15 Prozent der Demotivierten steht eine ebenso große Gruppe stark engagierter Mitarbeitender gegenüber. In der Mitte befindet sich die große Mehrheit von 24 Millionen Erwerbstätigen, die ihre Aufgaben vorschriftsgemäß erfüllen.

Als ausschlaggebend für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz nennen die Beschäftigten vor allem die Jobsicherheit sowie die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben. Wichtig sind ihnen auch ein an den eigenen Fähigkeiten orientierter Arbeitseinsatz im Unternehmen, ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten, angemessener Urlaub, Abwechslung im Arbeitsalltag, flexible Arbeitszeiten und ausreichender Gestaltungsspielraum im Job. Die Bezahlung folgt erst auf Platz zehn der Prioritätenliste.

Erwartungsgemäß klaffen Wunsch und Wirklichkeit in allen genannten Punkten auseinander. Allerdings ist die Lücke zwischen idealem und tatsächlichem Arbeitsalltag für Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung an das Unternehmen deutlich kleiner als in den anderen Gruppen. So sehen drei Viertel der Engagierten ihre beruflichen Leistungen angemessen anerkannt, rund 85 Prozent fühlen sich auch als Mensch am Arbeitsplatz geschätzt, 90 Prozent sehen ihre Erwartungen mit Blick auf das berufliche Weiterkommen erfüllt. Ganz anders sieht es bei den „innerlich Gekündigten“ aus: Nur zwei Prozent erfahren Anerkennung für ihre Leistung, nur vier Prozent für ihre menschlichen Qualitäten und nur sechs Prozent haben den Eindruck, sich im Unternehmen weiterentwickeln zu können.

Die unterschiedlichen Befindlichkeiten bleiben nicht folgenlos: Während die Hochmotivierten 6,5 krankheitsbedingte Fehltage in den zurückliegenden zwölf Monaten angeben, sind es in der Gruppe am gegenüberliegenden Ende 10,3 Tage. Die 70 Prozent in der Mitte kommen auf 6,8 Krankheitstage. Diese Daten sind betriebswirtschaftlich durchaus von Belang, wie Gallup anhand von Beispielrechnungen verdeutlicht. Danach würde ein Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern mehr als 400 000 Euro pro Jahr einsparen, wenn sich der Krankenstand der Belegschaft insgesamt auf 6,5 Tage reduzieren ließe.

Bindung ans Unternehmen gewinnt an Bedeutung

Aus Sicht der Firmen bedeutsam ist auch die unterschiedlich ausgeprägte Weiterempfehlungsbereitschaft der Belegschaftsgruppen: 84 Prozent der Engagierten würden die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens dem Familien- und Bekanntenkreis ans Herz legen, 69 Prozent würden ihren Betrieb auch als Arbeitgeber empfehlen. Bei den innerlich Gekündigten würden dies im ersten Fall nur 20, im letzteren nur vier Prozent tun.

Bedeutung gewinnt in Zeiten knapper werdender Fachkräfte auch die Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen: Wenig überraschend weisen die Hochmotivierten eine größere Treue zum Arbeitgeber auf als die innerlich Gekündigten. Vier von fünf Beschäftigten aus der ersten Gruppe fasst eine dauerhafte berufliche Karriere beim derzeitigen Arbeitgeber ins Auge, 92 Prozent beabsichtigen, auch in einem Jahr noch für die gleiche Firma zu arbeiten. Von den innerlich Gekündigten bejahen nur 15 und 43 Prozent die entsprechenden Fragen.

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