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Arbeiten in der Krise Hilfe, wenn alles zu viel wird

Wie Unternehmen Beschäftigte mit privaten Problemen unterstützen.

Arbeiten
Hilfsangebote für Mitarbeiter machen inzwischen viele Arbeitgeber in Deutschland. Foto: rtr

Sarah Schreiber fühlte sich komplett ausgelaugt. Sie und ihr Mann hatten ein Haus im Taunus gekauft, ihr Mann renovierte es im Alleingang und hatte kaum noch Zeit für sie und die zwei kleinen Kinder. Deren Betreuung sowie die Hausarbeit blieben fast ausschließlich an Sarah Schreiber hängen. „Nebenbei“ hatten beide noch einen Vollzeitjob. Wenn sie überhaupt mal miteinander sprachen, gab es meistens Streit. „Wir standen kurz vor der Trennung. Wir waren beide so erledigt“, erinnert sich Schreiber. Sie heißt eigentlich anders, möchte aber nicht, dass Kollegen oder Nachbarn ihren Namen in der Zeitung lesen.

Schreiber suchte nach einem Ausweg – und fand diesen über ihren Arbeitgeber, die Deutsche Bank. Im Intranet – dem Onlineportal für die Mitarbeiter – stellt das Institut eine externe Beratungsstelle vor, die Mitarbeiter und auch deren Angehörige bei beruflichen oder persönlichen Problemen anonym und kostenlos kontaktieren können. Psychologen oder Psychotherapeuten sind rund um die Uhr über eine telefonische Hotline erreichbar. Die Beraterin, mit der Schreiber dann telefonierte, empfahl eine Eheberatung und vermittelte auch gleich den Kontakt zu einem Therapeuten. Die Deutsche Bank bezahlte dem Ehepaar – neben der telefonischen Beratung über die Hotline – fünf Therapiesitzungen. „Wir mussten bei dem Therapeuten nur etwas abzeichnen, eine Rechnung haben wir nie gesehen“, sagt Schreiber. 

Hilfsangebote für Mitarbeiter wie das der Deutschen Bank machen inzwischen viele Arbeitgeber in Deutschland. Die Angestellten und ihre Angehörigen sollen unterstützt werden, sei es bei Depressionen, Suchtthemen, Familienproblemen, Überschuldung oder Trauerfällen. Die Deutsche Bank fordert ihre Mitarbeiter im Intranet auch zur Unterstützung von Kollegen auf: „Nicht zuletzt sollten Sie die Berater ansprechen, wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Kollegin oder ein Kollege dringend seelische Unterstützung braucht“, heißt es dort. 
Dabei wählen die Firmen ganz unterschiedliche Ansätze: Viele verlassen sich auf ihre Betriebsärzte, einige machen es wie die Deutsche Bank und arbeiten mit externen Dienstleistern zusammen, andere bieten direkt im eigenen Haus spezialisierte Hilfe an.

So wie die BASF in Ludwigshafen. Die Sozial- und Lebensberatung „LuCare“ ist Teil der BASF-Stiftung. „Wir sind damit rechtlich eigenständig und stehen zum Beispiel nicht in Verbindung zur BASF-Personalabteilung. Dadurch müssen sich Mitarbeiter überhaupt keine Sorgen machen, dass irgendetwas, was sie uns erzählen, ins Unternehmen gelangen könnte“, sagt Rainer Koppenhöfer, Leiter von „LuCare“. Die Räumlichkeiten der Sozial- und Lebensberatung in Ludwigshafen sind integriert in das Mitarbeiterzentrum für Work-Life-Management („LuMit“) und liegen außerhalb des Werksgeländes; dadurch können auch Angehörige von Mitarbeitern und ehemalige BASF-Angestellte sie problemlos erreichen und in Anspruch nehmen. 17 Mitarbeiter – Sozialarbeiter und Sozialpädagogen – sind bei der BASF-Stiftung beschäftigt, ab September kommen noch drei weitere hinzu. Die meisten haben besondere Schwerpunkte und Zusatzausbildungen, etwa zum Thema Sucht oder Pflege, zwei sind ausgebildete Schuldnerberater.

Das Angebot wird rege wahrgenommen. Als Koppenhöfer vor 23 Jahren in der Sozialberatung der BASF startete, kamen etwa 650 bis 700 Mitarbeiter im Jahr vorbei. Inzwischen sind es insgesamt 1800 bis 1900 Klienten an den drei Standorten Ludwigshafen, Münster und Schwarzheide. Die BASF beschäftigt mehr als 50 000 Mitarbeiter in Deutschland. Ein Grund für die steigenden Fallzahlen sieht Koppenhöfer in der sinkenden gesellschaftlichen Stigmatisierung psychischer Probleme. „Es ist nicht mehr ehrenrührig, sich beraten zu lassen oder einzugestehen, dass man Probleme hat“, sagt er.

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