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Altersarmut Immer mehr Rentner mit Minijob

Fast eine Million Rentner arbeiten in einem Minijob. Vor allem Menschen ab 75 Jahren müssen ihre Bezüge aufbessern. Ein Blick auf den Stand der Dinge.

Immer mehr Rentner sind auf einen Minijob angewiesen. Foto: Andreas Arnold

Die Rentenpolitik wird nach Lage der Dinge eines der großen Themen im bevorstehenden Bundestagswahlkampf. Weil die Bevölkerung insgesamt altert, könnte es in Zukunft zu einem dramatischen Abschmelzen des Rentenniveaus und zu einer weiteren Anhebung des Renten-Eintrittsalters über 67 Jahre hinaus kommen. Dagegen laufen Gewerkschaften und Sozialpolitiker Sturm. Neue Zahlen aus dem Arbeitsministerium legen nahe, dass die Rente schon heute für viele ältere Menschen nicht zum Leben reicht. Immer mehr Senioren verdienen sich mit Minijobs etwas hinzu. Ein Blick auf den Stand der Dinge.

Wie entwickelt sich die Zahl der Rentner mit Minijobs?
Sie steigt sprunghaft an, wie aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Abgeordneten Matthias W. Birkwald (Linke) hervorgeht. Fast eine Million Menschen, die älter als 65 Jahre sind, hatten Ende vergangenen Jahres einen Minijob. Zehn Jahre zuvor waren es rund ein Drittel weniger. Die Zahl der Frauen und Männer, die bereits das 75. Lebensjahr vollendet haben und immer noch jobben, hat sich binnen zehn Jahren sogar  mehr als verdoppelt – auf rund 176.000.

Es gibt aber auch immer mehr Rentner. Relativiert das die Aussagekraft der Zahlen?
Wie aus der Statistik hervorgeht, wächst auch der Anteil der jobbenden Rentner an der gesamten Altersgruppe. In der Gruppe 65+ lag er Ende vergangenen Jahres bei 5,5 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es 4,4 Prozent.

Arbeiten die älteren Menschen, weil sie die Rente aufbessern müssen – oder weil sie sich nützlich machen und unter Leute kommen wollen?
Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Motivationen. Linken-Rentenexperte Birkwald ist überzeugt, dass die meisten aus purer Not weiterarbeiten. Die Leute jobbten nicht aus Spaß, sondern weil die Rente nicht zum Leben reicht. „Alle reden von einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit und vom flexiblen Weiterarbeiten nach der Rente, aber niemand sieht sich die Realität auf dem Arbeitsmarkt an“, sagt der Abgeordnete. Die Grenze zwischen Erwerbsarbeit und wohlverdientem Ruhestand dürfe nicht weiter aufgelöst werden. „Wir sind gegen die Maloche bis zum Tode.“ Notwendig sei eine armutsfeste, den Lebensstandard sichernde Rente – also ein deutliche höheres Rentenniveau und eine Mindestrente, die ihren Namen verdient. Der Abgeordnete fordert auch flexible und sozial abgesicherte Vorruhestandsregelungen für diejenigen, die es nicht bis zur Regelarbeitsgrenze schaffen.

Was sagt das Arbeitgeberlager?
Nach Auffassung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) wäre es voreilig, „jeden geringfügig beschäftigten Rentner gleich zum Sozialfall zu erklären“. Auch wer vorrangig des Geldes wegen arbeitet, sei nicht gleiche ein Fall für die Armutsstatistik. „Laut Statistischem Bundesamt geben 55 Prozent der Rentner mit einem Minijob an, sich mit dem Geld Extrawünsche zu erfüllen.“ Nur 36 Prozent meinten, das zusätzliche Einkommen zu brauchen. Anderen mache der Job einfach Spaß, sie fühlten sich noch fit und schätzten die Abwechslung, die ein berufliches Engagement bietet.  

Wie entwickelt sich eigentlich die Zahl der Minijobber insgesamt?
Sie geht – vor allem dank der guten Arbeitsmarktlage – zurück. Zuletzt gab es rund fünf Millionen Menschen, die ausschließlich geringfügig beschäftigt waren. Zehn Jahre zuvor lag die Zahl noch um knapp 200.000 höher. Die Minijobs gibt es in der heutigen Form seit den rot-grünen Sozialreformen der Schröder-Zeit: Wer einem derartigen Job nachgeht, muss keine Steuern oder Sozialabgaben auf den Verdienst bezahlen. Die Lohn-Obergrenze liegt inzwischen bei 450 Euro pro Monat.

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