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Arbeit der Zukunft „Ohne Weiterbildung werden Sie keine Chance haben“

Adecco-Chef Alain Dehaze spricht im Interview über die Arbeit der Zukunft, gefragte Fähigkeiten und darüber, was Eltern ihren Kindern beibringen sollten.

Cebit 2018
Künstliche Intelligenz und Roboter haben keine Kompetenzen wie Neugier, Empathie und gemeinschaftliche Problemlösungsfähigkeiten. Foto: dpa

Sein Rat in Personalfragen ist gesucht: Alain Dehaze spricht auf den ganz großen Bühnen, etwa dem Weltwirtschaftsforum, über die Zukunft der Arbeit. Der Chef des weltgrößten Personaldienstleisters Adecco fordert ein entschiedenes Handeln. Weder Unternehmen noch Politik würden bislang genug tun, um die Digitalisierung erfolgreich zu gestalten, mahnt er im Interview.

Herr Dehaze, die Digitalisierung verändert die Arbeitsmärkte. Sie kennen sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite. Was für Fähigkeiten suchen derzeit die Unternehmen?
Als Fachkompetenzen sind vor allem technische, wissenschaftliche und medizinische Fähigkeiten gefragt. Die sind heute sehr beliebt. Aber es geht mehr und mehr auch um Kompetenzen wie Neugier, Empathie und gemeinschaftliche Problemlösungsfähigkeiten. Künstliche Intelligenz und Roboter können das nicht, und deshalb sind diese Fähigkeiten sehr gesucht.

Wie schnell verändert sich das Fähigkeitsprofil, das Arbeitgeber suchen?
Das ändert sich schnell. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey sagt voraus, dass bis 2030 weltweit 375 Millionen Arbeitnehmer aufgrund des Technologiewandels eine Weiter- und Fortbildung nötig haben werden. Es gibt einen so schnellen und breiten Wandel, dass es ein permanentes Bedürfnis an Umschulungen und Weiterbildungen gibt. Heutzutage verliert man 30 Prozent seiner Kompetenzen innerhalb von vier Jahren.

Verändern sich die Qualifikationsanforderungen schneller als früher?
Wir haben das nicht gemessen. Aber ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: Früher hat ein Programmierer eine IT-Sprache nach der anderen gelernt. Und eine Sprache war mindestens zehn Jahre gültig. Heutzutage arbeiten indische Programmierer mit einer Sprache und lernen parallel dazu drei weitere.

Wie können es die Arbeitnehmer schaffen, mit diesen Veränderungen mitzuhalten?
Ein wichtiger Punkt ist lebenslanges Lernen. Früher wurde man 20 bis 25 Jahre lang ausgebildet und dann hat man 40 Jahre lang gearbeitet. Dieses Modell ist zu Ende. Permanente Weiterbildung und arbeiten lautet nun die Devise. Das verlangt natürlich nach Änderungen auf allen Ebenen – bei den Unternehmen, den Mitarbeitern, den Ausbildungsträgern, der Politik. Dabei stellen uns die rapiden Veränderungen vor ein zentrales Problem: Niemand weiß, was man den Leuten beibringen muss, damit sie am Ende der Ausbildung auch die Fähigkeiten haben, die dann gerade gefragt sind.

Haben Politik und Unternehmen denn schon genug getan, um Beschäftigte zu befähigen, sich ständig weiterzubilden?
Nein, deutlich nein. Darum auch meine Bitte, endlich Dialogplattformen zwischen Regierungen, Ausbildungssystem und Unternehmen zu schaffen. Wir brauchen jetzt eine permanente Verständigung.

Ein großes deutsches Unternehmen hat kürzlich angekündigt, sich von tausenden Mitarbeitern trennen zu wollen, die wenig oder gar nichts über Digitalisierung wissen. Stattdessen will es Menschen einstellen, die mit der Digitalisierung vertraut sind, aber vielleicht keine Branchenkenntnis haben. Ist das eine Strategie, die Sie bei Unternehmen derzeit häufiger sehen?
Nein. Und meine Bitte ist, dass wir vorausschauend handeln. Heutzutage handeln manche Unternehmen nicht vorausschauend. Wenn die Unternehmen das tun würden, würden sie analysieren, welche Fähigkeiten sie in drei bis fünf Jahren benötigen. Und dann sollten sie dafür sorgen, dass ihre eigenen Leute diese Fähigkeiten erlernen. Einfach Teile der Belegschaft auszutauschen, das führt oft zu einem sozialen Blutbad.

Wie helfen Sie Unternehmen, ihre Belegschaften erfolgreich fortzubilden?
Wir haben vor kurzem das Unternehmen „General Assembly“ übernommen. Dabei handelt es sich um den Weltmarktführer für Umschulungen und Weiterbildungen. Er ist spezialisiert auf Kompetenzen des 21. Jahrhunderts, auf Programmierung, Design, Marketing, Datenwissenschaft. Das wird uns die Möglichkeit geben, in Kombination mit unseren vorhandenen Weiterbildungsangeboten, auf die Unternehmen zuzugehen. Wir wissen, dass sie das möchten. Sie sind auf der Suche nach Lösungen, um eigene Leute fort- und weiterzubilden im Digitalbereich.

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