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Anschlag auf Borussia Dortmund Spekulation auf den Tod

Der Tatverdächtige von Dortmund setzte Ermittlern zufolge auf fallende Kurse der BVB-Aktie. Eine Erklärung der Finanzgeschäfte, die offenbar hinter dem Anschlag stehen.

Dortmund
Spekulation an der Börse soll das Motiv des Anschlages gewesen sein. Foto: afp

Was weiß man über die Spekulationen des Tatverdächtigen?
Laut Bundesanwaltschaft hat er 15.000 Verkaufsoptionen – so genannte Put-Optionen – mit Bezug auf die Aktie von Borussia Dortmund gekauft. Die finanziellen Mittel dafür habe er sich über einen Verbraucherkredit besorgt. Mit dem geliehenen Geld spekulierte er auf fallende Kurse der BVB-Aktie. Je stärker die Notierungen eingebrochen wären, umso größer wäre sein Profit ausgefallen. Allerdings  stand er unter Zeitdruck. Seine Papiere hatten eine Laufzeit bis zum 17. Juni 2017. Bis dahin mussten die Kurse fallen – danach wären seine Optionsscheine wertlos gewesen.

Was ist das - eine Put-Option?
Der Inhaber eine Put-Option kann eine Aktie, eine Tonne Öl oder eine  Unze Gold zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis verkaufen. Ein Beispiel: Ein Sack Kartoffeln, 100 Kilo schwer, kostet  heute am Großmarkt rund 25 Euro. Der Landwirt erwirbt sich heute mit einer Put-Option die  Möglichkeit, den Sack im Herbst für diese 25 Euro abgeben zu können. Fällt der Kartoffelpreis bis dahin beispielsweise auf  20 Euro, hat sich das Finanzgeschäft für ihn gelohnt. Auch ein reiner  Spekulant, der nie einen Acker betreten hat, kann mit solchen Optionen Profite  erzielen. Er besitzt zwar  keine Kartoffeln, kauft sie aber einfach im Herbst am Großmarkt für 20 Euro ein. Sein Gegenüber aus dem Finanzgeschäft vom Frühjahr  ist der  Dumme. Er muss ihm den Sack für 25 Euro abnehmen.

Und wie wollte sich dies der mutmaßliche Täter von Dortmund zu Nutze machen?
Solche  Optionsgeschäfte  haben sich aus der Landwirtschaft  entwickelt. Heute kann man mit ihnen auf alles Mögliche wetten – aufs  Wetter, auf Währungen und natürlich  auch  auf  Aktien. Im Fall Dortmund sank die Aktie seit dem Anschlag tatsächlich um 5,5 Prozent: von 5,67 Euro zu Handelsbeginn am Tag des Anschlags am 11. April auf 5,36 Euro bis zum Handelsschluss am Donnerstag. Das wäre aber wohl zu wenig  an Einbußen gewesen, um die Spekulation aufgehen zu lassen. Am Freitag notierte das Papier deutlich im Plus.

Wie viel Geld lässt sich mit solchen Geschäften verdienen – und verlieren?
Sehr viel. Der Käufer einer Option geht ein begrenztes Risiko ein, hätte aber einen enormen Gewinn erzielen können. Er zahlt seinem Vertragspartner eine Prämie, damit der ihm das Risiko durch  fallende  Kurse abnimmt. Wären die Kurse der BVB-Papiere tatsächlich eingebrochen durch die Verletzung oder den Tod von Spielern, wäre der Profit in die Höhe geschossen. Der kriminelle Spekulant hätte sich dann die Papiere für vier, drei oder zwei Euro besorgen und sie für wesentlich mehr abgeben können. Ihm drohte maximal der Verlust der Prämie. Der Gegenüber in dem Spekulationsgeschäft trägt ein deutlich größeres Risiko. Er geht  davon  aus, dass die Kurse nicht sinken. Kommt es anders und verfallen die Kurse, schießen seine Verluste in die Höhe.

Warum geht jemand ein solches Risiko ein?
Der Käufer, also der mutmaßliche Täter, muss für die Put-Option eine vergleichsweise hohe Prämie als Absicherung entrichten. Die verspricht dem anderen eine satte Rendite, wenn der Kurs nicht absackt. Ein  bisschen ist das wie beim Roulette. Wer auf eine Zahl wie die 18 setzt, sackt ordentlich ein, wenn die Kugel auf  die 18 fällt. Meist aber verliert er seinen Einsatz an die Spielbank.

Sind solche Spekulationsgeschäfte verwerflich?
Das ist umstritten. Der Bauern gewinnt Planungssicherheit, wenn er im Frühjahr weiß, was er im Herbst für seine  Produkte bekommt. Nach Ansicht der Finanzmarktprofis dienen auch die Geschäfte mit  Aktien, Anleihen  oder Rohstoffen dazu, Risiken zu verteilen. Kritiker bemängeln, dass sich die Finanzmarktgeschäfte von der  realen Welt entkoppelt  hätten und ein Eigenleben führten. Besonders unter  Beschuss stehen die Spekulationen mit Nahrungsmitteln, da sie laut den  Gegnern die Preise in  die Höhe treiben und  damit denn Hunger fördern. Viele Volkswirte bestreiten diesen Effekt aber. Klar ist im Fall BVB: Finanzmärkte sind je nach Einstellung  mehr oder weniger  böse. Der Anschlag aber  lässt sich nicht bösen Finanzmärkten anlasten. Hinter ihm steht die schwere kriminelle Energie  eines Verbrechers.

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