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Angebot an Schulen Zucker in die Schulmilch

Vier Bundesländer - darunter Hessen - scheren sich bei ihrem Schulmilchprogramm nicht um Vorgaben aus Brüssel und bieten gesüßte Getränke an. Allein so bleibe das Angebot attraktiv, heißt es aus Wiesbaden.

Schulkinder trinken Milch
Da war es noch eine zuckerfreie Stärkung: Kinder beim Trinken von Schulmilch in den 1930er Jahren. Foto: imago

Die Milch macht’s - vom Kindergarten bis zum Abitur. Das ist der Gedanke hinter dem Schulmilchprogramm der Europäischen Union. Liefert Milch doch wertvolles Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine und gilt damit als Muntermacher und unerlässlicher Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung insbesondere in jungen Jahren.

Deshalb auch setzt sich die Bundesregierung zusammen mit den Ländern dafür ein, subventionierte Milchprodukte in Kitas und Schulen anzubieten. Weil’s noch gesünder werden soll, hat Brüssel 2017 neue Vorgaben gemacht und Kakao sowie andere gezuckerte Milchgetränke aus dem Förderprogramm gestrichen. Während sich 12 Bundesländer danach richten, scheren sich Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen nicht darum und beziehen sich dabei auf eine Ausnahmeklausel der Verordnung, die Abweichungen auf Grundlage nationaler Regelungen ermöglicht.

Dabei herrscht in der Fachwelt Einigkeit darüber, dass hoher Zuckerkonsum für Kinder und Heranwachsende schwerwiegende gesundheitliche Risiken birgt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch verweist auf Stellungnahmen der Weltgesundheitsorganisation und der deutschen Ärzteschaft, auf Empfehlungen von Wissenschaftlern und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Tenor: Zuckerzusätze sind überflüssig, begünstigen Diabetes und andere chronische Erkrankungen, und sie machen dick.

Fünfzehn Prozent der Kinder in Deutschland sind stark übergewichtig. Und fast alle konsumieren viel zu viel Süßes. „Das macht es umso unverständlicher, dass Berlin als eines von nur vier Bundesländern in Deutschland vom Grundsatz ,Kein Zuckerzusatz‘ abweicht und eigens veranlasst hat, gezuckerte Milchgetränke an den Schulen des Landes doch zuzulassen“, formuliert Foodwatch in einem offenen Brief an den Senat, der weitgehend gleichlautend auch an die Landesregierungen in Potsdam, Wiesbaden und Düsseldorf adressiert wurde.

Bemerkenswert sind die Reaktionen der zuständigen Ministerien auf die Foodwatch-Kritik. „Kakao anzubieten wird als erforderlich angesehen, um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu erhalten“, heißt es in einer Stellungnahme des hessischen Verbraucherschutzministeriums gegenüber Foodwatch. Bei einer Beschränkung auf Milch pur sei ein Rückzug der meisten „sich beteiligenden Schulen und Lieferanten“ zu befürchten. Bei besagten Lieferanten handelt es sich um die Großmolkerei Friesland Campina, die unter anderem die Marke „Landliebe“ vertreibt und eigenen Angaben zufolge rund 5000 Schulen beliefert.

Das trifft auch auf die Schulen in den anderen drei Bundesländern zu, die weiterhin gezuckerte Milchgetränke zugelassen haben. Das für Berlin ebenfalls zuständige Brandenburger Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) verweist darauf, dass mit einem Ausschluss der Milchmischgetränke von der EU-Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ und stattdessen „andere Produkte mit höherem Zuckergehalt“ konsumiert würden.

Überdies führt man eine Studie an, die den Beitrag von Kakao zu einer gesunden Ernährung belegen soll. Laut Foodwatch handelt es sich dabei allerdings um Mitteilungen der Initiativen „Informationsbüro Schulmilch“ und „Netzwerk Schulmilch“. „Hinter beiden Initiativen steht ausgerechnet die Landliebe Molkereiprodukte GmbH“, kommentiert Foodwatch.

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