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Anders Wirtschaften Wohlstand ohne Wachstum

Das Wirtschaftswachstum gilt als Antwort auf ökonomische Probleme. Gleichzeitig schafft es neue. Und die werden immer größer. Der britische Ökonom Tim Jackson plädiert in seinem neuen Buch für eine nachhaltige Ökonomie.

Wohlstand ohne Wachstum - geht das? Foto: dpa

Es gibt den Menschen Arbeit und Einkommen, es löst Wirtschafts- und Schuldenkrisen aus, es lindert Armut und Hunger und ist die Antwort auf die globale Alterung: das Wirtschaftswachstum, die heilige Kuh aller Regierungen der Welt.

Doch ewig kann die Produktion nicht zulegen, mahnen Wissenschaftler. Denn es kann in einer endlichen Welt kein unendliches „Mehr“ geben. „Wir müssen über eine Wirtschaft ohne Wachstum nachdenken“, mahnt der britische Ökonom Tim Jackson. „Alles andere führt in die Katastrophe.“ Jackson leitet den Beirat für nachhaltige Entwicklung der britischen Regierung. Nun hat er ein Buch geschrieben: „Wohlstand ohne Wachstum“. Hinter diesen Titel setzt er kein Fragezeichen. Denn: „Für die hoch entwickelten Wirtschaften der westlichen Welt ist Wohlstand ohne Wachstum kein utopischer Traum mehr, er ist eine Notwendigkeit.“

Zwar gilt Wirtschaftswachstum als Antwort auf ökonomische Probleme. Gleichzeitig schafft es neue. Und die werden immer größer. Viele Rohstoffvorkommen neigen sich früher oder später dem Ende zu, der Kampf um die verbliebenen Ressourcen wird schärfer, Kriege drohen. Gleichzeitig ist die Umweltbelastung bereits untragbar und muss reduziert werden. Beispiel Klima: So jubelte Deutschland zwar 2010 über den kräftigen Aufschwung. Gleichzeitig jedoch stieg der Ausstoß von Klimagasen um 40 Millionen Tonnen. Und schließlich „zerstört die Jagd nach Wirtschaftswachstum den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Lebensqualität vieler Menschen“, kritisiert Jackson.

Während Wissenschaftler wieder über die Grenzen des Wachstums diskutieren, verlassen sich die politischen Parteien auf seine Wirkung – auch grüne Parteien. Die Politik hofft, das Wachstum umweltverträglicher zu machen. Dieser „grüne Kapitalismus“ soll dann ewig weiter wachsen. Das hält Jackson für eine Illusion: „Es ist schlichtweg eine Wahnvorstellung zu glauben, die Tendenz des Kapitalismus zur Effizienz werde das Klima stabilisieren oder uns vor Ressourcenknappheit schützen.“ Wer das als Ausweg aus dem Wachstumsdilemma empfehle, der solle sich erst einmal die historischen Befunde genauer ansehen. Die zeigen: Zwar wurde die Produktion immer effizienter. Gleichzeitig jedoch war das Wachstum noch stärker, so dass am Ende der gesamte Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastungen stets zugenommen haben.

Wie eine „Postwachstumsökonomie“ genau aussehen soll, das wisse er auch nicht genau, gibt der Brite zu. Doch er nennt Schritte, die die westlichen Industrienationen gehen sollten: Zunächst müsse man einen „sinnvollen Wohlstandsbegriff definieren“, der nicht auf Wachstum basiere. Daneben brauche es verstärkte Investitionen in nachhaltige Technologien und in öffentliche Güter sowie vermehrte Produktion nicht-materieller Dienstleistungen anstelle von Gütern. Zentral sei auch die Reduktion der Arbeitszeit, um die Produktion einzuschränken. Damit dies nicht zu vermehrter Arbeitslosigkeit führt, empfiehlt Jackson eine radikale Umverteilung der Arbeit.

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