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Analyse zu Karstadt Berggruen bittet Politik um Hilfe

Die Politik soll die festgefahrenen Verhandlungen um die Zukunft von Karstadt wieder voranbringen. Investor Nicolas Berggruen sucht Hilfe bei der Bundesregierung. Von J. Maier und K. Doemens und M. Sievers

05.07.2010 14:07
Jutta Maier und Karl Doemens und Markus Sievers
Investor Nicolas Berggruen braucht Hilfe. Foto: Foto: dpa

Nicolas Berggruen merkt, dass ihm die Felle davon schwimmen. Deshalb ruft der Investor der 120 Karstadt-Warenhäuser nun die Politik zu Hilfe. Er sei in den Verhandlungen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet mit seinem Latein am Ende, verkündete der Milliardär gestern im Handelsblatt-Interview. Der Knackpunkt scheinen neue Forderungen der Highstreet-Gläubiger nach einer Beteiligung am Konzerngewinn von Karstadt zu sein, nachdem es bei den Mietnachlässen offenbar eine Einigung gibt. Berggruen ist darauf nicht gut zu sprechen: "Vermieter und Betreiber in einer Person zu sein, halte ich im Fall von Highstreet für fragwürdig", sagte er.

Nun hofft der Investor, seine Forderungen mit Hilfe der Regierung doch noch durchzusetzen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sollen ihren Einfluss gegenüber Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und den Deutschland-Chef von Goldman-Sachs, Alexander Dibelius, geltend machen. Die beiden Institute sind an Highstreet beteiligt, das 86 der Karstadt-Immobilien besitzt.

Doch Brüderle winkte gestern ab: Die Vermittlerrolle zu spielen, sei keine Sache des Staates, ließ sein Ministerium verlauten. Von der Leyen widersprach prompt: Der Staat "darf und soll sich auf die Seite der Arbeitnehmer stellen, wenn es darum geht, unter hohem Zeitdruck eine Einigung in komplizierten Finanzierungsfragen zu erreichen", sagte sie, wenngleich am Ende "die privaten Investoren einen Vertrag schließen müssen, nicht der Staat".

Auch die Opposition versteht den Wirtschaftsminister nicht: "Es ist eine Schande, dass Herr Brüderle tatenlos zusieht, wie die Karstadt-Rettung zu scheitern droht", rügte SPD-Chef Sigmar Gabriel. "Es geht hier nicht um Staatshilfen, sondern um eine vom Investor Herrn Berggruen erbetene Vermittlerrolle." Durch seine Verweigerungshaltung gefährde Brüderle 25 000 Arbeitsplätze und die Attraktivität der Innenstädte mit Karstadt-Standorten. Von der Leyen hatte sich bereits vor rund einer Woche eingemischt und verkündet, die beiden Parteien hätten sich praktisch geeinigt. Doch die dementierten später.

Fürsprache seitens der Politik wird Berggruen am Ende wahrscheinlich ebenso wenig helfen wie die Unterstützung der Gewerkschaft Verdi. Denn die Highstreet-Gläubiger misstrauen Berggruen zutiefst - spätestens, seit klar ist, dass er Karstadt in drei Gesellschaften aufspalten will: Waren-, Sport- und Premiumhäuser. So fürchtet der italienische Warenhaus-Betreiber und Highstreet-Anteilseigner Maurizio Borletti, dass Berggruen die beiden profitablen Sparten (Premium- und Sportfilialen) möglichst schnell veräußern wird, um die angekündigte Investition von 65 Millionen Euro zur Sanierung von Karstadt reinzuholen.

Karstadt stünde dann allein mit den wenig profitablen Warenhäusern umso schlechter da. Außerdem trauen die Gläubiger Berggruen nicht zu, dass sein dünnes Konzept reicht, um die Wende für die insolvente Warenhauskette zu schaffen. Denn Berggruen und sein Partner, der US-Designer Max Azria, haben keinerlei Erfahrungen in der schwierigen Warenhaus-Branche.

Es mehren sich deshalb die Zeichen, dass Highstreet sich nicht auf Berggruens Forderungen einlassen wird. Wenn die Einigung über die Mieten scheitert, platzt der Kaufvertrag. Dann könnte Highstreet doch noch selbst zum Zuge kommen oder einen anderen Investor präsentieren.

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