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Analyse Verzerrte Wahrnehmung

Die Banken geben sich in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft optmistisch.

Das EY-Bankenbarometer fördert dieses Jahr vor allem eine Erkenntnis zutage: Die Realität und die Selbsteinschätzung der Banken sind zwei Paar Schuhe. 120 Banken hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für ihre Studie befragt, darunter über 80 Institute aus dem Sparkassen- und Genossenschaftsbereich.

43 Prozent rechnen für die kommenden Monate mit einer leichten Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftslage in Deutschland. Fast genau so viele gehen von einer unveränderten Konjunktur aus. Nur rund jedes achte befragte Institut rechnet mit einer leichten Eintrübung. Größtes Konjunkturrisiko aus Sicht der Banken ist eine veränderte Außen- und Wirtschaftspolitik der USA. Soweit, so gut.

Doch der erste Widerspruch lauert hier: Nur drei von zehn Banken bewerten die aktuelle Finanzmarktstabilität als hoch. Dennoch rechnen 72 Prozent mit einer gleich bleibenden Gesamtrisikovorsorge ihres Instituts im Kreditgeschäft.

Überraschend auch, dass die Geldhäuser ein mögliches Wachstumsthema nicht zu interessieren scheint: 20 Prozent gehen davon aus, dass die Kreditvergabe der Banken in den nächsten sechs Monaten in Bezug auf Finanzdienstleistungen restriktiver wird. Und: Die Kooperation mit Fintechs steht bei den Banken auf dem vorletzten Platz ihrer Prioritätenliste. Das sei erstaunlich, sagt Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier. Er bezweifelt, dass dies „das Geschäftsmodell der kommenden 20 Jahre“ sei.

Die Institute erwarten tendenziell eine Anpassung der Konditionen in den kommenden zwölf Monaten. Das gilt für Firmen-, Immobilien- und Ratenkredite gleichermaßen. Dabei müssten sich die Institute aber der schwierigen Frage stellen: „Preise ich mich durch höhere Preise aus dem Markt?“, gibt Müller-Tronnier zu Bedenken. Angesichts der Beharrlichkeit, mit der deutsche Sparer den Niedrigzins mit traditionellen Anlagemöglichkeiten aussitzen wollen, wiegen sich die Institute in Sicherheit: Sie rechnen mit einer steigenden Kundennachfrage nach Immobilien- und Konsumentenkrediten. Nur 20 Prozent erwarten eine steigende Nachfrage nach Anlageprodukten.

Erfreulich für die Verbraucher: Zwei Drittel der befragten Institute haben die Gebühren für Privatkunden in diesem Jahr nicht erhöht und planen auch nicht mit dieser Maßnahme. „Ich persönlich habe nicht vor, Gebühren für mein Girokonto zu bezahlen“, sagt Müller-Tronnier. Immerhin 27 Prozent der Institute haben die Gebühren angehoben oder planen dies. „Doch hilft das einem Institut, den Bankapparat zu finanzieren?“, fragt er. „Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Der Experte rechnet mit einem Verdrängungswettbewerb, der über Gebührenerhebung ausgefochten werde. Banken, die sich einen Verzicht darauf nicht leisten könnten, würden aus dem Markt gedrängt.

Zusammenfassend sagt Müller-Tronnier: So optimistisch wie in dieser Studie seien die Banken in den Vorjahren nicht gewesen. Es könne damit zusammenhängen, dass ein Gewöhnungseffekt angesichts der im Vergleich zu US-Banken schlechten Ertragslage eingetreten sei oder das Gefühl vorherrsche, die Talsohle durchschritten zu haben. „Das glaube ich persönlich aber nicht“, sagt er.
Vielleicht gelte bei den Banken aber auch nur die Devise: „Feiern bis zum Schluss.“

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