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Analyse Und jetzt ein Währungskrieg?

Donald Trump bricht ein weiteres Tabu: Er schießt gegen den eigenen Notenbankchef und schwächt damit bewusst den Dollar.

Mit dem türkischen Präsidenten Erdogan verbindet US-Präsident Donald Trump nicht viel – außer einer tiefen gegenseitigen Abneigung. In der Geldpolitik aber verhalten die beiden sich auffallend ähnlich. Wie zuvor Erdogan so griff nun auch Trump mit bemerkenswerten Äußerungen in die Unabhängigkeit der Notenbank ein. Über Jerome Powell, den Chef der US-Währungsbehörde Fed, sagte Trump in einem Interview: „Ich bin nicht begeistert davon, dass er die Zinsen erhöht.“ Die Frage, ob er an die Unabhängigkeit der Geldpolitik glaube, beantworte Trump so: Er glaube an eine Fed, „die das tut, was gut für das Land ist“.

Die Worte zeigten wie zuvor bei Erdogan  große Auswirkungen an den Devisenmärkten. Genau wie die türkische Lira geriet der amerikanische Dollar unter Druck. Gegenüber dem Euro gab er zeitweise deutlich nach. Das passt Trump durchaus in den Kram. Eine billigere Währung erleichtert der schwächelnden heimischen Industrie den Wettbewerb mit ausländischen Exporteuren. Zuvor hatte Trump mit seiner umstrittenen Wirtschaftspolitik das Gegenteil bewirkt und den Dollar nach oben getrieben. Mit schuldenfinanzierten Steuersenkungen und Ausgabenprogrammen trieb er eine ohnehin heiß laufende Konjunktur zusätzlich an.

Die leichte Korrektur der Dollar-Aufwertung ist also nicht das Problem, wohl aber der Umgang mit der Fed. Deren Unabhängigkeit gilt wie die der Bundesbank oder der Europäischen Zentralbank als heilig und unverzichtbar. Als die US-Politik in den 1960er und 1970er Jahren diese Autonomie noch nicht respektierte, führte dies zu hohen Inflationsraten. Aus dieser Erfahrung heraus hielten sich die Präsidenten seitdem mit Bemerkungen zur Fed-Strategie zurück.

Deren derzeitigen Chef hat Trump selbst ernannt. Nach Amtsantritt aber setzte Powell aus guten Gründen den Kurs seiner Vorgängerin fort und erhöhte die lange Zeit extrem niedrigen Zinsen nach und nach auf die aktuell gültige Spanne zwischen 1,75 Prozent und 2,0 Prozent. Zudem kündigte Powell an, weitere Schritte nach oben folgen zu lassen. Das dämpft die Konjunktur und ärgert daher Trump, der sich von einem stärkeren Wachstum innenpolitischen Rückenwind vor wichtigen Wahlen in den USA erhofft.

Powell aber handelt nicht willkürlich, sondern reagiert auf die gute Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten. Dort sorgen die hohe Beschäftigung und wieder steigende Löhne inzwischen für einen gewissen Inflationsdruck.

Die Frage ist nun, ob sich Powell durch die Intervention seines ehemaligen Mentors von dieser Linie wird abbringen lassen. Experten halten das für wenig wahrscheinlich. „Selbst der von ihm ernannte Powell wird sich von Trump nicht reinreden lassen“, meinte Holger Schmieding von der Berenberg Bank.

Die Reaktion an den Devisenmärkten ist folglich eher als erster Schock auf den nächsten Tabubruch durch das Weiße Haus zu verstehen. Unangenehmer könnte es werden, wenn Trump draufsattelt und beispielsweise alles daran setzen sollte, den Dollar abwerten zu lassen. Damit könnte er im schlimmsten Fall einen Währungskrieg auslösen, da beispielsweise den Europäern ein entsprechend stärkerer Euro nicht gefallen dürfte.

Noch sind das Befürchtungen. Doch schon jetzt hat Trump mit seinen Einlassungen wieder einmal Unbehagen ausgelöst.

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