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Analyse Kampf unter Ungleichen

Unternehmen profitieren von einer Nähe zur Politik. Wie sehr, zeigt eine Studie von US-Ökonomen. Dass der Bessere am Ende in der Marktwirtschaft gewinnt, ist Theorie.

Die Marktwirtschaft ist gemäß ihrem Idealbild ein Kampf unter Gleichen. An den Universitäten lernen Studenten ein Marktmodell kennen, bei dem gleichberechtigte Kontrahenten gegeneinander antreten, mit Waren und ihren Preisen um die Gunst der Käufer konkurrieren, und sich am Ende der Bessere durchsetzt. Das hat mit der Realität nicht viel zu tun.

Tatsächlich ist die marktwirtschaftliche Konkurrenz ein Machtkampf, und die Gegner sind unterschiedlich stark. Das fängt beim Arbeitsmarkt an, bei dem zwischen Lohnabhängigen und Unternehmen ein großes Machtgefälle herrscht. Und das geht weiter bei den großen Konzernen, deren ökonomische Wucht ihnen ganz andere Möglichkeiten bietet als ihren kleinen Konkurrenten. Diese Ungleichgewichte werden tendenziell immer größer. Denn „aus der wachsenden Zentralisation und Konzentration des Kapitals erwachsen bessere Bedingungen für die Erwirtschaftung von Gewinnen, und daraus wiederum resultiert unmittelbar ökonomische und politische Macht“, warnt die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik in ihrem jüngsten Gutachten.

Dass Unternehmen, die engeren Kontakt mit der politischen Macht pflegen, besser abschneiden als ihre Wettbewerber, haben Ökonomen von der Universität Illinois belegt: Sie zählten die Treffen von US-Unternehmen aus dem Aktienindex S&P500 mit wichtigen Politikern. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Aktien dieser Firmen zeigen eine „abnorm positive Entwicklung“, so die Wissenschaftler.

Um Transparenz zu schaffen, veröffentlichte die Regierung von Barack Obama freiwillig die Daten zu den Besuchen im Weißen Haus zwischen 2009 und 2015. Jede Verabredung wurde notiert und online gestellt. Die Ökonomen stießen so auf 2286 Treffen zwischen Firmenmanagern und Regierungsbeamten. Am häufigsten kamen David Cole, Chef des Luftfahrtkonzerns Honeywell (30 Mal), und Jeffrey Immelt vom Industrieriesen General Electric (21 Mal) ins Weiße Haus.

Der Vergleich mit den Parteispenden der Konzerne zeigt, was man vermutet hat: Wer viel spendet, erhält öfter Zugang zur politischen Spitze. Je größer ein Unternehmen ist, umso eher wird ihm ein Termin gewährt. Und wer öfter Politiker trifft, der profitiert auf verschiedensten Wegen. So erhalten laut der Studie Firmen mit Nähe zur Politik eher Regierungsaufträge. Sie haben auch eine größere Chance, weniger streng reguliert zu werden. Und ihre Investitionen sind weniger durch politische Unsicherheit betroffen. All dies wirkt sich laut Studie auch auf die Aktienkurse der privilegierten Unternehmen aus: In einem 51-Tage-Zeitraum (zehn Tage vor dem Treffen und 40 Tage danach) finden die Ökonomen ungewöhnlich starke Kursgewinne. Sie bleiben aus, wenn die Termine mit den Politikern abgesagt werden.

Die Präsidentschaftswahlen sind für die Ökonomen ein interessanter Fall. In den Tagen nach der Wahl entwickelten sich Aktien von Unternehmen mit engem Kontakt zur Obama-Regierung deutlich schlechter als die vergleichbarer Firmen. Die Ökonomen warnen aber vor voreiligen Schlussfolgerungen: Ob ihre Studie zeige, dass Firmen durch Politikerkontakte unfaire Vorteile erlangten oder Firmenkontakte Politiker mit Informationen für bessere Entscheidungen versorgten, lasse sich anhand der Daten nicht beantworten.

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