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Analyse Der Aufschwung läuft aus

Noch hält das Wachstum der Weltwirtschaft an. Doch die Risiken werden größer – nicht nur wegen Donald Trump.

Auf den ersten Blick erscheint alles entspannt. Die Weltwirtschaft wird nach der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem und im nächsten Jahr um je 3,9 Prozent wachsen. Das sind im längerfristigen Vergleich ordentliche Werte. Und vor allem: Der IWF konnte seine Vorhersage von April halten und musste sie nicht nach unten korrigieren.

Das ist es dann aber mit den guten Nachrichten. Die stabilen Globalzahlen verdecken die vielfältigen Spannungen und Risiken unter der Oberfläche. Nicht nur der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskrieg gefährdet die Erholung. Auch die zunehmend ungleiche Erholung bereitet Sorgen. Vorbei ist es mit dem besten aller Szenarien, in der sich die drei großen Wirtschaftsräume Nordamerika, Europa und Asien beinah im Gleichtakt nach vorne bewegten. Inzwischen eilen die USA, angetrieben von den schuldenfinanzierten Steuersenkungen und Ausgabenprogrammen Trumps, davon.

Diese Beschleunigung aber ist eher wenig erfreulich. Denn die größte Volkswirtschaft der Erde fuhr ohnehin schon auf Hochtouren. Die zusätzlichen und unnötigen staatlichen Impulse führen nun dazu, dass der Dollar weiter aufwertet und damit die Handelsposition der Vereinigten Staaten noch einmal verschlechtert. Vor allem aber wird die US-Notenbank Fed die Zinsen in relativ raschen Schritten anheben müssen. Hier verorten die Fachleute des Fonds eine der größten aktuellen Risiken. Die internationalen Finanzmärkte unterstellen ein eher behutsames Vorgehen der Fed. Sollten sie sich täuschen, könnte dies Erschütterungen an den Börsen auslösen, so die Befürchtung des IWF. Schneller steigende Zinsen in den USA brächten nicht nur die Aktienkurse unter Druck. Sie könnten auch Schwellenländer in Schwierigkeiten bringen. Höhere Renditen locken das Kapital in die Vereinigten Staaten und weg von Staaten wie der Türkei oder Brasilien.

Ohnehin zeigen die Schwellenländer Schwächetendenzen, obwohl Gigant China sich wacker hält. Aber auch für Europa und Deutschland ist der IWF weniger optimistisch als noch im Frühjahr. Für diese Region gilt besonders, was IWF-Chefvolkswirt Maury Obstfeld generell feststellt. Der vor zwei Jahren begonnene Aufschwung der Weltwirtschaft ist nach seinem Gefühl weniger ausgeglichen geworden und hat sein „Plateau“ erreicht. Anders ausgedrückt: Von jetzt an geht es bergab.

Daran hat selbstverständlich der unselige Donald Trump seinen Anteil. Bis 2020 könnte sein aggressives Vorgehen gegen die wichtigen Handelspartner die Weltwirtschaft einen halben Prozentpunkt an Leistung kosten. Kein Trost ist, dass Trump seinem Heimatland damit selbst am meisten schadet. Die Vereinigten Staaten seien besonders verwundbar, glaubt Obstfeld. Denn sie müssten Gegenschläge von vielen Ländern befürchten, so dass bei ihnen ein sehr hoher Anteil der Exporte durch Zölle belastet werden könnte.

Noch läuft die Weltwirtschaft. Aber die Warnungen vor einem Absturz werden lauter. Eine Schlüsselrolle könnten die Spekulanten spielen, die angefeuert von hohen Gewinnen und niedrigen Zinsen unverdrossen auf ungestörtes Wachstum setzen. Die Stellungnahmen von Obstfeld und seinen Leuten lassen aber erkennen, dass sie sich mit den Bewertungen an den Märkten nicht mehr wohlfühlen.

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