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Amazon Mister Universe

Amazon-Chef Jeff Bezos wird jeden Tag um 265 Millionen Euro reicher, während viele seiner Beschäftigten in den USA auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Jeff Bezos
Jeff Bezos hat ein Vermögen von geschätzt 143 Milliarden Dollar angehäuft. Tendenz steigend. Foto: imago

Amazon bleibt unbeeindruckt. Man orientiert sich an den deutlich niedrigeren Entgelten in der Logistikbranche und verweigert jedweden Tarifvertrag. Stattdessen setzt man auf die digitale Überwachung der Belegschaft: Die Beschäftigten in den Lagern tragen Scanner, die nicht nur Waren, sondern auch die Bewegungen der Beschäftigten erfassen. „Was wir dort erleben, ist die transparente Kontrolle mit Daten als Herrschaftsinstrument“, kritisiert Verdi-Chef Frank Bsirske.

Der Konzern sammelt und speichert darüber hinaus bei jeder Transaktion Kundendaten. Er verfolgt, wer wonach sucht, welche Seiten aufgerufen werden und welche nicht, ob und was bei wem geordert wird. Insofern ähnelt Amazon einem Hightech-Fischer mit Datennetz. Der Fang ermöglicht es dem Unternehmen, Gewohnheiten, Vorlieben und Interessen der Kunden kennenzulernen, was wiederum gezielte Werbeangebote ermöglicht, die ihrerseits Produkten und Dienstleistungen von Amazon gewidmet sind. Mit jedem Seitenaufruf, mit jedem Kauf gewinnt Amazon weitere Daten, um das Kundenprofil zu schärfen.

Um daraus möglichst hohen Gewinn zu schlagen, hat sich Bezos eine perfekte Unternehmensstruktur gezimmert. Der Onlinehändler vertreibt digital Musik, Filme und Serien, ebenso Bücher und den E-Bookreader Kindle. Wer was wann hört oder liest oder guckt, weiß das Unternehmen also. Aber erst mit dem Digital-Assistenten Echo hat es Amazon so richtig in die Wohnzimmer der Kunden geschafft. Das Gerät mit der Stimme „Alexa“ versteht Fragen und Anordnungen, kann digital Geräte bedienen – und überträgt alle Daten an Amazon, von der Weisung, Musik abzuspielen, bis zur Frage, ob der Kühlschrank noch voll sei. Falls nicht, ist der Lieferdienst Amazon fresh zur Stelle, den Alexa alarmiert.

Allerdings nur, sofern der Kunde flüssig ist, worüber Amazon ebenfalls Bescheid wissen kann. Im Januar trat die „PSD2“-Richtlinie für den europäischen Zahlungsverkehr in Kraft, die Amazon und anderen Online-Unternehmen den Zugriff auf die Konto-Daten ihrer Kunden aus den 90 vorangegangenen Tagen ermöglicht. Eine Zustimmung der Verbraucher ist zwar erforderlich, wird sie aber erteilt, öffnet sich ein märchenhafter Sesam: Kontostand, Ausgaben aller Art, regelmäßige Abbuchungen und Zuflüsse, Höhe des Einkommens und der Miete – alles verfügbar.

Seit Anfang des Jahres ist zudem eine Alexa-App im Angebot. Damit erfährt Amazon über das Smartphone, wo sich der Kunde gerade aufhält. Dies lässt ebenfalls Rückschlüsse auf Gewohnheiten und Konsumwünsche zu, die der Konzern zu bedienen gedenkt, und zwar auch im stationären Handel. In den USA haben erste „Amazon Go“-Supermärkte eröffnet, die ohne Personal auskommen, da die Kunden mittels einer gesonderten App beim Betreten und Verlassen des Ladens erfasst werden, ebenso ihre Einkäufe.

Zudem schluckte der Konzern vor einem Jahr die größte amerikanische Biokette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar und versetzte damit die Börsen in Panik. Der Aktienkurs der größten Warenhauskette Walmart, die mehr als die Hälfte des Umsatzes im Lebensmittelbereich erlöst, rauschte um sieben Prozent am Tag nach der Bekanntgabe in den Keller. So groß ist die Angst vor der Macht Amazon.

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