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Amazon Jeff Bezos erobert den Weltmarkt

Er wagt, was viele für unmöglich halten: Jeff Bezos dringt mit Amazon in immer mehr Lebensbereiche vor.

Jeff Bezos
Hat Spaß: Amazon-Gründer Jeff Bezos posiert in Indien für Fotografen. Foto: rtr

Das Credo von Jeff Bezos ist so radikal wie unmissverständlich. „Wir werden uns unerbittlich auf die Kunden konzentrieren“, trichterte der Amazon-Gründer seinen Beschäftigten bereits 1997 ein. Das hat den inzwischen 53-Jährigen zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht und Amazon zu einem Unternehmen, das sämtliche Bereiche des Lebens erobert.

Die Fußballbundesliga im Radio zu hören, gehört für viele Männer zu den Ritualen des Samstagnachmittags. Vom kommenden Samstag an ist auch das bei Amazon zu haben – für alle Kunden, die den Abodienst Prime gebucht haben. Ein weiteres Produkt des US-Konzerns, das ganz nah an den Menschen dran ist. Und eine weitere Nachricht hat kürzlich Schlagzeilen gemacht: 5000 Produkte der Drogeriemarktkette Rossmann wird Amazon in Berlin künftig innerhalb von einer Stunde liefern.

Bald müssen Kunden nicht mehr selbst bestellen

Am Freitag kursierte zudem die Meldung, dass sich Amazon anschicke, das Geschäft mit Tickets für Konzerte und andere Veranstaltungen umkrempeln zu wollen. Oder wie wäre es mit Arzneimitteln? Dass Amazon daran interessiert sein könnte, auch dafür gibt es Hinweise. Immerhin ist allein der US-Markt dafür 200 Milliarden Dollar stark.

Das macht Bezos hungrig. Er hat wiederholt Geschäftsbereiche erschlossen, die vorher niemand für erschließbar hielt. Ein Beispiel: TV-Geräte im Internet kaufen? Geht doch nicht, man muss sich das Gerät doch vorher anschauen. Geht eben doch, weil immer mehr Verbraucher sich mehr auf die Kommentare und Bewertungen von anderen Käufern als auf die Aussagen des Fachverkäufers verlassen. Außerdem kann das Gerät bei Nichtgefallen umgetauscht werden. Die Rückgabegarantie war denn auch maßgeblich für den Siegeszug des Textilhandels via Amazon und Internet. Das führt in den USA nun dazu, dass alteingesessene Warenhauskonzerne wie Macy’s oder Sears in schwere Krisen geraten sind.

Das Berliner Experiment mit Rossmann dürfte eines der spannendsten Bezos-Projekte sein. Die Lieferung innerhalb einer Stunde kostet 6,99 Euro. Den Kunden werden die Produkte von Montag bis Samstag zwischen 8 und 24 Uhr gebracht, sie kommen direkt aus der Filiale. Kunden profitierten damit „von der schnellen und planbaren Lieferung“, betont Kai Rühl, der Amazons Schnellservice Prime Now in Deutschland leitet. Als ausgemacht gilt unter Experten, dass der Service auf andere Städte in Deutschland ausgeweitet wird, wenn die Kundschaft anbeißt.

Die Grenzen des Onlinegeschäfts ausloten

Amazon arbeitet seit Jahren an der Optimierung der Logistik, Lieferzeiten werden immer kürzer. Bezos will die Grenzen des Onlinegeschäfts ausloten und es zugleich mit stationären Läden intelligent verknüpfen. Deshalb hat er kürzlich die Biolebensmittelkette Whole Foods Market für mehr als 13 Milliarden Dollar gekauft. Analysten gehen davon aus, dass die Geschäfte zwar auch in Zukunft für den Kauf von Frischware da sein sollen. Sie könnten aber zusätzlich zu Mini-Auslieferzentren in den Städten entwickelt werden, um Produkte innerhalb einer Stunde zum Kunden zu bringen.

Dass Amazon sich nun auch mit Toilettenpapier, Zahnpasta und Duschgels befasst, ist für Marktforscher naheliegend: Es handelt sich um die sogenannten Produkte des täglichen Bedarfs. Sie werden regelmäßig gekauft. Und da wittert Amazon ein großes Geschäft, nämlich mit der automatisierten Belieferung der Kunden. In nicht allzu ferner Zukunft soll der Konsument nicht mehr bestellen müssen. Er bekommt ohne eigenes Zutun, was er benötigt. Weil Amazon weiß, was Frauen, Männer und Kinder wünschen.

Das soll in Zukunft mit einem sogenannten Smart Agent namens Alexa perfektioniert werden. Der schlaue Assistent ist ein Algorithmus, der Nutzer permanent begleiten und jede Lebensregung registrieren soll. Daraus destilliert das Programm Verhaltensmuster, mit denen die Bedürfnisse erkannt werden können. Die Software soll vor allem auf Smartphones, aber auch auf fest installierten Geräten wie Amazons interaktivem Lautsprecher Echo eingesetzt werden.

Interesse an TV-Rechten für Bundesliga?

Und so könnte in naher Zukunft am Freitag nach Feierabend eine Kiste mit benötigten Drogerieartikeln vorbeigebracht werden. Es kann aber auch Smooth-Jazz für das Abendessen mit Freunden sein. Oder ein Politthriller für den Samstagabend auf der Couch. Amazon liefert ihn über seinen Videostreamingdienst direkt ins Wohnzimmer. Damit die offerierten Filme den Geschmack der Kunden treffen, ist der Konzern innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigen Filmproduzenten geworden. Wobei Nutzerdaten auch zur Entwicklung der Inhalte analysiert werden.

Die Experten der Marktforschungsfirma Gartner jedenfalls gehen davon aus, dass in vier bis fünf Jahren Hightechgiganten wie Amazon mittels smarter Agenten oder Smartphone-Apps bei einem Fünftel aller unserer Aktivitäten unmittelbar beteiligt sein werden. Das zeigt, wie unerbittlich Bezos’ Credo tatsächlich gemeint war.

Sein Geschäftskonzept hat den Amazon-Gründer und -Großaktionär jedenfalls zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Vielleicht gerade deshalb nimmt er ohne mit der Wimper zu zucken heftige Kursschwankungen der Amazon-Aktie in Kauf, die sein Vermögen schnell um zweistellige Millionenbeträge verringern können. Bezos stößt die anderen Aktionäre seines Konzerns immer wieder vor den Kopf. So kündigte er kürzlich an, dass sein Unternehmen in diesem Quartal in die Verlustzone rutschen könnte.

Dem Amazon-Chef geht es kurzfristig nicht um Profite, sondern um das Erobern von Marktanteilen. Schon in den drei Monaten von April bis Juni kletterten die Marketingkosten um beeindruckende 44 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Bei den Aufwendungen für Transport, Verpackungen und den Betrieb der Logistikzentren ging es um ein Drittel auf 5,2 Milliarden Dollar nach oben. In diesem Stil dürfte es auf absehbare Zeit weitergehen. Bereits wird gemutmaßt, dass Bezos auch an den TV-Rechten für die Bundesliga interessiert ist.

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