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Altkanzler Gerhard Schröder könnte Rosneft-Vorstand werden

Altkanzler Gerhard Schröder könnte in den Vorstand des größten russischen Ölkonzerns einziehen. Die Personalie ist politisch brisant.

Gerhard Schröder
Schröder ist bereits Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord Stream, einer Tochter des russischen Gasriesen Gazprom. Foto: afp

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) könnte in den Vorstand des größten russischen Ölkonzerns Rosneft gewählt werden. Er ist einer von insgesamt sieben Kandidaten für den Posten eines „unabhängigen Direktors“ des Unternehmens, heißt es in einem Dekret des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew. Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung RBK soll die Wahl am 29. September stattfinden. Zudem soll der Vorstand demnach von neun auf elf Mitglieder vergrößert werden.

Die Schröder-Personalie ist politisch brisant. Rosneft gehört zur Hälfte dem russischen Staat, bestimmte Geschäfte mit dem Ölkonzern fallen unter die Wirtschaftssanktionen der EU und der USA gegen Russland. „Schröder sollte sich als ehemaliger Bundeskanzler vom Kreml nicht dafür missbrauchen lassen, die EU-Russland-Sanktionen auszuhebeln“, mahnte Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker am Sonntag.

US-Sanktionen gefährden Projekt 

Schröder ist bereits Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord Stream, einer Tochter des russischen Gasriesen Gazprom, der auch zum Teil dem Staat gehört. Nord Stream betreibt eine Pipeline, die russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland bringt. Diese Gasleitung soll bis 2019 um Nord Stream 2 erweitert werden. So würde Deutschland zur Energie-Drehscheibe für Europa. Das EU-Parlament hatte Bedenken gegen das neun Milliarden Euro schwere Projekt geäußert, ebenso Polen und die baltischen Staaten.

Laut US-Sanktionen können Firmen aus Europa bestraft werden, wenn sie Russland beim Pipeline-Bau mit Investitionen von mehr als einer Million Dollar unterstützen. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte die US-Sanktionen völkerrechtswidrig. Die EU-Kommission drohte mit Gegenmaßnahmen: „Wir müssen unsere Wirtschaftsinteressen auch gegenüber den USA verteidigen“, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Aufgrund des Protests milderten die USA die Sanktionen ab, nun wollen sie sie nur in Absprache mit den Europäern umsetzen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Russland

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