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Altersvorsorge Zu viele verstehen Renten-Infos nicht

Riester-Vertrag, Rürup-Rente - was war das nochmal? Viele Menschen verstehen Informationen zur Rente nicht. Das stellt die gesamte Politik infrage.

Entspannung im Kurpark
Foto: dpa

Es war nur eine kleine Mitteilung, kaum wahrgenommen von der Öffentlichkeit. Vielleicht auch nicht so überraschend und deswegen von eher geringem Nachrichtenwert: Jeder fünfte Berufstätige versteht die Renteninformation nicht, mit der die gesetzliche Rentenversicherung ihren Mitgliedern einmal pro Jahr mitteilt, wie viel Rente sie im Ruhestand zu erwarten haben. Ergeben hat das eine Umfrage unter 1000 Berufstätigen, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag einer Fondsgesellschaft befragt hat.

Nun mag man diese Mitteilung für unspektakulär halten. Tatsächlich aber rührt sie an die Grundfesten der deutschen Rentenpolitik. Denn die Renteninformation ist das transparenteste und einfachste Dokument im gesamten Altersvorsorgewesen. Es beschreibt einfach und klar, welche Rente man erhält, wenn sich die Beitragszahlungen der vergangenen fünf Jahre in die Zukunft fortsetzen – natürlich bei unveränderter Gesetzeslage.

Wenn dieses einfache Dokument schon von jedem Fünften nicht verstanden wird, wie sieht es dann mit den sehr viel komplizierteren, nicht selten intransparenten Auskünften anderer Altersvorsorgeanbieter aus? Die Antwort ist bekannt: Für den Normalbürger ist es oft unmöglich, sie zu verstehen.

Damit ist das zentrale Problem der Rentenpolitik der vergangenen Jahre beschrieben. Die Verantwortung fürs Alter vorzusorgen, wurde an den Bürger delegiert. Er soll eigenverantwortlich handeln. Das klang freiheitlich und irgendwie gut. Doch was heißt das konkret?

Konkret heißt das, dass der Bürger, der in seinem Alltag mit Kindererziehung, Beruf und den Alltagsaufgaben ausgelastet ist, einer Armada von Vertriebsspezialisten der Versicherungsbranche gegenübersteht. Die Informationsasymmetrie ist maximal. Auf der einen Seite die Experten, auf der anderen Seite Laien, die drei, vier Mal – beim Riester-Vertrag, der Lebensversicherung und der Rürup-Rente – eine Entscheidung fürs Leben fällen und die Materie nie in Gänze durchdringen können.

Nun weiß die Verhaltensökonomie, die sich nicht einen ökonomisch perfekten Menschen herbeiwünscht, sondern sich mit den wirklichen Menschen beschäftigt: Der Homo sapiens ist einfach zu manipulieren und trifft oft ökonomische Fehlentscheidungen – übrigens auch Statistiker und Ökonomen, die es eigentlich besser wissen müssten. Die Entscheidungen werden besser, wenn die Menschen Dinge oft kaufen – Joghurt, Schuhe, Eintrittskarten. Dann haben sie die Chance, zu lernen und Fehler zu korrigieren. Das ist bei der Altersvorsorge nicht möglich. Man trifft nur wenige Kaufentscheidungen, erkennt Fehler erst nach Jahren und hat dann bereits wertvolle Zeit – der Zinseszins lässt grüßen – verloren.

Die Politik tut deshalb gut daran, die Altersvorsorge entschieden in die Hand zu nehmen. Das bedeutet, die gesetzliche Rente zu stärken und in der kapitalgedeckten Vorsorge aufzuräumen. Am besten organisiert der Staat Bieterverfahren um die transparentesten, günstigsten und ertragreichsten Verträge – sortiert nach Risikoklassen. Nur die siegreichen Versicherer dürfen auf Kundenfang gehen. Gleichzeitig fordert er sie mit eigenen kapitalgedeckten Verträgen heraus und bietet so den Bürgern eine Alternative. Das mögen die Versicherer zwar für unfair halten. Doch ihre Interessen sind nachrangig. Im Vordergrund müssen die Bürger stehen.

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