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Altersvorsorge Rente mit Rendite

Verbraucherschützer fordern einen Staatsfonds nach schwedischem Vorbild, um das Leben im Alter zusätzlich abzusichern.

Die Kanzlerin hat den Vorschlag „eine gute Idee“ genannt. Auf dem Deutschen Verbrauchertag am 19. Juni in Berlin war das, als Angela Merkel Sympathie für ein einfaches kostengünstiges Standardprodukt in der privaten Altersvorsorge erkennen ließ, das der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) vorgeschlagen hatte.

Davon ermutigt, sind Finanzmarktexperten des Verbands nach Schweden gereist, um das dortige Modell einer staatlich organisierten Privatvorsorge in Augenschein zu nehmen. Mit bemerkenswertem Ertrag: VZBV-Chef Klaus Müller plädierte am Donnerstag bei der Präsentation des Verbraucherreports 2017 für einen Staatsfonds nach schwedischem Vorbild, um das Leben im Alter zusätzlich abzusichern.

Im größten skandinavischen Land werden für die „Premium-Rente“ 2,5 Prozent des Bruttolohns aller Arbeitnehmer abgezweigt. Die Einzahler können sich zwischen einem nicht gewinnorientierten Staatsfonds und einem Anlageprodukt aus der Privatwirtschaft entscheiden. Beim Staatsfonds, der laut Müller nur über 28 Mitarbeiter verfügt und sich beim Investieren der Fondsmittel der Expertise professioneller Finanzmarktberater bedient, fallen weder Provisionen noch Marketing- oder anderweitige Vertriebskosten an. Zudem verzichtet der Staatsfonds auf Ertragsgarantien, denn auch diese seien letztlich kostspielig, so VZBV-Expertin Dorothea Mohn. Um einstmals garantierte Erträge auszahlen zu können, müssten in Niedrigzinsphasen aufwendig Gelder umgeschichtet und Konditionen zum Nachteil neuer Verträge abgeändert werden.

Unter dem Strich führt der Verzicht auf Provision, Garantiezins und Co. zu extrem geringen Kosten der Anlageprodukte, die der Staatsfonds in fünf unterschiedlichen Risikoklassen anbietet. Für Aktienfonds etwa liegen sie bei 0,11 Prozent des Fondsvermögens, für Rentenfonds gar bei nur 0,04 Prozent der Anlagesumme. Demgegenüber liegt der Kostensatz privatwirtschaftlicher Anlageprodukte im Schnitt bei knapp zwei Prozent. Da der Staatsfonds zudem keine Überschüsse einbehält, schlägt er die private Konkurrenz in Sachen Rentabilität um Längen: In den 17 Jahren seit Einführung der Premium-Rente erzielte der Staatsfonds eine um 93 Prozent höhere Anleger-Rendite.

Dass ein solches Anlageprodukt in Deutschland auf reges Interesse stoßen dürfte, belegt eine repräsentative Umfrage des VZBV. Als vorrangige politische Aufgabe nannten 89 Prozent eine ausreichende Altersversorgung, die Altersarmut verhindert. Die 2001 eingeführte Riesterrente erfüllt diese Erwartung aus Sicht der meisten Menschen offenbar nicht: Die Zahl der Verträge stagniert seit Jahren bei etwas über 16 Millionen, viele Produkte sind kostenintensiv, kaum durchschaubar und wenig profitabel.

Hinzu kommen Kosten für die Steuerzahler, die nicht nur die staatlichen Zuschüsse finanzieren, sondern auch Riester-Bürokratie. Allein für den Verwaltungsaufwand der „Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen“, die den Sparern die staatlichen Zulagen zuteilt und sich mit Banken, Versicherungen und Bausparkassen über deren Anlageprodukte austauscht, waren im Bundeshaushalt 2016 üppige 148 Millionen Euro eingestellt.

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