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Altersvorsorge Eine Revolution mit vielen Tücken

Die Allianz Leben startet mit einer neuartigen Rentenpolice. Sie verspricht viele Vorteile für die Kunden, doch Vorsicht ist geboten.

Mit Smartphone im Swimmgin Pool
Was macht eigentlich meine Altersvorsorge? Allianz-Kunden können das nun in Echtzeit am Handy überprüfen. Foto: Imago

Private Altersvorsorge in Zeiten von Dauerniedrigzins ist ein schier hoffnungsloses Unterfangen. Assekuranz-Marktführer Allianz hat vor fünf Jahren mit garantiereduzierten Lebenspolicen reagiert und damit den Markt trotz Skepsis von Verbraucherschützern verändert. Jeder dritte in Deutschland neu abgeschlossene Vertrag geht heute auf das Konto der Allianz und ihrer neuen Produktphilosophie, die Anlagerisiken auf Kunden verlagert. Vergleichbares plant die Stuttgarter Allianz Leben nun auch bei Rentenpolicen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen neuen Standard im Markt setzen, das ist einzigartig in Deutschland“, wirbt der Produktvorstand von Allianz Leben, Volker Priebe. Die Police sei flexibel wie nie, volldigital und vor allem auf junge Neukunden zugeschnitten.

Die zeigen der Branche heute oft die kalte Schulter, was nicht nur an Minirenditen liegt. Wer eine Lebens- oder Rentenversicherung erwirbt, verpflichtet sich oft auf Jahrzehnte zu regelmäßigen Einzahlungen. Vor allem für diejenigen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen und oft keine festen Arbeitsverträge mehr erhalten, ist das von geringem Reiz. Viele Lebenspolicen werden erfahrungsgemäß vor Ablauf gekündigt und zum Verlustgeschäft, weil Betroffene die regelmäßige Einzahlung finanziell nicht durchhalten.

Hier setzt die Allianz nun mit der neuen Police namens Fourmore an, was übersetzt einen vierfachen Vorteil suggeriert. Das stimmt insofern, als Kunden hier zum einen in der Einzahlung völlig frei sind. Jeder kann einmalig oder monatlich einen beliebigen Beitrag ab 25 Euro einzahlen. Ist einmal mehr Geld im Geldbeutel, kann ebenso beliebig aufgestockt oder im anderen Fall bei Geldnot auch pausiert oder wie bei einem Sparkonto alles bis auf 100 Euro abgehoben werden.

Mit diesem Ausmaß an Flexibilität hebt sich die Allianz in der Tat von gängigen Rentenversicherungen ab. Volldigital ist das neue Produkt insofern, als es zum Start Anfang August ohne Beratung nur online abschließbar ist und per Smartphone selbst verwaltet werden kann, was ebenfalls jüngere Erwachsene ansprechen dürfte. So kann man sich den aktuellen Wert seiner Police jederzeit in Echtzeit anzeigen lassen. Ausgezahlt wird bei Vollendung des 67. Lebensjahrs. Abschließen kann man bis zum Alter von 57 Jahren.

Das sind die positiven Seiten der vermeintlichen Revolution. Blickt man auf Abschluss- und Verwaltungskosten sowie Renditeversprechen haben Verbraucher weniger zu Lachen. Denn zum einen erheben die Stuttgarter für jede Einzahlung eine Art Provision in Höhe von vier Prozent, was in der Dimension den Ausgabeaufschlägen gut beleumundeter Aktienfonds entspricht. Dazu kommen jährliche Verwaltungs- und Kapitalmanagementkosten von knapp einem Prozent. Kunden garantiert die Allianz dagegen zum 67. Geburtstag gerade einmal, mindestens alle eingezahlten Beiträge zurückzuzahlen, so als hätte man das Geld unter das Kopfkissen gelegt. So gesehen beträgt die garantierte Rendite für Kunden null Prozent, während die Allianz jedes Jahr knapp ein Prozent für sich abzweigt und von jeder Einzahlung zusätzlich vier Prozent.

„Flexibilität hat ihren Preis“, rechtfertigt Priebe das. Außerdem habe jeder Kunde die Chance, vom Know-how der Allianz als einer der weltgrößten Kapitalanleger zu profitieren. Was das im heutigen Zinsumfeld auf Jahressicht bringen könnte, mag der Manager aber nicht einmal vage abschätzen, was potentiellen Interessenten nicht weiterhilft.

Produkt ist sehr teuer

Das Urteil des Bunds der Versicherten (BdV) fällt entsprechend kritisch aus. „Wer auf eine Rente spekuliert, kauft die Katze im Sack“, warnt BdV-Chef Axel Kleinlein. Sehr flexibel sei das Angebot schon. Aber wie die Allianz die vier Prozent Abzug auf jede Einzahlung begründet, ist ihm schleierhaft. Bei privaten Rentenpolicen, die Verbraucher bei einem Makler abschließen, entspreche das deren Provision. „Bei Fourmore gibt es aber keinen Vertrieb, es ist alles online“, stellt der Verbraucherschützer klar. Damit dürfte es eigentlich auch keinen Abzug für Provisionen geben. Kostengünstig sei das neue Produkt, das Markttrends setzen soll, damit nicht. Eine Garantieverzinsung gebe es ohnehin nicht.

Die Allianz ist dennoch davon überzeugt, den Nerv der Zeit zu treffen. Testkunden hätten ein überwältigendes Feedback erzeugt. „Wir bekommen hier Kunden, die wir sonst nicht erreichen“, so Priebe. Wie viele Verträge oder welche Beitragssummen die Stuttgarter damit pro Jahr einmal einsammeln könnten, will er aber nicht sagen.

Angesichts der Marktmacht der Allianz dürfte die Branche bald mit ähnlichen Produkten folgen. „Was die Allianz tut, hat Leuchtturmcharakter und einen Nachahmeeffekt, egal wie gut oder schlecht ein neues Produkt ist“, sagt Kleinlein. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen.

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