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Alstom Wasserstoff- statt Diesellok

2018 rollen hierzulande die ersten Personenzüge mit dem Gasantrieb.

Fast lautlos gleitet die blaue Bahn über die Gleise im Nieselregen von Salzgitter. Ohne dass ein Dieselmotor nagelt und ohne störende Abgase. Nur ein wenig Wasserdampf tritt am Dach des Zuges aus und verwirbelt sich in der feuchten Luft. Wasser ist das einzige Abfallprodukt des Zugs. Er fährt mit Wasserstoff, der von Brennstoffzellen mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu Wasser verbrannt wird. Dabei entsteht Strom, der einen Elektromotor antreibt und gemeinsam mit der Bremsenergie eine Batterie versorgt.

Die blaue Bahn gibt ein tutendes Warnsignal, dann fährt der Prototyp zurück in die Montagehalle des größten Werks des französischen Bahnkonzerns Alstom im niedersächsischen Salzgitter. Von dort aus werden im kommenden Jahr die ersten beiden Züge ausgeliefert, die erstmals in Europa Fahrgäste mit Wasserstoffantrieb befördern werden und zwar auf der Strecke zwischen Cuxhaven und Stade. Wahrscheinlich ist das sogar eine Weltpremiere. Nur in China gebe es schon eine Straßenbahn mit Wasserstoffantrieb, sagt Jörg Nikutta, Deutschlandchef des französischen Bahnkonzerns.

Hier in Salzgitter, wo 2500 Menschen für Alstom arbeiten, wurden Technologie und Antrieb entwickelt. Der Treibstoff wird auf dem Dach in Sicherheitstanks mit sich geführt. Der ist in 15 Minuten voll betankt und reicht für rund 1000 Kilometer, so der Manager. Noch muss das Eisenbahnbundesamt sein finales Plazet zur Genehmigung geben, schließlich ist der Zug eine Innovation, wie sie bisher auf Deutschlands Gleisen nicht unterwegs war. Aber daran zweifelt bei Alstom niemand. „Wir arbeiten mit der Behörde eng zusammen“, so Nikutta. Und auch nicht in Niedersachsen. Dort hat die Landesnahverkehrsgesellschaft insgesamt 14 Wasserstoffzüge bestellt, die künftig zwischen Weser und Elbe verkehren sollen. Sie ersetzen alte Dieselloks. Dafür gibt es rund 80 Millionen Euro vom Land.

„In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Bahnstrecken, die nicht elektrifiziert sind“, sagt der Alstom-Deutschlandchef. Es handelt sich um mehr als 20 000 Kilometer und damit so viel wie nirgendwo sonst in der EU. Rund 4000 Dieselwagen verkehren hierzulande noch. Eine Elektrifizierung der Strecken aus Klimaschutzgründen vorzunehmen, wäre deutlich teurer als der Einsatz von Wasserstoff. Und gegenüber Diesel sei die neue Technologie mit Blick auf die übliche Nutzungsdauer von 30 Jahren wettbewerbsfähig. „Das Anfangsinvestment ist etwas höher“, so Nikutta. „Dafür fallen die variablen Kosten geringer aus.“ Die Niedersächsische Verkehrsgesellschaft erwartet, dass Wasserstoffzüge immer mehr Dieselloks verdrängen werden. Es geht ökonomisch um einen lukrativen Markt. Mit Dieselloks wurden in Europa laut Alstom in den letzten Jahren per annum 650 Millionen Euro umgesetzt.

Damit Wasserstoff im großen Stile die Umwelt gegenüber Diesel entlasten kann, muss er entsprechend grün hergestellt werden. Etwa indem Windkraftanlagen den Strom für die Elektrolyse erzeugen. Dabei wird Wasser unter Energieeinsatz in Wasser- und Sauerstoff zerlegt. Solche Pläne haben vor wenigen Wochen zwei Eisenbahngesellschaften aus dem Umland Berlins und ein großer Windparkbetreiber enthüllt. Eine zweite Variante ist Wasserstoff aus Industrieprozessen zu nutzen, der bisher als Abfallprodukt in die Luft geblasen wird. Weniger Sinn würde hingegen die Nutzung klassischen Wasserstoffs machen. Dieser wird aus fossilen Energien wie Erdgas hergestellt.

Für Niedersachsens Züge wird der Münchener Gasekonzern Linde die Wasserstoffproduktion übernehmen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes will Linde in Bremervörde dafür die „weltweit erste Wasserstoff-Tankstelle“ für Züge errichten und betreiben.

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