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Alibaba Loyal zur Partei – oder zur Wall Street?

Chinas erfolgreichster Unternehmer Jack Ma will seine Posten beim Onlinehändler Alibaba abgeben – um trotz des Drucks der politischen Führung unabhängig bleiben zu können.

Jack Ma und Daniel Zhang
Alibaba-Präsident Jack Ma (l.) mit seinem Nachfolger Daniel Zhang. Foto: rtr

Das Muster ist von anderen Milliardären bekannt: Sie ziehen sich aus ihren Firmen zurück und überlassen das Tagesgeschäft den angestellten Management-Profis. So hat es Microsoft-Gründer Bill Gates gemacht, oder Howard Schultz, der die Kaffeekette Starbucks groß gemacht hat. Nun hat auch Jack Ma, der Gründer des chinesischen Onlinehandelsriesen Alibaba, den Fahrplan für seinen Ausstieg verkündet. Nur: Er will eigentlich gar nicht aussteigen. Stattdessen plant er den Aufstieg zum Visionär für sein Firmenimperium.

In einer Nachricht an seine Mitarbeiter ließ Ma am Montag die Bombe platzen: „Kein Unternehmen kann sich ewig auf die Führung durch seine Gründer verlassen“, schreibt er. Er wolle 2019 den Posten des Präsidenten räumen, ihn an Firmenchef Daniel Zhang übergeben, und in zwei Jahren ganz aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Für die Zeit danach wolle er sich der „Verwirklichung von Träumen“ widmen und der Firma durch die Entwicklung neuer Ideen nützen.

Ma glaubt an Handelszukunft ohne Importeure

Ma ist schon seit fünf Jahren nicht mehr Hauptgeschäftsführer von Alibaba. Und auch heute schon überrascht er immer wieder durch seine Visionen. Er ist überzeugt, dass Online-Kunden künftig direkt beim Hersteller in den Herkunftsländern der Waren bestellen – Handelsfirmen und Importeure gehören damit der Vergangenheit an. Zuletzt sprach er davon, dass Alibaba eine „Firma für alles“ sein könnte. Sie könne Banken ersetzen, Reiseanbieter und Sozialmedien.

Hinter dem angekündigten Rückzug steckt jedoch mehr als der Wunsch nach Freiheit von den Zwängen einer Führungsrolle. Es war Druck von ganz anderer Seite, der ihm zuletzt immer mehr zu schaffen gemacht hat: Die Führung des Landes wacht derzeit wieder eifersüchtig darüber, dass keiner ihrer Untertanen sich außerhalb der ideologischen Leitlinien bewegt. Präsident Xi Jinping fordert dafür ein immer klareres Bekenntnis zur Treue zu seiner Person und seiner Politik.

Alibaba ist chinesischer Regierung ausgeliefert

Für Ma stellte sich damit zunehmend die Frage, was zuerst kommt: „die Pflicht gegenüber den Aktionären an der Wall Street oder Loyalität zum Team Xi?“ So drückt es die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ aus. Ma schreckte ursprünglich auch vor Seitenhieben gegen die Politik seines Landes nicht zurück. Einst beschrieb er sein Verhältnis zur Regierung so: „Du kannst sie lieben, aber du solltest sie nicht heiraten.“ Doch seit kurzem klingt Ma ganz anders. „In den vergangenen fünf Jahren ist das Geschäftsklima in China unter der Führung der Kommunistischen Partei immer nur großartiger geworden“, lobte er sein Land auf einer Technikkonferenz in seiner Heimatprovinz Zhejiang. Zugleich äußerte er sich abfällig über die westliche Demokratie und lobte den Einparteienstaat.

Die zunehmende Anpassung ist kein Wunder. Peking hat Ma bisher zwar in Ruhe gelassen, doch in Wirklichkeit ist auch das große Alibaba der chinesischen Regierung komplett ausgeliefert. Fast das ganze Geschäftsmodell basiert auf Kunden in China. Es war die Regierung, die Ma durch Regulierungen einen Großteil der internationalen Konkurrenz vom Hals gehalten hat. Sie könnte sie ihm auch auf den Hals hetzen.

Ist Alibaba jetzt ein durch und durch chinesischer Betrieb unter der Fuchtel der KP? Oder ein modern-globales New Yorker Internetunternehmen? Die Antwort ist: beides. Es ist Mas Rolle, diese sehr unterschiedlichen Sichtweisen der gleichen Firma in der Öffentlichkeit glaubwürdig zu verkaufen. Da stört es nur, wenn er in die Niederungen des Alltagsgeschäfts eingebunden ist.

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